OHB
- Florian Söllner - Leitender Redakteur

100.000 Lichtjahre Potenzial

Abgehobene Raumfahrtperle

Festtage für Stephen W. Hawking. Er hat die Paralympics in London eröffnet und zeitgleich die von der Mars­oberfläche gesendete Audionachricht des Roboters Curiosity miterlebt.

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18.09.2012

Die US-Marsmission ist für den weltberühmten Astrophysiker nur ein Anfang. Hawkings Körper ist an den Rollstuhl gefesselt, doch sein Geist schwebt durch unendliche Sphären. Es ist schwindelerregend: Der Mars ist zwölf Lichtminuten entfernt, allein unsere Galaxie der Milchstraße hat einen Durchmesser von 100.000 Lichtjahren. Und im gesamten Universum gibt es die Anzahl von 100 Milliarden Galaxien.

Hawking ist daher überzeugt, dass es im All außerirdisches Leben gibt und das Heil der Menschheit auf lange Sicht darin liegt, Planeten zu besiedeln - auch um der Klimaerwärmung oder Atomkriegen zu entgehen.

Der einflussreiche Wissenschaftler und Buchautor fordert daher eine Vervielfachung der Raumfahrt-Investitionen von 0,25 Prozent des weltweiten Staatshaushalts auf 1,0 Prozent.

Weltall-Visionäre wie Hawking sorgen derzeit für Rückenwind für Raumfahrt-Unternehmen wie OHB Technology AG (WKN 593 612). Die Bremer sind schon seit 30 Jahren im Geschäft und entwickeln Konzepte für die Erforschung unseres Sonnensystems mit den Schwerpunkten Mond und Mars. Wenn etwa ab 2016 auch Europa zum Mars fliegt, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass das Mars-Roboterfahrzeug von einer OHB-Rakete zum Ziel gebracht wird.

EADS düpiert

Hauptgeschäft ist bislang die Entwicklung und Fertigung von Satelliten für die Navigation, Kommunikation oder Erdbeobachtung.

Ein spektakulärer Coup gelang vor drei Jahren: Das relativ kleine Unternehmen schnappte dem Branchengiganten EADS-Astrium den Auftrag weg, 14 Positionssatelliten für das europäische Navigationssystem Galileo zu bauen. Ausschlaggebend war nicht nur der mit 566 Millionen Euro niedrigere Preis. Die Bremer gelten - anders als die große Konkurrenz - als besonders pünktliche und zuverlässige Vertragspartner. Ein Ruf, der sich bestätigt und Anfang 2012 zu einem weiteren Auftrag von acht Galileo-Satelliten geführt hat.

Entsprechend stark hat sich der Auftragsbestand entwickelt. Zum Halbjahr verbesserte er sich insgesamt um 0,6  auf 1,8 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Die Marktkapitalisierung der Firma liegt erst bei 0,24 Milliarden Euro.

Auch die im August vorgelegte Gewinnentwicklung überzeugt auf der ganzen Linie. Das EBIT legte um 67 Prozent auf 15 Millionen Euro zu, die Gesamtjahresprognose von 30 Millionen Euro wurde bestätigt.

Mission für die Umwelt

Und die Weichen für weitere Aufträge sind gestellt. OHB schafft es immer wieder, durch Entwicklungsstudien schon frühzeitig bei großen Projekten involviert zu sein. Oft folgen daraus dann Großaufträge.

Erst im Juli hat die Europäische Weltraumagentur (ESA) OHB beauftragt, ein Konzept für künftige europäische Satellitenstarts zu erarbeiten. "Für die OHB ist der Gewinn einer solch prominenten Studie eine ausgezeichnete Gelegenheit, unsere Ideen einbringen zu können", so Firmenchef Marco Fuchs.

Bereits an der bisherigen Trägerrakete Ariane 5 hatte OHB Anteil - künftig könnte die Wertschöpfung noch größer werden. Ähnliche Chancen hat OHB im Zusammenhang mit der Umweltsatellitenmission CarbonSat. Die ESA hatte im Mai eine Studie bei den Bremern in Auftrag gegeben. Ziel ist es, Daten über Treibhausgase in der Erdatmosphäre zu sammeln und zu analysieren.

Schon in naher Zukunft könnte ein Großauftrag für den Nachfolger des deutsches Satellitenaufklärungssystems SAR-Lupe für Impulse sorgen. Das mögliche Volumen taxieren Analysten auf 600 bis 800 Millionen Euro.

Wichtig wird für OHB der November. Dann wird die Europäische Raumfahrtbehörde ESA eine Konferenz abhalten. Politiker der Mitgliedstaaten beraten darüber, wie viele Milliarden an Raumfahrtbudget in den nächsten drei bis fünf Jahren vergeben werden. Die jüngste US-Marsmission dürfte dazu beitragen, dass Europa weiterhin mutig in Weltraumprojekte investiert.

Mit OHB in die Schwerelosigkeit

Die OHB-Aktie befindet sich in einem stabilen charttechnischen Aufwärtstrend. Auch die günstige Bewertung spricht für einen anhaltenden Höhenflug. So liegt das 2013er-KGV gerade einmal bei 11, die aktuelle Dividendenrendite bei 2,5 Prozent. Und CEO Marco Fuchs ließ im Gespräch mit dem AKTIONÄR durchblicken, dass er auch künftig von steigenden Dividendenzahlungen ausgeht. Mit der Raumfahrtaktie OHB haben Anleger daher die realistische Chance, sich ein großes Stück von den konjunkturellen Sorgen unserer Erde abzuheben.

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| Michel Doepke | 0 Kommentare

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