Mensch und Maschine Software
- Michael Schröder - Redakteur

"3D-Druck ist für uns sehr positiv"

Mensch und Maschine (MuM) steigt wieder in die Elektro-CAD-Entwicklung ein. Die Rücklizenzierung der vor fünf Jahren an Autodesk verkauften Elektrotechnik-Planungssoftware ECSCAD beschert dem CAD/CAM-Spezialisten mittelfristig zehn Prozent mehr Umsatz und Gewinn im Softwarebereich.

Zusätzliche Impulse verspricht die steigende Nachfrage im Bereich 3D-Druck. Innerhalb von zwei Jahren will MuM-CEO Adi Drotleff den Gewinn je Aktie auf 0,50 Euro verdoppeln. DER AKTIONÄR sprach mit dem Konzernlenker über den aktuellen Deal, das verstärkte Kundeninteresse im Bereich 3D-Druck und die überdurchschnittliche Dividendenrendite.

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03.12.2013

DER AKTIONÄR: Herr Drotleff, MuM steigt wieder in die Elektro-CAD-Entwicklung ein. Ab dem 1. Januar 2014 werden Sie die vor fünf Jahren an Autodesk verkaufte Elektrotechnik-Planungssoftware ECSCAD zurücklizensieren. Was hat Sie zu diesem Schritt bewogen?

Adi Drotleff:
Als Autodesk uns den Wiedereinstieg in die Weiterentwicklung von ECSCAD anbot, haben wir keinen Moment gezögert, auf diese Weise unser strategisch wichtiges Software-Segment zu verstärken. Wir haben ECSCAD auch nach dem Verkauf aktiv in unserem Systemhaus-Segment weiter vertrieben und betreuen dadurch bereits rund die Hälfte der gut 1.000 Kunden und etwa 2.700 Arbeitsplatz-Lizenzen, die uns Autodesk bei der Rücklizensierung übergibt.

Die Initiative ist von Autodesk ausgegangen, waren die Amerikaner in diesem Bereich nicht erfolgreich?

Autodesk hat eine Midrange-Software für kleinere bis mittlere Elektrotechnik-Projekte, die weltweit viel verbreiteter ist als das High-End-System ECSCAD, für das die Nachfrage hauptsächlich aus dem deutschsprachigen Raum kommt. Da kann man schon verstehen, dass Autodesk sich auf das einfachere und weltweit erfolgreichere Produkt konzentrieren möchte.

Wie viel Geld nehmen Sie für die Rücklizenzierung in die Hand? Welche laufenden Kosten werden Ihnen im Bereich Entwicklung entstehen?

Wir zahlen lediglich eine Lizenzgebühr, die bei ca. 300.000 Euro im Jahr 2014 startet und dann degressiv Jahr für Jahr absinkt. Kumulativ zahlen wir über die nächsten vier bis sechs Jahre nur einen Bruchteil dessen, was wir vor fünf Jahren beim Verkauf erlöst haben.

Wo kommt ECSCAD zum Einsatz?

ECSCAD eignet sich für mittelgroße bis große Elektrotechnik-Projekte mit hunderten oder bis zu mehreren tausend Einzelplänen, z.B. zur Steuerung von Fertigungs-Straßen. Die vielen Querverweise zwischen den einzelnen Plänen werden in einer Datenbank verwaltet und der Planer wird ggf. sofort auf Fehler hingewiesen, z.B. bei einem Kurzschluss oder wenn mehr Kontakte vergeben werden, als bei einem vorgesehenen Relais vorhanden sind.

Gibt es Synergien zu Ihren bestehenden Geschäftsbereichen?

Die Besonderheit von ECSCAD im Konkurrenzvergleich ist die volle Einbettung in AutoCAD, das mit Abstand verbreitetste CAD-System weltweit. Dies hat für die Kunden den Vorteil, dass die mechanische und elektrische Konstruktion einer Anlage innerhalb der gleichen CAD-Familie erfolgt, was den Datenaustausch erleichtert und Schulungskosten spart. Man spricht bei solchen Anwendungen an der Schnittstelle zwischen Mechanik und Elektrotechnik bzw. Elektronik auch von Mechatronik. Da wir etwa 60 Prozent unserer gesamten Wertschöpfung in diesen Bereichen machen, sind die Synergien natürlich riesengroß.

Ab wann und in welcher Höhe erwarten Sie einen positiven Ergebnisbeitrag von ESCAD? Welche Margen peilen Sie mittelfristig in diesem Bereich an?

Der Ergebnisbeitrag sollte schon 2014 positiv sein, wenn auch noch nicht sehr signifikant. Da wir in den letzten fünf Jahren ECSCAD als Handelsprodukt verkauft und eigene Dienstleistungen wie Schulung, Installation, Hotline oder kundenspezifische Anpassungen dazu angeboten haben, entspricht der jetzige Schritt einer Erhöhung der Fertigungstiefe, unsere Rohertrags-Marge bei ECSCAD wird mittelfristig von heute 40 Prozent auf etwa 90 Prozent ansteigen. Dabei dürfte sich die Wertschöpfung etwa 50/50 auf die Segmente Software und Systemhaus verteilen. Unter dem Strich erwarten wir von der ECSCAD-Rücklizensierung mittelfristig etwa zehn Prozent mehr Wertschöpfung und Betriebsergebnis im Software-Segment, das wären rund fünf Prozent im Konzern.

Sie haben ehrgeizige Ziele: Bis 2015 wollen Sie das Ergebnis je Aktie auf rund 0,50 Cent verdoppeln, bis 2017/18 sogar auf einen Euro vervierfachen. Was macht Sie so optimistisch?

Wir haben noch erhebliche Margenreserven in unserem Geschäftsmodell. Da wir das Systemhausgeschäft im deutschsprachigen Raum erst vor fünf Jahren und in Europa sogar erst vor zwei Jahren durch Umwandlung bzw. Verkauf des vorherigen Distributions-Segments gestartet haben, ist die EBITDA-Rendite im Systemhaus-Segment noch ziemlich weit von der Zielrendite von 10 Prozent entfernt, die wir etwa in fünf Jahren erreichen dürften. Aber auch im Software-Segment besteht bei der im Vorjahr erreichten EBITDA-Rendite von 16,3 Prozent noch Optimierungspotenzial von mindestens 5 Prozentpunkten. Dazu kommt ein geplantes organisches Wachstum von etwas über 10 Prozent pro Jahr, aktives Kostenmanagement und eine günstige Steuerquote, weil wir noch steuerliche Verlustvorträge im zweistelligen Millionenbereich in den Büchern haben. Und last but not least macht unser Nettoergebnis ab 2016 einen Sprung von gut 1,5 Millionen Euro oder etwa0,10 Euro pro Aktie, weil dann die 7-jährige Amortisationsfrist der Akquisitionen von Systemhäusern aus dem Jahr 2009 ausgelaufen sein wird.

Das Thema 3D-Druck ist derzeit in aller Munde. Inwiefern begegnet Ihnen als CAD-Spezialist diese innovative Technologie schon im täglichen Geschäft?

Beim 3D-Druck hinkt die Kundennachfrage in Europa der in den USA um einige Jahre hinterher, aber in letzter Zeit stellen wir ein verstärktes Interesse vor allem im Bereich Prototypen und Kleinserien fest. Wir arbeiten hier mit spezialisierten Dienstleistungs-Firmen zusammen, weil die meisten Kunden erst kleine Aufträge extern vergeben und damit Erfahrung sammeln möchten, bevor sie sich für die Anschaffung eines eigenen 3D-Druckers entscheiden.

Was bedeutet dies für Sie als Anbieter von 3D-CAD-Software?

Für uns ist 3D-Druck auf jeden Fall sehr positiv, weil er den Kunden eine einfache und direkte Umsetzung ihrer Entwürfe ermöglicht, zumal es ja mittlerweile Technologien sowohl für Kunststoff- als auch für Metallteile, ebenso wie für Papier- und Pappe-Schichtmodelle gibt, und das in einem sehr breiten Größen- und damit Kostenbereich. Eine sehr faszinierende Technologie, auch wenn ich persönlich den Hype am Kapitalmarkt inzwischen für ziemlich übertrieben halte.

Bei einer steuerfreien Dividende von 0,20 Euro je Aktie weist die MuM-Aktie aktuell eine attraktive Nachsteuerrendite von über vier Prozent auf. Welche Dividendenpolitik verfolgen Sie mittelfristig?

Die Dividende wird so lange bei 0,20 Euro bleiben, bis wir eine Erhöhung aus dem freien Cashflow finanzieren können. Das wird voraussichtlich 2014 oder 2015 der Fall sein. Mittel- und langfristig werden wir auf jeden Fall mindestens 50 Prozent des Gewinns pro Aktie ausschütten.

In den vergangenen acht Jahren haben Sie persönlich rund 1,4 Millionen MuM-Aktien gekauft und Ihren Anteil auf 42,3 Prozent aufgestockt. Auch aktuell sind Sie noch auf der Käuferseite. Nennen Sie uns zum Abschluss bitte drei Gründe, warum Anleger Ihrem Beispiel folgen und in MuM-Aktien investieren sollten?

Außer der Dividendenrendite ist es vor allem die Aussicht auf eine Vervierfachung des Gewinns pro Aktie in den nächsten fünf Jahren und die Sicherheit eines Unternehmens mit fast 30 Jahren Markterfahrung, was die MuM-Aktie meines Erachtens attraktiv macht.

Vielen Dank für das Gespräch!

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