- Sebastian Schinhammer - Redakteur

Start-up-Hype: Unicorn Uber schon 23,4 Milliarden Dollar wert!

Aswath Damodaran hat sich geirrt. Der Professor für Finanzen an der renommierten Stern School of Business an der New York University (NYU) hat im Juni 2014 das Unicorn Uber bewertet – und zwar auf 5,9 Milliarden US-Dollar. Eine falsche Einschätzung wie er heute zugibt, da er die Marktentwicklung unterschätzt habe. Mittlerweile sieht er das Unternehmen bei 23,4 Milliarden Dollar.

In seinem Blogpost setzt sich Darmodaran ausführlich mit der Bewertung von damals und von heute auseinander. So gesteht er 2014 eine zu kleinkarierte Vision von Uber besessen zu haben hatte. Das Unternehmen sei eben nicht nur ein Taxi-Dienstleister, sondern in viele weitere Geschäftsfelder investiert, wie zum Beispiel Lieferservices. Der Professor nimmt sich nun verschiedene neue Annahmen zu Herzen, die entsprechend die Bewertung beeinflussen. So reicht die Bandbreite von guten Neuigkeiten, die einen 100 Milliarden IPO nahelegen, bis hin zu schlechten Neuigkeiten, die für die Kritiker des Unternehmens Wasser auf die Mühlen bedeuten.

 

Folgende Entwicklungen hat Darmodaran nun berücksichtigt:

 

  • Der Markt befinde sich nicht nur in Städten, sondern auch in den Vorstädten und auf dem Land.

  • Der globale Ansatz: Das Fahrten-Teilen sei gerade in den Schwellenländern wie China oder Indien geradezu explodiert. Hier böten sich große Chancen an: Eine große urbane Bevölkerung, die kaum ein Auto besitzt, kann nur auf schlecht ausgebaute öffentliche Verkehrsmittel zurückgreifen.

  • Der Fahrten-Teil Markt ist nicht nur auf Taxi-Fahrten beschränkt, sondern bringt weitere Optionen ins Spiel, was Kosten reduziert, und die Flexibilität erhöht.  Als Beispiele dafür bringt er Uber Essens-Lieferdienste in Los Angelos oder Uber Logistikdienste in New York und Hongkong ins Spiel. Aber: Diese Dienste wachsen nur sehr langsam. In diesen Feldern sei der Konkurrenzkampf deutlich härter. Aus ehemaligen Gedankenspielen seien nun wirklich Geschäftsfelder entstanden.

 

Uber kommt zugute, dass es global vertreten ist. Dagegen fokussiere sich dessen härtester Konkurrent in den USA Lyft  auf den Heimatmarkt. Entscheidend für den Umsatz betrachtet Darmodaran das Verhältnis zwischen Fahrer und Unternehmen. Bislang galt die Regel 80/20 – also 80 Prozent behält der Fahrer, die restlichen 20 Prozent bekommt Uber oder Lyft. Mittlerweile bietet Lyft seinen Fahrern die Möglichkeit an, die vollen 100 Prozent zu behalten, wenn sie über 40 Stunden arbeiten. Somit besteht die Möglichkeit, dass dem Geschäftsmodell die Grundlage entzogen werde.

 

Weitere Probleme, denen Uber gegenüber steht:

 

  • Laut einem kalifornischen Gerichtsbeschluss muss Uber seine Fahrer als Teilangestellte betrachten, so dass sie auch in den Genuß von Zusatzleistungen kommen werden. Höhere Kosten sind die Folge.

  • Die Fahrer werden bald eine Zusatzversicherung abschließen müssen, um die Risiken besser abzudecken. Unternehmen wie Uber werden sich in irgendeiner Form an den Kosten beteiligen müssen.

  • Uber wird in vielen Ländern der Welt mit Rechtsstreitigkeiten verwickelt - klare Gegner sind Taxi-Unternehmen und Regulierungsbehörden. Die Aufwendungen für Lobby-Arbeit und Anwaltskosten werden mit jedem neu zu erschließenden Markt weiter steigen.

 

So schätzt Darmodaran einen Gesamtmarkt, den Uber potenziell bedienen könnte, auf 230 Milliarden Dollar ein, während er seiner ersten Bewertung nur von 100 Millionen ausging.

Auch die jährliche Wachstumrate habe sich seinen Berechnungen nach fast verdoppelt. Ging er 2014 noch von sechs Prozent aus, sind es diesem Jahr 10,39 Prozent. Dagegen seien laut Darmodan die Chancen eines Scheiterns von zehn Prozent auf null Prozent gesunken, da das Unternehmen über genügend Geldreserven verfüge, um auf jede Bedrohung zu reagieren. Im Ergebnis kommt der NYU Professor auf eine Bewertung des Unternehmens von 23,4 Milliarden Dollar, was eine Vervierfachung innerhalb eines Jahres bedeutet. Und doch ist es immer noch sehr konservativ geschätzt: VCs bewerten Uber auf schon mit 51 Milliarden.


Das wahre “Rocket Internet” sitzt nicht in Berlin, sondern in San Francisco. Wer seinen Unternehmenswert innerhalb von einem Jahr raketenhaft vervierfacht – konservativ geschätzt – kann sehr schnell nach den Sternen greifen.

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