- Sebastian Schinhammer - Redakteur

Rocket-Internet-Rivale: "Amazon und Uber sind noch keine Konkurrenz"

Es rumpelt im Karton – und zwar im Pizzakarton, um genau zu sein. Denn das Potenzial im Online-Essensmarkt ist gigantisch: Laut einer Studie von Euromonitor soll er bis 2018 auf 104,7 Milliarden Euro wachsen. DER AKTIONÄR hat dazu mit Jörg Gerbig, COO von Takeaway, gesprochen. Das Unternehmen ist ein großer Rivale für Rocket Internet, beträgt doch der Anteil an Food Delivery-Start-ups rund 46 Prozent des Rocket-Internet- Portfolios. Takeaway ist in zehn Ländern präsent, vermittelt pro Monat 3,5 Millionen Bestellungen und ist in Deutschland unter der Marke Lieferando.de aktiv.

DER AKTIONÄR: Wie beurteilen Sie die derzeitige Marktsituation?

Jörg Gerbig: In der letzten Zeit hat es eine Vielzahl von Übernahmen und Zusammenschlüssen in unserem Markt gegeben. Dennoch bleibt der digitale Food-Services-Markt sehr dynamisch. Die derzeit einsetzende Konsolidierung wird sich also fortsetzen. Lieferando.de mit der Takeaway.com-Gruppe ist  hier sehr gut aufgestellt: Wir sind in zehn Märkten aktiv und arbeiten in fünf Ländern (Niederlande, Belgien, Deutschland, Österreich und Polen) sehr fokussiert. In diesen Kernmärkten wachsen wir stark organisch und sind nicht von Akquisitionen abhängig.

Ihr Chef Jitse Groen sagte in einem Interview: Nur wer die Nummer eins im Markt ist, wird verdienen. Die Nummer zwei bekommt fast nichts.

Es ist schon so, dass die Nummer eins im jeweiligen Markt hohe Margen erzielen kann. Das sehen wir zum Beispiel auch bei börsennotierten Unternehmen wie Just Eat in Großbritannien. In größeren Ländern, wie Deutschland, kann auch die Nummer zwei hohe Margen erreichen. In vier von unseren fünf Kernmärkten stehen wir ganz oben. In Deutschland führen wir immerhin das größte Einzelportal, gemessen an der Anzahl der Bestellungen. Hierzulande haben wir rund 11.000 Restaurants angeschlossen, während die Konkurrenz da deutlich hinterherhinkt.  

Ist der Markt in Deutschland schon ausgeschöpft?

Wir sehen weiterhin ein sehr gutes Wachstum in Deutschland. Dieses wird vor allem davon getrieben, dass immer mehr Kunden von der Telefon- zur Online-Bestellung übergehen. Wir schätzen, dass bislang erst 20 bis 30 Prozent der Bestellungen online abgewickelt werden, und der Rest noch telefonisch. Diese Telefonkunden bieten ein enormes Potenzial. Zusätzlich ändern sich die Lebens- und Essgewohnheiten mit jeder Generation: Die meisten jungen Menschen kochen nicht mehr selbst, sondern nutzen die vielzähligen Angebote im Internet.  

Sind die Wachstumsprognosen bzw. die Bewertungen von Unternehmen in der Lieferbranche überzogen?

Prinzipiell sind die Aussichten gut. Wir schätzen die Größe des deutschen Lieferservice-Markts auf etwa vier Milliarden Euro und befinden uns mit unserem Geschäftsmodell somit in einem Massenmarkt. Im Gegensatz dazu sind viele junge Unternehmen erst seit Kurzem auf dem Markt und bedienen vorwiegend kleinere Nischen. Die Wahrscheinlichkeit, dass einige dieser Nischenmodelle langfristig scheitern, ist durchaus gegeben – mangels Profitabilität oder wegen mangelnder Skalierbarkeit. Wir sehen dieses Risiko für unser Geschäftsmodell nicht.

Amazon und Uber experimentieren schon seit Längerem mit Lieferdiensten. Sehen Sie in diesen Bestrebungen eine Gefahr für Ihr Geschäft?

Wir beobachten das Marktumfeld sehr genau. Amazon und Uber sind mit ihren derzeitigen Geschäftsmodellen vorwiegend im Bereich der Auslieferung aktiv und daher keine direkte Konkurrenz. Lieferando.de fokussiert sich in erster Linie auf die Vermittlung von Speisen. Selbst wenn Amazon oder Uber in dieses Geschäft einsteigen würden, müssten sie enorme Mittel aufwenden, um unseren Vorsprung in puncto Markenbekanntheit in Verbindung mit Essen oder angeschlossene Restaurants zu egalisieren.

Sollte Delivery Hero eine nächste Finanzierungsrunde nachlegen, wird sich Takeaway dann weitere Investoren suchen?

Wir können momentan sehr gut mit Delivery Hero mithalten. Die Unterschiede sind schnell beschrieben: Delivery Hero ist noch nicht profitabel, in vielen exotischen Ländern aktiv und muss zwangsläufig immer wieder neues Geld aufnehmen. Unser Anspruch dagegen ist: Wir wollen uns auf unsere Kernmärkte fokussieren und dort die Marktführerschaft etablieren. Deshalb sehen wir keinen Grund, neue Gelder einzusammeln.

Artikel kommentieren:

Um einen Kommentar zu schreiben, müssen Sie eingeloggt sein.
Sie besitzen noch kein Login? Dann registrieren Sie sich kostenfrei.

  • Es sind noch keine Kommentare vorhanden.

Videos zum Thema:

Der Aktionär TV