Traub: „Mittelstandsanleihen werden eine wichtige Rolle spielen“
Derzeit herrscht Flaute. Nur vereinzelt wagen sich derzeit Mittelständler via Anleihe an den Kapitalmarkt. Trotzdem ist das Segment einen Blick wert.
DER AKTIONÄR: Frau Traub, wenn Sie ein erstes Fazit zum Thema Mittelstandsanleihen ziehen müssten, wie würde dieses ausfallen?
SABINE TRAUB: Unsere Bilanz ist eindeutig positiv. Mit 22 Anleihen und einem Emissionsvolumen von über 1,5 Milliarden Euro sind wir Marktführer bei Mittelstandsanleihen. Auch für die Zukunft sind wir sehr optimistisch, denn das Interesse bei mittelständischen Unternehmen ist ungebrochen. Unabhängig davon wird es - wie derzeit der Fall - immer wieder schwierige Marktphasen geben, in denen keine oder nur wenige Emissionen an den Markt kommen. Mit Blick auf den Sekundärmarkt stellen wir fest: Wir bieten den Anlegern mit unserem Handelssegment Bondm einen liquiden Sekundärmarkt, so dass die Anleihen jederzeit gehandelt werden können. Der Handelsumsatz beläuft sich hier auf mehr als 1,3 Milliarden Euro - das entspricht einem Marktanteil in Deutschland von über 80 Prozent.
Viele Unternehmen haben in den letzten Monaten die Anleihe als Finanzierungsweg ausgewählt. Wie wird sich dieser Markt in der Zukunft entwickeln?
Die neu geschaffene Möglichkeit für Mittelständler, sich am Kapitalmarkt zu refinanzieren, hat sich bewährt und wird im Finanzierungsmix von Unternehmen auch in Zukunft eine wichtige Rolle spielen. Auch vor dem Hintergrund von Basel III bin ich der Überzeugung, dass sich dieser Markt zusätzlich stark beleben wird. Allerdings hängt die Emissionstätigkeit immer von der aktuellen Marktlage ab. Derzeit sehen wir angesichts der andauernden Staatschuldenkrise in Europa eher eine Zurückhaltung bei der Begebung von Unternehmensanleihen, sowohl aus dem Bereich der DAX-Konzerne als auch aus dem Mittelstand - zu Beginn des Jahres herrschte diesbezüglich noch mehr Optimismus. Dennoch steht außer Frage, dass Mittelstandsanleihen den Durchbruch in Deutschland geschafft haben. Sobald die Investoren wieder mehr Vertrauen fassen, werden wir wieder Emissionen auch von mittelständischen Unternehmen sehen. Allerdings muss man die anstehende, traditionelle Sommerpause berücksichtigen.
Könnte sich ihrer Meinung nach am Markt für Mittelstandsanleihen auch eine Art Blase bilden?
Davon sind wir weit entfernt. Das zeigt auch die höchst unterschiedliche Kursentwicklung von Mittelstandsanleihen im Vergleich. Während beispielsweise die Solarbranche mit den Kürzungen der Subventionen kämpfen muss, notieren andere Mittelständler, wie beispielsweise Dürr oder Reiff, über hundert. Das zeigt einerseits, dass der Markt sehr heterogen ist uns andererseits, dass die Anleger die Anleihen sehr differenziert betrachten. Auch die Insolvenz von Siag Schaaf, die im Entry Standard in Frankfurt begeben wurde, hat nicht dazu geführt, dass andere Mittelsandsanleihen automatisch in „Sippenhaft" genommen wurden.
Wie beurteilen sie das Risiko für den Anleger im Vergleich zu anderen Anlageklassen?
Dazu gibt es eine interessante Analyse der EDG AG, die im Rahmen von Bondm eine Risikoklassifizierung für Mittelstandsanleihen entwickelt hat. Dabei handelt es sich - im Gegensatz zu einem Unternehmensrating - um eine rein quantitative Analyse handelt, in deren wöchentliche Berechnung ausschließlich Marktdaten, wie etwa aktuelles Zinsniveau, aktueller Anleihekurs oder die historische Volatilität einfließen. Der Vergleich mit anderen Assetklassen zeigt, dass für Investments etwa in Aktien, Rohstoffen oder Indices teilweise die gleichen Risikoklassen ermittelt werden wie für Mittelstandsanleihen - natürlich immer auf Einzelwerte bezogen. Grundsätzlich gilt: Je höher die Rendite, desto höher das Risiko. Daher richten sich Mittelstandsanleihen an informierte und erfahrene Anleger, die solche Investments als Depotbeimischung nutzen.
Welche Branchen beziehungsweise welche Anleihe speziell stechen ihrer Ansicht nach derzeit hervor?
Hier gibt der Bondm-Index einen guten Gesamtüberblick und zeigt, dass einige Werte, beispielsweise Dürr, Reiff, Nabaltec oder die Johann Friedrich Behrens, deutlich über 100 notieren. Auf der anderen Seite ist die Solarbranche aufgrund der Subventionskürzungen und des Preisverfalls der Module derzeit stark unter Druck.
Warum sind Unternehmensanleihen Ihrer Ansicht nach für den Anleger eine interessante Depotbeimischung?
Angesichts der niedrigen Zinsen wird es für Anleger immer schwieriger, überhaupt noch eine Rendite zu erzielen, die über der Inflationsrate liegt. Für selbstbestimmte und erfahrene Anleger können Unternehmensanleihen auch aus dem Mittelstand eine Alternative sein. Allerdings steht der höheren Rendite ein höheres Risiko gegenüber. Wichtig ist dabei, auf eine gute und breite Streuung der Branchen und Titel zu achten.
Worauf sollte der Anleger beim Kauf einer Anleihe achten?
Wie bei einem Investment in Aktien sollten sich Anleger auch bei einem Anleihenkauf intensiv mit dem Unternehmen beschäftigen. Wichtige Fragen sind dabei: Verstehe ich das Geschäftsmodell? Wie steht das Unternehmen aktuell da und wie sind die Zukunftsaussichten? Darüber hinaus sollten sich die Investoren auch darauf schauen, wie es um die Liquidität im Sekundärmarkt steht, an denen die Anleihe gelistet ist. Denn gerade für private Anleger ist es von großer Bedeutung, ob sie eine Anleihe jederzeit zu marktgerechten verkaufen können.
Frau Traub, vielen Dank für das Interview.
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