Finanzexperte Hölzle: "Mittelstandsanleihe sehr attraktive Anlagemöglichkeit"
Anleihen als alternatives Finanzierungsmittel rücken immer mehr in den Fokus der Kapitalmärkte. Vor allem viele mittelständische Unternehmen haben diese Finanzierungsform für sich entdeckt. Ergebnis: In den letzten Monaten gab es eine Reihe von Anleihenemissionen im Mittelstandsbereich. DER AKTIONÄR fragte nach bei Manuel Hölzle, Vorstand der GBC Research AG.
Die niedrigen Zinsniveaus und die unverändert zurückhaltende Kreditvergabe der Banken sorgten in diesem Jahr für einen Hype auf den Anleihemärkten. DER AKTIONÄR sprach mit Manuel Hölzle, Kapitalmarktexperte und Befürworter der Mittelstandsanleihe über die aktuelle Situation sowie die Aussichten auf dem Anleihemarkt.
Herr Hölzle, immer mehr Mittelständler besorgen sich Geld via Anleihe. Ist diese Form der Finanzierung derzeit einfach trendy?
Manuel Hölzle: Derzeit ist es sicher ein Trend, aber ein positiver und meines Erachtens auch ein Nachhaltiger. Denn die Finanzierungssituation für den Mittelstand wird immer schwieriger und knapper, insbesondere durch die Bankenregulierung wie Basel III.
Zuletzt haben auch viele große Namen wie etwa Bastei Lübbe, Valensina oder auch Zamek den Weg der Finanzierung via Anleihe gewählt. Welchen Vorteil haben die Unternehmen dadurch?
Für Markenartikelunternehmen und Unternehmen mit starken Namen ist die Begebung von Anleihen derzeit sehr komfortabel und vergleichweise einfacher. Starke Namen sind derzeit envogue bei Investoren, was die Platzierung der Anleihe erleichtert.
Wie können Anleger die Spreu vom Weizen trennen. Worauf sollen diese beim Kauf einer Anleihe achten?
Genau hinsehen und die Bilanz der Unternehmen prüfen. Anleger sollten sich nicht nur auf große Namen stürzen. Vielfach sind die Qualitäten bei den nicht so bekannten Unternehmen sogar deutlich besser. Auf alle Fälle sollten sich die Anleger vor einem Investment intensiv mit den verfügbaren Unterlagen aufeinandersetzen.
Wie hoch schätzen Sie das Risiko für den Anleger ein - schließlich ist eine Anleihe eines Mittelständlers nicht ganz ohne Risiko zu sehen?
Definitiv ist eine Unternehmensanleihe keine risikolose Anlage. Gegenüber Aktien sind Anleihen vorrangig, in der Regel steht der Anleihenkäufer in der Kette aber hinter den kreditfinanzierenden Banken. Als Entlohnung für das höhere Risiko erhält der Anleger vergleichweise hohe Zinsen, im Durchschnitt derzeit 7,25 Prozent. Zur Risikoreduzierung sollten Anleger wie bei Aktien streuen und auf ein ausgewogenes Depot achten. In einer guten Mischung sind Unternehmensanleihen aus unserer Sicht eine sehr attraktive Anlagemöglichkeit.

Könnte sich ihrer Meinung nach am Markt für Mittelstandsanleihen auch eine Art Blase bilden - sprich, viele Emissionen und letztendlich werden einige Unternehmen auch Schwierigkeiten bekommen, die Anleihe zurückzuzahlen?
Blasen sind nie ausgeschlossen. Bei Mittelstandsanleihen zeigt sich derzeit aber definitiv noch keine Blasenbildung. Indizien für eine Blase sind viele Emissionen, welche eigentlich ohne Rücksicht auf Verluste von Anlegern gezeichnet werden, um Zeichnungsgewinne zu erzielen. Im Laufe einer Blase kommen dann immer schlechtere Bonitäten an den Markt und werden trotzdem weiter gezeichnet. Unter den schlechten Bonitäten gibt es dann die ersten Ausfälle. Derzeit haben wir eher einen sich langsam entwickelnden Markt und viele Investoren sind noch an der Seitenlinie und beobachten die Entwicklung. Von Blase noch lange keine Spur.
Warum sind Unternehmensanleihen Ihrer Ansicht nach für den Anleger eine interessante Depotbeimischung?
Schaut man sich die derzeit emittierten Unternehmensanleihen an, so ist unser Fazit: Hohe Kupons bei vergleichweise guter Unternehmensqualität. In der Regel waren die bisherigen Emittenten von Anleihen überwiegen gut eingeführte Mittelständler mit teilweise langer Unternehmenstradition. Über eine gute Portfoliomischung erhält der Anleger aus unserer Sicht einen guten weiteren Baustein für den Anlagemix mit Aktien und Immobilien.
Welche Branchen beziehungsweise welche Anleihe speziell sticht ihrer Ansicht nach derzeit hervor?
Die Unternehmen der Solarbranche sind derzeit sicher spekulativ, weil hier gerade die Politik zu Verwerfungen führt. Bei Solar sollte man nur die besten Qualitäten kaufen. Besser gefällt uns derzeit in erneuerbaren Bereichen die Windbranche mit e.n.o energy GmbH und Windreich AG oder das Thema Recycling mit FFK Environment GmbH. Aber auch im Immobilienbereich gibt es interessante Anleihen wie beispielsweise Eyemaxx, welche spezielle Sicherungskonzepte aufweisen.
Wie wird sich der Markt für Mittelstandsanleihen in den nächsten Monaten entwickeln?
Aus unserer Sicht wird die Anzahl von Emissionen wieder vor der Sommerpause zunehmen und der Markt bleibt attraktiv. Mittelfristig gehen wir davon aus, dass sich das Thema Mittelstandsanleihe weiter durchsetzen wird. Aus unserer Sicht ist die Mittelstandsanleihe eine Win/Win-Situation für Unternehmen und Anleger.
Vielen Dank für das Gespräch!
Hinweis zu möglichen Interessenskonflikten: Eyemaxx (*4;5); e.n.o energy (*4;5,6); FFK (*4;5;6); Windreich (*5), Katalog siehe www.gbc-ag.de
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