US-Börsen bewegen sich kaum - Warten auf die Fed - AIG, Hewlett-Packard, J.P. Morgan Chase, Kodak im Fokus
Am Montag gingen die US-Börsen zu Handelsbeginn ins Minus. Der Dow Jones verlor 0,1 Prozent. Die Hoffnung auf mehr Maßnahmen der weltweiten Zentralbanken gaben dem Markt Halt.
Von Konjunkturseite kamen die Verbraucherkredite. Sie stiegen im Juli und lagen bei minus 3,3 Milliarden Dollar, Analysten hatten zuvor mit 10,0 Milliarden Dollar gerechnet. Im Vormonat waren es noch 6,5 Milliarden Dollar.
Nach den enttäuschenden US-Arbeitsmarktdaten mit nur 96.000 neuen Jobs und einer weiterhin hohen Arbeitslosenquote von 8,1 Prozent, sagt der Chefökonom von Rockwell Global Capital, Peter Cardillo: "Ich erwarte, dass die US-Notenbank Fed sofort nach den US-Wahlen eingreifen wird." Als Hauptproblem für den schwachen Arbeitsmarkt in den USA sieht Peter Cardillo die Gesundheitsreform von Präsident Obama: "Diese Reform hält vor allem kleine Unternehmen davon ab, neue Mitarbeiter einzustellen, weil sie Angst vor den Kosten haben." Außerdem sei auch noch ein gewisser schwarzer Arbeitsmarkt Schuld: "Dieser Untergrund-Arbeitsmarkt wird auch immer stärker und stärker. Da arbeiten viele illegale Einwanderer, die einzig und allein mit Schwarzgeld bezahlt werden. Das ist ein negativer Effekt, um die Arbeitslosenquote zu senken. Und alles hängt an zwei Faktoren: Der Unsicherheit in Europa und der politischen Führung." Laut Cardillo würden Steuererleichterungen helfen: "Die Republikaner würden Steuern senken. Das würde die Unternehmen dazu bewegen, neue Mitarbeiter einzustellen." Für die nahe Zukunft erwartet Cardillo weiterhin ein eher niedriges Handelsvolumen: "Vor allem die Unsicherheit an den Märkten ist daran Schuld. Obwohl das Geld an der Seite geparkt ist, warten viele erst einmal ab, um sich ein besseres Bild von der Zukunft zu machen."
Außerdem könnten in den kommenden Monaten und auch 2013 die Bilanzen der US-Unternehmen nicht mehr so gut ausfallen. So waren die Prognosen vom Logistikkonzern FedEx und Chiphersteller Intel nicht besonders vielversprechend. Die lahmende Weltkonjunktur und schwindende Nachfrage macht sich überall bemerkbar. Analysten rechnen deshalb mit einem Gewinnrückgang von etwa zwei Prozent bei den US-Konzernen des S&P 500. Das könnte sich dann auch im schwachen Monat September zeigen. Außerdem geht auch der chinesischen Wirtschaft - der Konjunkturlokomotive der Welt - die Puste aus.
Zu Handelsende schloss der Dow Jones mit einem Minus von 0,4 Prozent bei 13.254 Punkten. Der Nasdaq Composite verlor 1,0 Prozent bei 3.104 Zählern. Der breiter gefasste S&P 500 verbuchte einen Verlust von 0,6 Prozent bei 1.429 Punkten.
Zu den Gewinnern im Dow zählten: Hewlett-Packard (+0,8%), Verizon (+0,8%) und IBM (+0,7%). Die größten Verlierer waren: Intel (-3,8%), Bank of America (-2,5%) und Boeing (-2,5%).
Zwei große Namen meldeten sich zum Wochenstart zu Wort: Milliarden-Investor George Soros mahnt Deutschland zu einer Entscheidung: "lead or leave" ("führe oder geh"). Man müsse sich entscheiden, ob man die Risiken trage und zusammen schwimmen wolle oder den Euro verlässt. Auch der Hedgefondsmanager Jim Rogers meldete sich zu Wort und prophezeite, dass die Eurozone noch einen "schrecklichen Preis" ("terrible price") zahlen werde. Seiner Meinung nach helfen Maßnahmen der EZB nur kurzfristig und vergrößert nur die Schulden.
Die USA wollen weitere Anteile des in der Krise geretteten Versicherungskonzerns AIG (-2,0%) losschlagen. Das Finanzministerium startete den Verkauf von Aktie im Wert von 18 Milliarden Dollar.
Der angeschlagene Computer-Hersteller Hewlett-Packard (+0,8%) streicht noch mehr Stellen als bisher erwartet. Bis 2014 sollen bei HP nun 29.000 Jobs wegfallen.
Der Verwaltungsrat der US-Großbank JPMorgan Chase (-1,4%) überlegt, die Boni zu kürzen. Laut Medienberichten könnte der Vorstandsvorsitzende Jamie Dimon so deutlich weniger erhalten. Damit wolle man wütende Aktionäre besänftigen.
Der angeschlagene US-Fotokonzern Kodak hat weitere Restruktuierungsmaßnahmen angekündigt und will weitere 1.000 Mitarbeiter entlassen. Seit Anfang des Jahres entließ das Unternehmen bereits 2.700 Mitarbeiter und befindet sich im Gläubigerschutz nach Chapter 11.
Am Dienstag schauen wir von Konjunkturseite auf das Handelsbilanzdefizit für Juni, dass Analysten bei Minus 44 Milliarden Dollar erwarten.
Leserkommentare
Die Kommentarfunktion wird moderiert. Die Moderation liegt alleine bei der Börsenmedien AG. Kritische Diskussionen sind erwünscht, persönliche Beleidigungen hingegen werden entfernt.
Disqus ist ein Online-Dienst und wird von der Big Head Labs, Inc. aus San Francisco in den USA zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden sind in den Börsenmedien-Datenschutzbestimmungen zu finden.























