Steffen Eidam
Der deutsche Aktienmarkt kann sich am Dienstagnachmittag von seinen Verlusten größtenteils erholen. Zur Schlussglocke notierte der DAX rund 0,3 Prozent schwächer bei 6.419 Punkten. Sorgen machen sich die Marktteilnehmer vor allem um Griechenland. In der Debatte um einen Schuldenschnitt sind die Fronten verhärtet. Laut dem Leiter der Eurogruppe, Jean-Claude Juncker, müssten die privaten Gläubiger im Rahmen der Umschuldung Zugeständnisse machen, um eine dauerhafte Rettung des hochverschuldeten Staats zu gewährleisten. Indes haben sich die EU-Finanzminister in Brüssel auf den Vertrag für den künftigen Euro-Rettungsfonds ESM geeinigt. Dieser soll ab Sommer den bisherigen Euro-Rettungsfonds EFSF ablösen. In den neuen Fonds müssen die Euro-Länder 80 Milliarden Euro in bar einzahlen. Über die Gesamthöhe des Schirms werden weitere Verhandlungen folgen. Desweiteren hat der Internationale Währungsfonds (IWF) seine Wachstumsprognose für das laufende Jahr abgesenkt. Der "World Economic Outlook" sieht ein globales Wachstum von 3,25 Prozent vor. Die Eurozone dürfte aber in eine milde Rezession abrutschen.
Aurelius kauft zu
Die Beteiligungsgesellschaft Aurelius übernimmt die Mehrheit der Anteile am Europa- und Asiengeschäft des IT-Serviceproviders Getronics. Die operativen Einheiten der niederländischen Tochter des Telekomkonzerns KPN erzielte in sieben europäischen und fünf asiatischen Ländern im vergangenen Jahr einen Umsatz von rund 450 Millionen Euro. Über den Kaufpreis wurden keine Angaben gemacht.
Air Berlin schließt Kapitalmaßnahme
Mit dem erfolgreichen Abschluss der Kapitalerhöhung steigt die arabische Etihad Airways zum Ankeraktionär bei Air Berlin auf. Die reichen Araber sind mit nunmehr 29,2 Prozent der Anteile größter Einzelaktionär bei den Deutschen. Durch die Kapitalerhöhung kommt Air Berlin außerdem in den Genuss von rund 73 Millionen Euro. Firmenlenker Hartmut Mehdorn sieht in der Zusammenarbeit die Voraussetzung für zusätzliche Synergieeffekte und einer Verbesserung der Kosteneffizienz. Beide Unternehmen haben bereits gemeinsame Anstrengungen in diese Richtung unternommen, so der Hunold-Nachfolger weiter.
T-Mobile vor Übernahme der AT&T-Frequenzen
Die Telekom-Tochter T-Mobile USA peilt nach der gescheiterten Übernahme durch AT&T die Abwicklung der vorab vereinbarten Vertragsmodalitäten vor. Beide Unternehmen reichten bei der Telekomaufsicht FCC den Antrag ein, dass der US-Konzern Frequenzen im Wert von einer Milliarde Dollar an die T-Mobile übertragen darf. Zuvor hatte der US-Konzern bereits eine vereinbarte Barzahlung in Höhe von drei Milliarden Dollar geleistet. T-Mobile USA forciert nun den eigenen Netzausbau in den Vereinigten Staaten und will somit einen weiteren Kundenverlust verhindern.
Hugo Boss investiert kräftig
Der Modekonzern Hugo Boss investiert in den kommenden Jahren etwa 150 Millionen Euro in seinen Hauptstützpunkt Metzingen. Neben einem neuen Distributionszentrum für Liegeware in Filderstadt (in der Nähe von Metzingen), das voraussichtlich 2014 in Betrieb genommen werden kann, soll auch ein neues Outlet-Center am Stammsitz entstehen. Außerdem soll die Zentrale ausgebaut werden. Das neue Gebäude soll 330 Arbeitern Platz bieten. Dieser Schritt wird nach Konzernangaben nötig, weil im laufenden Jahr der Mitarbeiterstamm vor Ort aufgestockt werden soll.
Gericht blockiert Rettungsplan von Q-Cells
Der stark verschuldete Solarkonzern Q-Cells hat vom Landgericht Frankfurt eine Abfuhr bekommen. Demnach wurde eine Stundung der Altlasten abgewiesen und stattdessen eine zeitlich gestaffelte Teilrückzahlung gefordert. Darüber hinaus sollen länger laufende Anleihen mittels eines Schulden- und Kapitalschnitts (Debt-to-Equity-Swap) in Eigenkapital überführt werden. Nach einer Neubewertung von Tochtergesellschaften und des Sachanlagevermögens ist das Grundkapital von Q-Cells mehr als zur Hälfte aufgezehrt, das Eigenkapital ist mittlerweile negativ. Das Unternehmen muss nun seine Aktionäre unverzüglich zu einer außerordentlichen Hauptversammlung einladen.
Siemens erwartet schwierige Zeiten
Der Technologiekonzern Siemens bekommt die Auswirkungen der Finanzkrise zu spüren. Nach einer zurückhaltenden Entwicklung im ersten Geschäftsquartal zeigt sich dies auch bei den aktuellen Neubestellungen. Auf der Hauptversammlung sagte Firmenlenker Peter Löscher: "Auch wenn in der zweiten Jahreshälfte eine Erholung erwartet wird, müssen wir hart arbeiten, um unsere Ziele zu erreichen." Dieses sieht für 2011/12 einen konstanten Gewinn von etwa sechs Milliarden Euro vor. Allerdings lagen die Erstquartalszahlen unter den Erwartungen der Analysten. Demnach sank der Auftragseingang um fünf Prozent auf 19,8 Milliarden Euro, während der Umsatz noch um zwei Prozent auf 17,9 Milliarden Euro anstieg. Der Börsengang der Lichttochter Osram soll dennoch wie geplant im laufenden Jahr erfolgen.
Umsatzrückgang bei Software AG
Die Software AG geht auch im vierten Quartal von weiter rückläufigen Umsätzen im Stammgeschäft mit Großrechnersoftware aus. Bereits im vergangenen Jahr gingen die Erlöse in der ETS-Sparte um acht Prozent zurück, für 2012 droht ein weiterer Rückschritt um sieben bis zwölf Prozent. Die EBIT-Marge dürfte im gleichen Zeitraum von 24,5 Prozent im vergangenen Jahr auf dann 23 bis 24,5 Prozent sinken.