Nancy Lanzendörfer
Die Sorgen um Europas Schulden sind groß - und sie schwappen auch nach New York. An der Wall Street verlieren die Indizes den dritten Tag in Folge an Wert. Der Dow Jones kämpfte zwischenzeitlich mit der 11.000-Punkte-Marke. Die zehnjährigen Anleihen fielen auf ein Rekordtief.
Letztendlich schloss der US-Leitindex auf seinem Tageshoch: Der Dow Jones büßte unter dem Strich 'nur' 0,9 Prozent oder rund 100 Punkte auf 11.139 Zähler ein. Im Verlauf des Tages standen da schon ganz andere Zahlen auf der Anzeigentafel, nämlich ein Minus von über 300 Punkten. Der S&P 500 verließ den Handel mit einem Verlust von 0,7 Prozent auf 1.165 Zähler, der Nasdaq Composite brachte es sogar auf ein noch kleineres Minus von 'nur' 0,3 Prozent auf 2.474 Punkte. Zum Vergleich: Das Tagestief lag bei 2.414 Einheiten.
Die Investoren sorgen sich am ersten Handelstag der Woche (am Montag blieben die amerikanischen Börsen aufgrund eines Feiertages geschlossen) etwa um Italiens weitere Entwicklung und darüber, ob die Regierung richtig mit der europäischen Schuldenkrise umgehen kann.
Könnte die Schulden- und Bankenkrise zu einem zweiten Lehman, also einem zweitem Fall nach unten, werden? Die Lager sind gespalten, die Nervosität ist hoch - erst recht, nachdem am Freitag klar wurde, dass zuletzt keine neuen Stellen geschaffen wurden und gleich gegen 17 Banken Schadenersatzklagen erhoben worden sind.
Der sichere Hafen Gold wurde zwischenzeitlich schon mal angesteuert. Eine Feinunze erreichte bei über 1.900 Dollar je Feinunze ein neues Rekordhoch. Nach dem Minus des ebenfalls oftmals als 'sicherer Hafen' bezeichneten Schweizer Franken musste der Goldpreis zwischenzeitlich an Wert abgeben, da, so Marktteilnehmer, Anleger Gold verkauften, um ihre Verluste im Franken auszugleichen. Die Schweizer Nationalbank hat heute bekannt gegeben, gegen den stark gestiegenen Franken zu intervenieren. Er verlor so stark wie noch nie gegenüber dem Euro.
Stichwort Euro: Selbst die Börsianer in New York schauen mit Spannung auf das für Mittwoch erwartete Treffen der Finanzminister aus Deutschland, Finnland und den Niederlanden und das Sparmaßnahmenpaket beziehungsweise den angekündigen Streik in Italien.
Hierzulande hat sich der Chef der Fed in Minneapolis, Narayana Kocherlakota, zu Wort gemeldet und etwas für Entspannung gesorgt mit der Aussage, dass die US-Wirtschaft im letzten Monat keine weiteren Stimulusmaßnahmen brauchte und das vielleicht auch nicht im September der Fall sein wird.
Der ISM-Index für den Dienstleistungssektor sorgte am Dienstag nur kurzzeitig für Entspannung am Markt. Kaum jemand interessierte sich zunächst bei all den Schuldensorgen für einen besser als erwartet ausgefallenen Einkaufsmanagerindex, der von 52,7 auf 53,3 Punkte im letzten Monat angestiegen ist.
Auch die Übernahme des Tages rückte fast in den Hintergrund: International Paper hat nach einem dreimonatigen Übernahmekampf die Akquisition von Temple-Inland Inc. für 32 Dollar je Aktie bekannt gegeben. Die Aktie schoss um 25 Prozent in die Höhe, International Paper legte neun Prozent zu.