Nancy Lanzendörfer
Anleger, oder besser gesagt Börsenbären, hatten zu Handelsbeginn sicherlich weitaus höhere Kursverluste erwartet, als die 100 Punkte beim Dow Jones. Schließlich waren die Vorgaben aus Europa tiefrot eingefärbt. Doch immerhin hat der Dow Jones ja bereits am Freitag über 300 Punkte an Wert verloren, die Gerüchte um eine Pleite Griechenlands kursierten hier schon am letzten Handelstag. Aber die Sorgen um Europas Schuldenlast sind groß, der Markt so oder so nervös.
Die Nachrichten, das Deutschland Pläne vorbereitet, um bei einer Pleite Griechenlands seine Banken zu unterstützen, sorgte auch nicht gerade für Erleichterung unter der Anlegern.
Die am Montagmorgen anfänglich erzielten Verluste konnte der Dow Jones aber schnell reduzieren, er kam der 11.000-Punkte-Marke relativ nahe. Dann trat das ein, was so oft eintritt: US-Präsident Barack Obama trat vors Volk, die Anleger drückten auf den Verkaufsknopf. Zeitungsberichte, wonach China zumindest italienische Anleihen kaufen könnte, reduzierten das Minus dann wieder und führten letztendlich sogar zu einem Plus.
Unter dem Strich bleibt also tatsächlich dank einer Handelsschlussrallye ein Tagesgewinn von 0,6 Prozent oder 69 Punkten auf 11.061 Zähler beim Dow Jones stehen. Der Nasdaq Composite Index legte sogar 1,1 Prozent auf 2.495 Zähler zu.
Selbst die Bank of America drehte nach einem Abschlag von über zwei Prozent ins Plus. Bei derartigen Schuldensorgen sind Bankenwerte eigentlich eher weniger gefragt, erst recht nicht, nachdem wohl Moody's darüber nachdenkt, französische Großbanken herabzustufen. Die Aktien von Goldman Sachs notierten zum ersten mal seit März 2009 unter der 100-Dollar-Marke. Bei der Bank of America hat sich der Vorstand, Brian Moynihan, zu den jüngsten Plänen seiner Bank geäußert. Es sollen 30.000 Stellen gestrichen werden. Das wäre der größte Jobabbau eines US-Konzerns in diesem Jahr. Die Stellenkürzungen sind Teil eines Plans, per 2014 etwa fünf Milliarden Dollar jährlich einsparen zu können.
Einer der größten Kursgewinner, wenn nicht sogar der beste Performer an der New Yorker Börse heute überhaupt, war NetLogic Microsystems Inc. mit einem Plus von rund 50 Prozent - nicht ohne Grund: Der Chiphersteller Broadcom kündigte in der 'Übernahmemeldung des Tages' an, für die Aktien je 50 Dollar oder insgesamt 3,7 Milliarden Dollar zahlen zu wollen, um seine Produktlinien mit neuen Prozessoren auszustatten. Damit liegt beziehungsweise lag der Preis 57 Prozent über dem letzten Kurs der Aktie. Beide Unternehmen haben dem Deal zugestimmt, eine Integration soll in der ersten Jahreshälfte 2012 möglich sein.
Wegweisende Konjunkturdaten wurden am Montag nicht veröffentlicht, die stehen für Dienstag wieder ins Haus. Um 14:30 Uhr werden dann die Importpreise für den Monat August vorgelegt, außerdem wird Best Buy, der 'amerikanische Media-Markt-Konzern' Zahlen vorlegen.