Euro-Krise schickt US-Börsen ins Minus - Angst-Index steigt - McDonald's-Zahlen enttäuschen - Warten auf Apple und Facebook
Am Montag gingen die US-Börsen zu Handelsbeginn deutlich ins Minus. Der Dow Jones verlor 1,6 Prozent und über 200 Punkte. Auch der so genannte "Angst-Index" VIX schoss um 25 Prozent nach oben.
Das lag vor allem an den schlechten Nachrichten aus Europa. Griechenland steht offenbar endgültig vor dem Bankrott und damit möglicherweise vor dem Austritt aus der Eurozone. Medienberichten zufolge wollen die Geldgeber wie der IWF den Geldhahn zudrehen. Frühestens im September werde die EU über weitere Kredite für Athen entscheiden. Auch in Spanien breitet sich die Finanzkrise aus. Eine zweite Provinz muss anscheinend die Zentralregierung in Madrid um Finanzhilfen bitten. Die Spekulationen werden nun wieder lauter, dass Spanien doch noch unter den Rettungsschirm muss. Diese Skepsis war auch gleich am Markt zu spüren. Der Kurs zehnjähriger spanischer Staatsanleihen ging auf 7,59 Prozent deutlich nach oben.
Schon vor dem US-Handelsstart kamen vorbörslich die Quartalszanlen von McDonald's (-2,9%). Die Fastfood-Kette konnte die Erwartungen im zweiten Quartal nicht schlagen. Pro Aktie verbuchte das Unternehmen einen Gewinn von 1,32 Dollar, erwartet wurden 1,37 Dollar. Der Umsatz lag bei 6,92 Milliarden Dollar, hier hatten Analysten mit 6,94 Milliarden Dollar gerechnet. McDonald's leide besonders unter Währungsproblemen durch den schwachen Euro und dem starken Dollar.
Bislang veröffentlichten 116 der 500 im S&P-gelisteten Unternehmen ihre Quartalszahlen: 67 Prozent konnten ihren Gewinn deutlicher steigern als erwartet. Beim Umsatz verzeichnet man hingegen die schlechtesten Werte seit 2009. Nur 43 Prozent der Konzerne setzten mehr um als geschätzt.
US-Experte Benedict Willis erklärt das niedrige Handelsvolumen und fehlende Kapital am US-Markt mit der Sommerflaute: "Ganz ohne Zweifel. Wenn das nicht so ist, hätten wir allen Grund schockiert zu sein. Der Grund für die Unbeständigkeit der US-Börsen kommt also genau daher, dass das Kapital noch nicht wieder im Markt zurück ist." Der Händler von der Albert Fried Company hält beim Dow Jones eine recht große Spanne von 500 Punkten für möglich: "In diesem Urlaubszustand glaube ich, dass wir uns in einer Bandbreite von 12.500 bis 13.000 Punkten befinden, da auch von makroökonomischer Seite nichts Signifikantes passieren wird." Willis schaut diese Woche auf US-Staatsanleihen von über 100 Milliarden Dollar, die über den Tisch gehen: "Wir haben in Bezug auf Staatsanleihen einen sehr straffen Kalender. In letzter Zeit waren die sicheren Häfen gleichermaßen Finnland, Deutschland und die USA, wir werden sehen wie sich diese letztendlich auszahlen werden. Von Montag bis Donnerstag werden im US-Staatsanleihen-Markt über 100 Milliarden Dollar gehandelt." Die Erwartungen bei der aktuellen US-Berichtssaison seien niedrig. Der Fokus geht weg von den reinen Zahlen: "Das Augenmerk lag eher auf den Stellungnahmen der Vorstände über das, was im nächsten Quartal passieren soll."
Zu Handelsende schloss der Dow Jones mit einem Minus von 0,8 Prozent bei 12.721 Punkten. Der Nasdaq Composite verlor 1,2 Prozent bei 2.890 Zählern. Der breiter gefasste S&P 500 verbuchte einen Verlust von 0,9 Prozent bei 1.351 Punkten.
Zu den Gewinnern im Dow zählten: JPMorgan (+1,6%), General Electric (+1,1%) und Caterpillar (+0,8%). Die größten Verlierer waren: McDonald´s (-2,9%), Microsoft (-2,7%) und Kraft Food (-2,4%).
Die deutschen Banken haben ihr Geschäft in den USA seit der Finanzkrise deutlich zurückgefahren. Die Investments sanken von 427 Milliarden Dollar 2007 auf 267 Milliarden Dollar im März 2012.
Die sinkende Stahlnachfrage und die damit verbundenen Gewinn-Einbrüche sollen nun auch Folgen auf dem Lohnzettel der Stahlarbeiter haben. Größten amerikanischen Stahlkonzerne fordern von der Gewerkschaft USW herbe Einschnitte für 26.000 Mitarbeiter.
Die japanische All Nippon Airways hat fünf ihrer Boeing Dreamliner aus dem Betrieb genommen. Grund seien Probleme mit den Triebwerken.
Der US-Industriekonzern Eaton musste im zweiten Quartal einen leichten Umsatzrückgang hinnehmen. Der Gewinn konnte allerdings gesteigert werden.
Der deutsche Kabel- und Bordnetzspezialist LEONI hat mit einem Zukauf im Lichtwellenleitergeschäft seine Stellung in den USA gestärkt. Der Autozulieferer erwarb den Glasfaserspezialisten Richard Losch.
Diese Woche geht der Blick auf zwei Unternehmen: Am Dienstag veröffentlicht Apple, am Donnerstag Facebook Quartalszahlen. Dazu eine Einschätzung vom Vorstandsvorsitzenden von Capital R Investments, Thomas H. Rudy: "Es wird sicher spannend zu sehen, ob Apple seinen Umsatz weiter steigern kann, obwohl es keine revolutionären Produkte oder Ankündigungen gab. Ich gehe davon aus, dass die Zahlen von Apple solide ausfallen werden, die Aktie aber bei knapp über 600 Dollar bleiben dürfte. Ich sehe hier keinen großen Kurssprung. Richtig los geht es für Apple dann erst wieder in Q3 und Q4. Bei Facebook sieht das anders aus. Hier wollen Investoren sofort viele Informationen, vor allem zu den Umsätzen aus dem Werbegeschäft. Wenn diese Zahlen enttäuschen, dann wird die Aktie wohl brutal bestraft werden. Wir werden diesmal Facebooks wahres Gesicht sehen. Ich persönlich habe wenig Hoffnung. Da muss schon deutlich mehr Geld verdient werden, bevor seriöse Anleger diese Aktie kaufen.
Am Dienstag schauen wir von Konjunkturseite auf den Wohnungspreisindex für Mai. Von Unternehmensseite kommen etliche Quartalszahlen: Apple, AT&T, Illumina, Netflix, UPS.
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