Richard Nitzsche
Der Philadelphia-Fed-Index brachte am Donnerstag den Ausschlag. Nachdem der DAX den ganzen Tag fester notierte, übersprang er nach dieser Meldung die 6.600-Zähler Marke - und kann sie auch aus dem Handel retten. Bei 6.611 Punkten schließt der deutsche Leitindex, rund 1,3 Prozent oder 86 Punkte höher als am Mittwoch. Wie so oft in letzter Zeit ist das ein neues Zweijahreshoch. Einziger Wehrmutstropfen war das schwächere Wachstum in China. Doch über den sehen die Börsianer in Anbetracht steigender Märkte heute hinweg. Vielleicht trug auch ein wenig Vorfreude zur guten Stimmung auf dem Parkett bei: Heute Abend läuft Wall Street 2, Money never sleeps, in den deutschen Kinos an.
Bankentitel unter Druck
Aktien im Bankensektor gerieten am Donnerstag unter Druck. Die Ergebnisse des Schweizer Geldhauses enttäuschten. Tiefe Zinsen und eine geringe Kundenaktivität bescherten dem Kreditinstitut im dritten Quartal einen Gewinneinbruch. Die Schweizer Bank erzielte einen Reingewinn von 609 Millionen Franken - 62 Prozent weniger als im Vorquartal. Gestern hatten auf dem US-Markt schon einige Häuser Zahlen vorgelegt. Morgan Stanley schrieb Verluste, Wells Fargo überraschte mitguten Ergebnissen. Es bleibt ein Minus von 0,9 Prozent bei der Deutschen Bank. Die Commerzbank geht mit einem leichten Aufschlag aus dem Handel.
Deutsche Bank: Ist die BHF jetzt uninteressant?
Der Finanzinvestor Apollo will nur noch Teile der BHF-Bank kaufen, schreibt das Handelsblatt und beruft sich auf interne Kreise. Möglicherweise legen Apollo und das Liechtensteiner Geldinstitut LGT-Bank auch eine gemeinsame Offerte vor. Experten sehen eine Aufspaltung der BHF kritisch. Das Handelsblatt zitiert einen Banker: "Im Zweifel wird die Deutsche Bank in den sauren Apfel beißen und einen Verkaufspreis deutlich unterhalb des Buchwertes akzeptieren." Der Verkaufsprozess läuft zäh. Die Abgabetermine für verbindliche Angebote für die Bank wurden auf Anfang November verschoben. Ursprünglich wollte die Deutsche Bank das Geschäft noch in diesem Jahr abwickeln.
Einkaufsmanagerindex gefallen
Die Stimmung der Einkaufsmanager in der Eurozone kühlt sich im Oktober weiter ab und fällt auf den niedrigsten Stand seit einem Jahr. Der Index zeigt am heutigen Donnerstag nur noch einen Stand von 53,4 Punkten während er letzten Monat 54,1 Punkte auswies. Trotzdem steht das Barometer weiterhin auf "optimistisch". Ab einem Zählerstand von 50 sagen die Indikatoren wirtschaftliche Aktivität voraus.
E.on hat nur noch 14 Prozent Marktanteil
Der Energiekonzern E.on hat in Deutschland nur noch einen Marktanteil von 14 Prozent. Dies teilte das Unternehmen am Donnerstag mit. Das zeigt, dass der Energieversorger weit von einer problematischen marktbeherrschenden Stellung entfernt sei. E.on habe in den vergangenen Jahren seine Marktposition in Deutschland reduziert. Im Zuge einer Vereinbarung mit der EU-Kommission sei ein Viertel der deutschen Kraftwerke mit einer Kapazität von mehr als 5.000 Megawatt abgegeben worden. Damit herrscht auf dem deutschen Energiemarkt auch kein Duopol. RWE und E.on bearbeiten zusammen nur 40 Prozent des Gesamtmarktes. E.on gewinnt 0,8 Prozent.
Heidelberger Druck "Kaufen"
Die Analysten der Commerzbank erhöhen das Rating von Heidelberger Druckauf "Kaufen" von "Halten". Das Kursziel senken die Experten hingegen ab. Sahen sie den fairen Wert der Aktie vormals bei 6,60 Euro, erwarten sie nun Kurse um die 4,20 Euro. Analyst Ingo-Martin Schachel ist für den Wert positiv gestimmt. Die Zahlen der Gesellschaft trafen die Prognosen, der Verlust sei geringer ausgefallen als erwartet. Die Herabsetzung des Kursziels war eine Folge der kürzlich erfolgten Kapitalerhöhung.
Metro: Kursziel um zehn Euro erhöht
Die Deutsche Bank hat das Kursziel für Metro vor den Quartalszahlen um zehn Euro auf jetzt 60,00 Euro erhöht. Analyst James Collins empfiehlt die Aktie weiterhin zum Kauf. Die Ergebnisse werden seiner Ansicht nach zeigen, dass Metro Fortschritte in der Erholung mache. Das Deutschlandgeschäft beurteilt er stark, in Osteuropa sieht er ein Ende der Umsatzrückgänge. Aus diesen Gründen hebt er seine bereits gute Markterwartung ein weiteres Mal an. Das Papier von Metro schließt 1,8 Prozent fester.
Regierung unterstützt Hochtief gegen die Übernahme
Das Land Nordrheinwestfahlen will Hochtief gegen die feindliche Übernahme des spanischen Baukonzerns ACS unterstützen. Die Ministerpräsidentin, Hannelore Kraft (SPD) sagte am Donnerstag: "Wir wollen ein bereits laufendes Gesetzgebungsverfahren zur Regelung der Wertpapierübernahme durch einen Antrag zur Erschwerung von Übernahmen ergänzen." Unterstützung kommt auch seitens der australischen Hochtief-Tochter Leighton. Sie will vor dem australischen Gesetzgeber Maßnahmen einleiten, die dem Unternehmen in Deutschland helfen könnten.
Porsche erweitert Modellpalette
Um das von VW-Chef Martin Winterkorn vorgegebene Absatzziel von 150.000 Autos zu erreichen will Porsche seine Modellreihe erweitern. Allein die Erholung der Konjunktur reiche hierfür nicht aus, sagt das Unternehmen. Der Ausbau wird zwischen der 911 und dem Supersportwagen angesiedelt sein. Porsche arbeitet bereits an einem kleinen Mittelmotor-Sportwagen unterhalb des Boxter und einem kleinen Cayenne.
Siemens ändert Konzernstrategie
Siemens will in seinem neuen Unternehmensprogramm Konjunkturzyklus-übergreifende Margenziele vorgeben, sagte Vorstandschef Peter Löscher gegenüber dem Manager Magazin. Betroffen sind die Sparten Medizintechnik, Energie und Industrie. Dies stellt ein neues Zielsystem für den Konzern dar. Zweck ist eine stärkere Ausrichtung auf kapitaleffizientes Wachstum. Das Papier von Siemens gewinnt 0,9 Prozent.