Richard Nitzsche
Der DAX eröffnete mit leichten Zugewinnen bei 6.091 Punkten. Während des Vormittages dümpelte der Leitindex um die 6.100 Zähler-Marke. Bei starken Umsätzen unterstützten passable deutsche und EU-Konjunkturergebnisse. Dennoch warteten die Marktteilnehmer auf den Nachmittag und die wichtigen US-Wirtschaftszahlen. Und die sollten, zumindest im ersten Anlauf, nicht enttäuschen. Die Arbeitsmarktdaten topten die Erwartungen bei Weitem: Nur 54.000 Menschen sind im August arbeitslos geworden, Volkswirte hatten mit 120.000 gerechnet. Die Futures schossen nach Norden, der DAX sprang über 70 Punkte. Um 16.00 Uhr dann die Enttäuschung - ein schlechterer ISM-Index stoppt die Rally vor dem Wochenende. Trotzdem geht der DAX gut behauptet aus der Handelssitzung am Freitag und schließt mit einem Aufschlag von 0,83 Prozent bei 6.134 Punkten. Auf Wochensicht gewinnt der deutsche Leitindex 183 Zähler, rund drei Prozent
Arcandor gerettet: Aktie legt zu
Die Rettung von Karstadt ist offiziell. Das Amtsgericht Essen stimmte am heutigen Freitag dem Insolvenzplan für Karstadt zu. In der Folge kann die Aktie von Arcandor über acht Prozent zulegen. Nach der Entscheidung ist der Weg für den Investor Nicolas Berggruen frei. Am 1. Oktober erhält Berggruen die Schlüsselgewalt für die Karstadt Warenhaus GmbH, nachdem die 14-tägige Einspruchsfrist abgelaufen ist.
Bayer erleidet Rückschlag mit US-Wettbewerber, Kepler Equities erhöht dennoch Kursziel
Bayer hat in den USA einen Rückschlag im Patentstreit um sein erfolgreiches Verhütungsmittel Yasmin erlitten. Das Unternehmen hatte vor einem US-Gericht beantragt, dem amerikanischen Konkurrenten Watson Pharmaceuticals den Vertrieb eines ähnlichen Mittels für zu untersagen. Die Forderung wurde zurückgewiesen. Bayer hält das Produkt des Mittbewerbers für eine Nachahmer-Variante. Mit 1,28 Milliarden Euro Umsatz im Jahr ist Yasmin die umsatzstärkste Produktgruppe des Unternehmens. Ein Analyst von Kepler Equities hebt inzwischen das Kursziel für Bayer auf 55,00 Euro von vorher 54,00 Euro an. Ungeachtet schwächelnder Umsätze in verschiedenen Produktgruppen bleiben die langfristigen Perspektiven für den Pharmakonzern gut, meint der Analyst und empfiehlt Bayer weiterhin zum Kauf.
BMW setzt auf Kleinwagen
BMW geht neue Wege. Der Münchner Automobilhersteller möchte sich in den nächsten Jahren auf die Produktion von Fahrzeugserien außerhalb des Premiumbereiches konzentrieren. "Wir werden die Marken BMW und Mini im Kleinwagen- und Kompaktsegment mit neuen Modellen und Varianten erweitern", meint Vorstandschef Norbert Reithofer, "In den nächsten Jahren wird der Anteil kleinerer Fahrzeuge am weltweiten Absatz der BMW Group steigen." Der Automobilkonzern geht mit dieser Strategie davon aus, dass der Markt für Premiumautos nur im oberen und unteren Bereich wächst. Im Kleinwagensegment will sich BMW künftig besser positionieren. Das Papier schließt mit 1,49 Prozent im Plus.
Continental platziert Anleihe
Continental hat seine Hochzinsanleihe bereits vollständig bei Investoren platziert. Gestern wurde am Markt bekannt, dass der Automobilzulieferer die Ausgabe einer zweiten Anleihe plane. Am Freitagmorgen berichtet nun die Nachrichtenagentur Reuters, dass sich Conti nach dem guten Anklang am Kapitalmarkt zwei weitere Emissionen vorstellen könnte. Finanzvorstand Wolfgang Schäfer ließ den Zeitpunkt allerdings offen. Continental wird für die aktuelle Anleihe 7,5 Prozent Zinsen bezahlen - ein Kupon weit, der weit über dem aktuellen Marktzins liegt.
Conergy: Der nächste Manager geht
Nur zwei Wochen nach dem überraschenden Abgang des designierten Vorstandschefs Andreas von Zitzewitz werden am Freitag weitere Veränderungen im Topmanagement des Solarherstellers Conergy bekannt: Die Börsenzeitung berichtet, dass Finanzvorstand Jörg Spiekerkötter das Unternehmen mit dem Auslaufen seines Vertrages Ende Oktober verlassen möchte. Nachfolger wird Chefsyndikus Sebastian Biedenkopf, der damit in den Vorstand aufrückt. Conergy hatte bereits gestern für Schlagzeilen gesorgt, als das Unternehmen einen Großauftrag über dem Bau von 20 Solaranlagen für rund 80 Millionen Euro bekannt gab.
Daimler: Mercedes verbucht Absatzplus, UBS hebt Rating
Der Autobauer Daimler kann im August einen deutlichen Absatzanstieg ausweisen. Die Kernmarke Mercedes Benz verkauft mit 81.000 Modellen 22,4 Prozent mehr Fahrzeuge als in der Vorjahresperiode. Die Aktie geht mit einem Aufschlag von 1,96 Prozent aus dem Handel. Bereits am Morgen hatte die Schweizer Großbank UBS das Papier von Daimler nach dem jüngsten Kursrutsch aufgestuft von "Verkaufen" auf "Neutral". Das Kursziel belässt der Analyst bei 39,00 Euro. Den Upgrade des Ratings begründet Philippe Houchois, sein Kursziel sei jetzt erreicht. Jüngste Tendenzen deuten auf ein anhaltend hohes Produktionsniveau im dritten Quartal hin, gute Konjunkturindikatoren unterstützten. Die Dividendenerwartung erhöht der Analyst von 1,00 Euro auf 1,40 Euro für das laufende Fiskaljahr.
Dienstleistungsindex: Deutschland und Eurozone gut behauptet, Prognosen dennoch verfehlt
Die Geschäfte in Deutschland zogen im August so stark an, wie zuletzt vor drei Jahren. Der Dienstleistungsindex klettert um 0,7 auf 57,2 Punkte und erreicht damit den höchsten Stand seit August 2007. "Die Daten zeigen, dass die deutsche Privatwirtschaft auch über den Sommer hinweg in robustem Tempo zugelegt hat", meint Markit-Experte Tim Moore. Auch im Euroraum setzt sich der Aufschwung im Dienstleistungsgewerbe fort. Der Einkaufsmanagerindex steigt um 0,1 Prozent auf 55,9 Punkte. Ein Wermutstropfen bleibt: Volkswirte hatten bei beiden Ergebnissen im Vorfeld eine größere Steigung erwartet.
Fresenius Medical Care engagiert sich in Abu Dhabi, Analystenkommentare uneinheitlich
Das Bad Homburger Unternehmen Fresenius Medical Care steigt in den Dialysemarkt in Abu Dhabi in den Vereinigten Arabischen Emiraten ein. Der Gesundheitskonzern meldet den Abschluss eines Vorvertrages über das Management von Dialysekliniken des Anbieters SEHA. SEHA betreibt unter anderem zwölf Krankenhäuser in Abu Dhabi. "Der Vertrag wird uns ermöglichen, unser Vertriebsnetzwerk und unsere Präsenz in diesem Schlüsselmarkt auszuweiten", kommentiert der verantwortliche Vorstand für die Strategieentwicklung Emanuelle Gatti. Im Verlauf des Tages meldete sich der Analyst von Morgan Stanley zu Wort und beließ das Rating von Fresenius weiterhin bei "Equal-weight" mit einem unveränderten Kursziel von 40,00 Euro. Ein Analyst der Commerzbank stuft die Aktie herunter von "Kaufen" auf "Halten" und sieht den fairen Kurs bei 45,00 Euro. Das Papier verliert heute in Frankfurt 1,69 Prozent und ist damit die rote Laterne im DAX.
HeidelbergCement: Kursziel massiv abgesenkt
Morgan Stanley senkt das Kursziel von HeidelbergCement dramatisch ab. Hatte das US-Investmenthaus bisher mit einem Kursziel von 62,00 Euro gerechnet, sieht die Analystin den Kurs des Zementherstellers nun bei 48,10 Euro fair bewertet. Das neue Kursziel resultiere aus den sinkenden Gewinnen in der Baustoffbranche sowie dem schwachen Marktumfeld in den USA. Trotzdem bleibt Alejandra Pereda bei ihrem Rating und stuft die Aktie weiterhin mit "Übergewichten" ein. HeidelbergCement gewinnt in Frankfurt 0,88 Prozent.
ProSiebenSat.1 greift nach Hollywood
Die ProSiebenSat.1 Media AG steigt als Mehrheitseigner bei einer amerikanischen Medienproduktionsfirma ein. Der Konzern will so den lukrativen US-Fernsehmarkt erschließen. Durch das Tochterunternehmen Red Arrow Entertainment Group beteiligt sich der deutsche Medienkonzern an dem TV-Produzenten Kinetic Content, der erst in diesem Jahr in Los Angeles gegründet wurde. "Der Anteilserwerb ist für Red Arrow ein bedeutsamer Schritt", kommentiert der geschäftsführende Direktor Jan Frouman.