Richard Nitzsche
Der DAX hat leichter bei 6.141 Punkten eröffnet. Grund war der schlechte Ausfall des US-Beige Books, das über die US-Konjunktur berichtet. Die zögerliche Stimmung hielt aber nicht lange an. Gegen Mittag dreht der DAX in den positiven Bereich. Um 11.38 Uhr notiert der deutsche Leitindex bei 6,186 Punkten mit einem Aufschlag von 0,36 Prozent oder 22 Zählern. Händler warten nun auf die wöchentlichen US-Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe. Sie werden um 14.30 Uhr deutscher Zeit veröffentlicht. Volkswirte prognostizieren einen leichten Rückgang auf 470.000 Meldungen. Desweiteren erscheinen US-Rohöllagerbestände und die Handelsbilanz für Juli.
BIP: Prognose deutlich erhöht - Binnenwirtschaft haussiert
Das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) erhöht am Donnerstag seine Prognose für das deutsche Wirtschaftswachstum. Hatten die Experten ursprünglich einen Zuwachs von 2,1 Prozent vorhergesagt, sehen sie das deutsche Bruttoinlandsprodukt am Jahresende bei 3,4 Prozent. Für 2011 hoben sie die Prognose auf +1,7 Prozent von plus 1,2 Prozent an. Im Vergleich zu den USA wird in Deutschland die Expansion "maßgeblich von der Binnenwirtschaft getragen". Das Institut erwartet eine Zunahme des privaten Konsums um 0,6 Prozent in diesem und 2,2 Prozent im kommenden Jahr.
Deutsche Bank: Klumpenrisiko im Investmentbanking
Die Ratingagentur Standard & Poor's bemängelt die Abhängigkeit der Deutschen Bank vom Investment Banking. Das tendenziell instabile Kapitalmarktgeschäft bringt einen Löwenanteil der Gewinne von Deutschlands größter Bank. Der Beitrag des als stabiler geltenden Privatkundengeschäfts ist bei dem Geldhaus im Vergleich zur Konkurrenz eher gering. Mit der aktuellen Schwäche des Investment Bankings begründet die Ratingagentur somit ihre Prognose: Nach Schätzungen von S&P werde der Gewinn der Deutschen Bank im zweiten Halbjahr hinter dem der ersten sechs Monate zurückbleiben. Hier wurden 4,3 Millionen Euro erwirtschaftet. Die Einstufung bleibt stabil bei A+.
EZB-Chefvolkswirt: Deutschen Banken fehlt Eigenkapital
Der EZB-Chefvolkswirt Jürgen Stark glaubt, Deutsche Banken seien "unterkapitalisiert". Dies berichtet die Financial Times am Donnerstag und bezieht sich auf Äußerungen des Währungshüters gegenüber der Unions-Bundestagsfraktion. Insbesondere Sparkassen und Landesbanken seien gemeint. Nach seiner Auffassung sind deutsche Geldhäuser durch ihre geringe Eigenkapitaldecke gefährdet wenn die neuen Regeln zu den Eigenkapitalanforderungen (Basel III) in Kraft treten. Ein Sprecher der EZB wollte die Aussage nicht kommentieren.
EZB: Leitzins bleibt niedrig, Meinungsverschiedenheiten im EZB-Rat.
Die Europäische Zentralbank bekräftigt den tiefen Leitzins erneut. Das europäische Bankensystem sei noch nicht stabil genug für eine Erhöhung. Aus diesem Grund wird der Leitzins noch bis mindestens Januar 2011 bei 1,0 Prozent verharren. Dies beschloss die Zentralbank in ihrer Ratssitzung am Mittwoch. EZB-Präsident Jean-Claude Trichet befürchtet dennoch keine Inflationsgefahr. Europa-Chefvolkswirt von Goldman Sachs, Erik Nielsen, sieht im Wortlaut der Presseerklärung Diskussionsbedarf. Der tiefe Leitzins sei "im Konsens"beschlossen worden. "Im Konsens bedeutet in der EZB-Sprache, dass es Meinungsverschiedenheiten gibt", meint Nielsen gegenüber dem Handelsblatt. Tatsächlich hatte sich schon EZB-Ratsmitglied Nout Wellink am Freitag in Seoul besorgt über die aktuelle Geldpolitik geäußert. Die Konsequenzen der unkonventionellen geldpolitischen Maßnahmen seien von den Zentralbanken möglicherweise noch nicht vollständig verstanden worden.
Infineon: Ziel gesenkt, Halbleitersektor unattraktiv
Die UBS senkt das Ziel von Infineon von vormals 5,35 Euro auf 4,70 Euro und belässt die Einstufung des Wertes bei "Neutral". Analyst Nick Nelson glaubt, dass sich die Ergebnisdynamik bei Halbleiterunternehmen abschwächen wird. Außerdem kann er sich weitere Rückgänge bei der PC-Nachfrage vorstellen. Aus diesem Grund stuft er den Halbleitersektor als Ganzes ab von "Neutral" auf "Untergewichten".
Südzucker: wettbewerbsbeschränkende Absprachen in Österreich
Der Südzucker-Tochter Agrana werden in Österreich "wettbewerbsbeschränkende Absprachen" vorgeworfen. Die Börsenzeitung berichtet am Donnerstag, die Kartellwächter der Donaumetropole haben gegen Südzucker und Agrana die Feststellung einer Zuwiderhandlung gegen das Kartellgesetz beantragt. Details wie Schadenssummen sind noch nicht bekannt. Südzucker prüft im Augenblick die Beschuldigung, teilte ein Konzernsprecher mit. Das im MDAX gelistete Unternehmen ist seit 1989 an Agrana beteiligt.
Verbraucherpreise steigen, Inflationstendenz aber rückläufig
Der Verbraucherpreisindex für Deutschland im August 2010 steigt um +1,0 Prozent höher als im August 2009. Preistreiber sind vor allem die gestiegenen Energiekosten, insbesondere Mineralölprodukte liegen mit 7,3 Prozent Zuwachs deutliche über dem Vorjahresniveau. Auch die Preise für Nahrungsmittel steigen überdurchschnittlich um 2,8 Prozent. Die aktuelle Inflationsrate liegt aber noch immer unter der geldpolitisch relevanten Marke von 2,0 Prozent. Im Juli 2010 hatte die Inflationsrate bei 1,2 Prozent gelegen.