Richard Nitzsche
Nach der Rally in den vergangenen Tagen ist der DAX bei 6.071 Punkten etwas leichter in den Handel gestartet. Am frühen Morgen verlor der deutsche Leitindex weiteren Boden und erreichte ein Tief bei 6.052 Punkten. Dann folgte aber der Turnaround: eine steigende Wirtschafsleistung in der Eurozone trägt zur guten Stimmung bei. Gegen Mittag kann der DAX wieder ins Plus drehen und notiert bei 6.085 Punkten nahezu unverändert. Händler warten nun auf die US-Konjunkturergebnisse am Nachmittag.
Autoabsatzzahlen auf dem US-Markt
Die im DAX notierten Autobauer BMW, Daimler und Volkswagen handeln heute durchweg unter grünen Vorzeichen. Grund sind die erfreulich ausgefallenen Absatzzahlen auf dem US-Automarkt. Insbesondere im Premiumsegment spüren die Fahrzeughersteller weiterhin eine deutliche Erholung. Die Verkaufszahlen von Porsche klettern um 75 Prozent auf 2703 Automobile. Bei VW, Mercedes-Benz und Audi sind die Steigerungen weniger stark ausgefallen, als im bisherigen Jahresverlauf.
Bayer erhält Zulassung für Pflanzenschutzmittel in Großbritannien
Der Pharmakonzern Bayer AG erhält in Großbritannien die Zulassung für das Pflanzenschutzmittel Bixafan. Laut einer Pressemeldung des DAX Konzerns ist dies die erste Zulassung des Produktes weltweit. In Großbritannien soll es in einer Kombination mit anderen Mitteln vermarktet werden. Bayer rechnet mit einem weltweiten jährlichen Gewinnpotenzial von 300 Millionen Euro. Die Einführung auf dem britischen Markt ist für 2011 geplant.
Continental begibt weitere Anleihe
Continental emittiert eine neue Anleihe. Mindestens 750 Millionen Euro frische Barmittel möchte der Automobilzulieferer so einsammeln. Mit der zusätzlichen Liquidität sollen die Schulden verringert werden, kommentiert Finanzvorstand Wolfgang Schäfer. Details zu den Konditionen will Continental in den kommenden Tagen veröffentlichen. Die Anleihe ist der dritte Eckpfeiler in der finanziellen Neuaufstellung des Konzerns. Ende 2009 hatten die Banken bereits einen Kreditaufschub für die fälligen Milliardenkredite bewilligt, zu Jahresbeginn konnte Conti einer vorhergehenden Anleihen-Emission bereits eine Milliarde Euro erlösen.
EU-Wirtschaftszahlen: steigendes Euro-BIP, kletternde Erzeugerpreise
Die Wirtschaftsleistung der Eurozone ist im zweiten Quartal deutlich gestiegen. Das EU-BIP stieg im Vergleich zum ersten Quartal 2010 um einen Prozent, im Vergleich zur Vorjahresperiode um 1,9 Prozent. Konsumausgaben und Investitionen haben laut Eurostat das Wachstum begünstigt. Auch die EU-Erzeugerpreise sind im Aufwind. Im Juli stiegen die institutionellen Preise im Vergleich zum Vorjahresmonat um 0,2 Prozent - im Jahresvergleich klettern sie um 4,0 Prozent nach zuvor + 3,0 Prozent.
Analystenkommentare für Infineon
Das Analysehaus Kepler Equities senkt das Kursziel für Infineon auf 6,00 Euro von vormals 6,20. Die Einschätzung belässt der Analyst bei "Kaufen". Tobias Loskamp sieht keinen Grund für die relativ niedrige Bewertung der Aktie. Mit dem Verkauf der Handysparte und der daraus resultierenden Erhöhung der Barmittel verbessere sich das Risikoprofil. Eine andere Meinung hat der Broker Cheuvreux: Analyst Bernd Laux senkt das Kursziel von 5,00 Euro auf 4,10 Euro und bewertet die Aktie weiterhin mit "Underperform". Er glaubt, die Gewinne von Infineon erreichen in Q4 ihren Höhepunkt. Danach sieht er einen Abwärtstrend bei den Erlösen.
IWF: Stoßen auch reiche Länder jetzt an Schuldengrenze?
Der Internationale Währungsfonds (IWF) meint, dass die Verschuldungslage vieler Staaten bald an ihre Grenzen stoßen könnte. In mehreren Studien über insgesamt 23 Länder befinden sich auch einige Industrieländer wie die USA und Großbritannien auf in der Kategorie der "bedrohten" Staaten. Die Auswirkungen wären Downgrades von den Ratingagenturen und dadurch eine Vergrößerung der Zinsbelastung. Die Angst vor gänzlicher Zahlungsunfähigkeit hält der IWF im Augenblick jedoch für übertrieben.
RWE plant Konzernumbau
Der Vorstandvorsitzende des Energiekonzerns RWE, Jürgen Großmann, will sein Unternehmen umstrukturieren. Der Plan ist eine Bündelung der Vertriebs- und Netzaktivitäten in einer deutschen Aktiengesellschaft, die einer europäischen Gesellschaft (SE) unterstellt sein soll, berichtet das Handelsblatt am Donnerstag und beruft sich auf Unternehmenskreise. RWE enthält sich derzeit eines Kommentares. Großmann möchte so erreichen, dass die Kommunen, die etwa 25 Prozent der RWE-Anteile besitzen, künftig nur noch an der deutschen Tochter beteiligt sind. Der Startschuss soll in drei Wochen erfolgen.