DAX sackt auf Zweimonatstief: Air Berlin, Bruttoinlandsprodukt, Commerzbank, EADS, Fuchs Petrolub, GSW Immobilien, Konjunkturdaten, Merck, Praktiker, Volkswagen und VTG im Fokus
Der deutsche Aktienmarkt hat am Donnerstag erneut unter Konjunktursorgen gelitten. Im Tagesverlauf weitete der DAX seine Verluste aus. Schlechte Nachrichten schwappten aus Übersee über den großen Teich. In den USA ist der Philly Fed Index im November überraschend kräftig auf minus 10,7 Punkte eingebrochen. Analysten hatten mit einem deutlich leichteren Rückgang auf 2,0 Zähler gerechnet. Auch der wöchentliche US-Arbeitsmarktbericht fiel schwach aus: So beliefen sich die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe auf 439.000 nach zuvor 355.000. Analysten hatten nur mit einem Anstieg auf 362.000 gerechnet. Der deutsche Leitindex fiel am Nachmittag zeitweise auf den niedrigsten Stand (7.030 Punkte) seit mehr als zwei Monaten. In der letzten Handelsstunde konnte sich das Barometer etwas von seinen Tiefsständen lösen.
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Air Berlin bleibt zuversichtlich
Der Sparkurs hat sich bei Air Berlin im dritten Quartal weiter bezahlt gemacht. Die Airline verbuchte trotz der Streichung unrentabler Strecken einen Umsatz, der mit 1,4 Milliarden Euro auf dem Vorjahresniveau lag. Zudem konnte der operative Gewinn (EBIT) auf 101 Millionen Euro zulegen und das Nettoergebnis auf 67 Millionen Euro gesteigert werden. Damit übertraf die zweitgrößte Fluglinie Deutschlands die Prognosen der Analysten. Wegen der hohen Verluste im ersten Halbjahr hat Air Berlin in den ersten neun Monaten dennoch einen Verlust von 103 Millionen Euro verbucht. Konzernchef Hartmut Mehdorn zeigte sich mit dem Ergebnis zufrieden und bekräftigte: „Unser Ziel bleibt die Rückkehr in die Gewinnzone im kommenden Jahr."
| Börsenwelt Presseschau |
| DAX Das hat gesessen |
| EADS Satte Aufträge und ein Milliardenkniff |
| Nordex Wie gewonnen, so zerronnen |
Commerzbank: Keine Hilfe aus Spanien
Die Commerzbank-Aktie litt in den vergangenen Monaten erheblich unter der europäischen Schuldenkrise. Auch die jüngsten Meldungen aus Spanien verleihen dem DAX-Titel nicht gerade Rückenwind. Dabei gibt es aus dem Süden Europas auch Anzeichen der Besserung.
Deutsche Wirtschaft wächst weiter
Die deutsche Konjunktur verliert an Tempo, schlägt sich aber angesichts der Belastungen durch die Schuldenkrise wacker. Im dritten Quartal erhöhte sich die Wirtschaftsleistung zum Vorquartal um 0,2 Prozent, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Das sind zwar 0,1 Prozentpunkte weniger Wachstum als im zweiten Quartal und 0,3 Punkte weniger als zu Jahresbeginn. Bankvolkswirte hatten im Schnitt mit einem Zuwachs des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 0,1 Prozent gerechnet. Im Jahresvergleich wuchs die größte Wirtschaft im Euroraum um 0,4 Prozent. Die für Deutschland wichtigen Exporte legten etwas stärker zu als die Importe.
Milliardenauftrag für EADS
Der mexikanische Billigfluganbieter Interjet hat bei Airbus 40 Maschinen vom Typ A320neo bestellt. Laut Liste beläuft sich das Volumen auf etwa 3,9 Milliarden Dollar. Allerdings werden derartige Orders kräftig rabattiert, so dass die tatsächliche Kaufsumme deutlich darunter liegen wird. Zudem werden an die US-Army 34 Hubschrauber des Typs UH-72A Lakota ausgeliefert. Das Auftragsvolumen beläuft sich auf 182 Millionen Dollar. Das Geschäft ist Teil einer Gesamtorder über 312 Hubschrauber, von denen 243 Maschinen bereits ausgeliefert wurden.
Enttäuschte Erwartungen bei Fuchs
Die Papiere von Fuchs Petrolub zählen zu den großen Verlierern im MDAX. Als Belastung sahen Händler, dass die Aktie des Schmierstoff-Herstellers entgegen den Erwartungen einiger Anleger nicht in den Index MSCI Germany aufgenommen werde.
Anleihe belastet GSW
Im MDAX wurden die Titel von GSW Immobilien von der Ankündigung einer Wandelanleihe belastet und büßten gut zwei Prozent ein. Dabei hatte das Berliner Immobilienunternehmen zuvor mitgeteilt, in den ersten neun Monaten dank höherer Mieteinnahmen und deutlich mehr Wohnungsverkäufen ordentlich Geld verdient zu haben. Mit der Wandelanleihe will GSW den weiteren Expansionskurs finanzieren. Kepler-Analyst Burkhard Sawazki sah die Zahlen für das dritte Quartal leicht über den Erwartungen. Zudem erhöhe die Wandelanleihe die finanzielle Flexibilität des Unternehmens. Allerdings erscheine die Aktie bereits fair bewertet.
Merck erhöht Umsatzziel
Der Pharma- und Chemiekonzern Merck hat das dritte Quartal mit einem überraschend starken operativen Ergebnis abgeschlossen. Unter dem Strich sank das Ergebnis nach Steuern wegen erneuter Sondereffekte in Zusammenhang mit dem Konzernumbau allerdings um 17,2 Prozent auf 185,5 Millionen Euro. Der Erlös kletterte um 12,2 Prozent auf 2,8 Milliarden Euro. 2012 soll der Umsatz nun auf 10,9 bis 11,0 Milliarden Euro steigen. Bisher wurden rund 10,7 Milliarden in Aussicht gestellt.
Bei Praktiker wird es ernst
Bei Praktiker könnte es in den kommenden Tagen ernst werden: Die bereits von der Hauptversammlung genehmigte Kapitalerhöhung soll jetzt über die Bühne gehen. Die Kapitalerhöhung soll im Verhältnis 1:1 durchgeführt werden. Der Ausgabekurs der neuen Aktien soll Gerüchten zufolge bei 1,08 Euro liegen.
Volkswagen will in China expandieren
Der VW-Konzern will sein Netz eigener Standorte im Riesenmarkt China verdichten. "Auch in weiteren chinesischen Orten prüft Volkswagen momentan Ansiedlungen und spricht mit den lokalen Behörden", hieß es am Donnerstag aus der Wolfsburger Zentrale. Berichte, wonach in der Süd-Provinz Hunan für mehr als 500 Millionen Euro eine Montagefabrik mit einer Kapazität von 300.000 Autos pro Jahr entstehen soll, wollte das Unternehmen zunächst jedoch nicht kommentieren.
VTG nach neun Monaten in der Spur
Das Hamburger Waggonvermiet- und Schienenlogistikunternehmen VTG hat im dritten Quartal seinen Umsatz im Vergleich zum Vorjahr um 2,6 Prozent auf 573,0 Millionen Euro ausgebaut. Das operative Betriebsergebnis (EBITDA) lag mit 128,3 Mio. Euro 1,8 Prozent über dem des Vorjahres. 'Trotz eines international von Unsicherheit und Zurückhaltung geprägten Umfelds sind wir auf einem guten Weg, unser für 2012 gesetztes Ziel zu erreichen', so Vorstandschef Dr. Heiko Fischer.
(Mit Unterstützung von dpa-AFX)
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