Thorsten Küfner
Der Dubai-Schock ist kaum verdaut, schon stricken die Marktteilnehmer ein neues Horrorszenario: Die Pleite eines EU-Staates. Grund hierfür ist die Herunterstufung des Ratings von Griechenland.
Die Börsianer haben einen neuen Grund, die Kurse auf Talfahrt zu schicken: Griechenland. Heute hatte die Ratingagentur Standard & Poors den Ausblick für den EU-Staat auf "Creditwatch Negative" gesenkt. Konkurrent Fitch hat bereits das Rating von A- auf BBB+ angepasst. Erstmals seit zehn Jahren verfügt der Euro-Mitgleidsstaat damit nicht mehr über ein "A-Rating". Im Zuge dessen gingen die Kurse griechischer Staatsanleihendeutlich zurück. Investoren fürchten nun, dass Griechenland in die Schuldenfalle rutscht und das Land nicht mehr in der Lage sein wird, seinen Zahlungsverpflichtungen nachzukommen.
Schuldzinsen dürften weiter steigen
Durch den erneuten Rückgang der Kurse griechischer Staatsanleihen hat sich der Risikoaufschlag, den Investoren in griechische Schuldtitel verlangen, nun erneut erhöht. So stieg beispielsweise der Renditeabstand zwischen deutscher und griechischer Staatsanleihen mit einer Laufzeit von zehn Jahren auf mehr als zwei Prozent an. Die Griechen müssen also für ihre Schulden deutlich höhere Zinsen zahlen als etwa Deutschland.
Die Herabstufung des Ratings von A- auf BBB dürfte die Zinszahlungen für die Hellenen nun weiter ansteigen lassen. Der Grund für die Verschlechterung der griechischen Kreditwürdigkeit ist das ausufernde Haushaltsdefizit von fast 12,7 Prozent. Die Gesamtschulden im Vergleich zum Bruttoinlandsprodukt würden sich dadurch auf mehr als 113 Prozent erhöhen.
Bald kein Geld mehr von der EZB?
Eine Herunterstufung des Länderratings könnte für die griechischen Banken zudem noch böse Folgen haben. Denn bis Herbst 2008 akzeptierten die Währungshüter als Sicherheit für das billige Zentralbankgeld nur Wertpapiere mit einem Rating von mindestens A-. Wegen der Finanzkrise wurde diese Bestimmung zwar gelockert, einige Experten rechnen allerdings damit, dass bald wieder ein Rating von A- gefordert werden wird. Dann könnten die griechischen Geschäftsbanken, die über hohe Bestände an Staatsanleihen des eigenen Landes verfügen, sich nicht mehr so leicht mit günstigen Krediten versorgen.
Trotz der gravierenden Probleme, die der griechische Staat hat, ist ein Staatsbankrott unwahrscheinlich. Nachdem Zentralbanker und Politiker nun monatelang dafür gekämpft haben, keine (größere) europäische Geschäftsbank Pleite gehen zu lassen, ist es sehr unwahrscheinlich, dass dem griechischen Staat im worst-case nicht ebenfalls massiv unter die Arme gegriffen wird. Die Panik der Anleger darf daher - mal wieder - als übertreiben bezeichnet werden.