Thorsten Küfner
Die Europäische Zentralbank (EZB) hat auf die sich weiter abschwächende Konjunktur in Europa reagiert und den Leitzins auf 1,0 Prozent gesenkt. Damit hat der Leitzins in der Eurozone wieder das Rekordniveau erreicht.
Die EZB hat heute den Leitzins um 0,25 Prozentpunkte gesenkt. Damit ist wieder das Rekordniveau von 1,0 Prozent erreicht. Bereits im Mai 2009 - im Zuge der Lehman-Pleite - lag der für Geschäftsbanken wichtige Refinanzierungssatz auf diesem niedrigen Niveau. Seit der Italiener Mario Draghi an die Spitze der Zentralbank gerückt ist, ist es bereits die zweite Zinssenkung. Sein Vorgänger Jean-Claude Trichet hatte im April und in Juli die Zinsen sogar noch leicht angehoben.
Kampf der Rezession
Mit diesem Schritt versuchen die Währungshüter die Wirtschaft in der Eurozone zu unterstützen. Schließlich befinden sich zahlreiche Mitglieder der Währungsunion bereits in der Rezession, anderen Volkswirtschaften droht das gleiche Schicksal.
Die EZB ist eigentlich primär dazu verpflichtet, die Preisstabilität zu wahren. Mit einer Inflationsrate von drei Prozent lag sie im November zuletzt deutlich über der Zielmarke von 2,0 Prozent. Da die EZB wegen der sich abkühlenden Wirtschaft das Inflationsrisiko derzeit als beherrschbar betrachtet, kann sie den Leitzins dennoch senken, was tendenziell die Inflation weiter anheizen dürfte.
Keine große Überraschung
Die Senkung des Leitzinses um 0,25 Prozentpunkte war bereits am Markt erwartet worden. Interessanter dürfte das Statement Draghis werden. Experten hoffen, dass der Italiener auch Angaben dazu macht, ob und in welchem Umfang die EZB Staatsanleihen von hoch verschuldeten Eurostaaten wie Italien oder Spanien kaufen wird. Für viele Marktteilnehmer wäre dies der einzige (kurzfristige) Ausweg aus der Krise.