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EZB-Direktor: "Der Euro ist in guten Händen"

Steffen Eidam

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Drohende Staatspleiten, drastische Sparmaßnahmen und schließlich der Kursverfall des Euros - die Stimmung in Europa ist auf dem Tiefpunkt. Droht der Wirtschaft auf dem alten Kontinent tatsächlich der Absturz? EZB-Direktor Dr. Jürgen Stark redet im Interview mit Dr. Jünemann vom Deutschen Anleger Fernsehen Klartext.

Dr. Jürgen Stark, Mitglied des Direktoriums bei der Europäischen Zentralbank (EZB), erkennt erste Anzeichen einer Stabilisierung im europäischen Finanzsystem. Im Gespräch mit Dr. Bernhard Jünemann vom Deutschen Anleger Fernsehen versichert er, dass der Eurozone weder eine Inflation noch eine Deflation drohe.

Lesen Sie hier einen Auszug davon.
Das komplette Interview sehen Sie auf dem Portal des Deutschen Anleger Fernsehens.

 
Dr. Bernhard Jünemann: Herr Dr. Stark, viele Menschen haben Angst um ihr Geld. Sie kaufen Gold, weil sie den Papierwährungen misstrauen. Sind diese Sorgen gerechtfertigt?

Dr. Jürgen Stark: Die Ängste der Menschen kann man verstehen. Viele Bürger konnten aufgrund der komplexen Auswirkungen der Krise und der politischen Reaktionen einfach nicht erkennen, dass ihr Geld sicher ist. Ich kann aber beruhigen, denn der Euro ist bei der Europäischen Zentralbank in sehr guten Händen. Wir haben die Inflationsraten über die letzten Jahre deutlich unter zwei Prozent gehalten - das ist ein großer Erfolg. Nur die wenigsten haben das der EZB zu Beginn der Währungsunion zugetraut.
Im Hinblick auf die politischen Reaktionen muss man berücksichtigen, dass die Haushaltsdefizite explodiert sind und die Zentralbanken deshalb zu außergewöhnlichen Maßnahmen gezwungen waren, die mehr Liquidität geschaffen haben. Jetzt sind die Regierungen in der Pflicht und müssen ihre öffentlichen Haushalte in den Griff bekommen, damit das Vertrauen in die Nachhaltigkeit der öffentlichen Finanzen nicht verloren geht. Dies ist ein ganz wichtiger Punkt, der auch Auswirkungen auf die reale Wirtschaft hat. Zum gegebenen Zeitpunkt werden wir die Liquidität, die wir notwendigerweise in den Markt gegeben haben, wieder absorbieren. Das sind die wesentlichen Voraussetzungen, die erfüllt sein müssen, und ich bin zuversichtlich, dass dies gelingt. Die Öffentlichkeit braucht sich daher keine Sorgen über eine höhere Inflationsrate in den kommenden Jahren zu machen.

Noch gibt es keine richtigen Anzeichen von Inflation. Müssen wir uns nicht vielmehr vor einer Deflation fürchten, weil diese mit einem sehr schwachen Wirtschaftswachstum verbunden ist?
Diese Gefahr sehe ich nicht. Im Augenblick deuten alle Daten darauf hin, dass wir in einem überschaubaren Zeitraum Preisstabilität haben werden. Das bedeutet eine Abwesenheit von Inflation und von Deflation insgesamt. In einigen Regionen des Eurogebietes, wo der wirtschaftliche Abschwung noch anhält, wird es aber zu einer Anpassung der relativen Preise kommen. Hier sprechen wir dann von einer Disinflation.

Sie fordern die Regierungen zum Sparen auf. Doch wirkt sich das nicht negativ auf das Wachstum aus?
Man muss unterscheiden zwischen kurzfristigen Effekten und mittel- bis längerfristigen Effekten. Die positiven Auswirkungen einer mittel- bis langfris­tigen Haushaltskonsolidierung auf Wachstum und Beschäftigung sind unbestritten.
Es kann kurzfristig allerdings zu Wachstumseinbußen kommen, nur dürfen wir das nicht rein mechanis­tisch sehen. Es gibt auch sogenannte nicht-keynesianische Effekte, die mögliche negative Auswirkungen auf die Realwirtschaft durch die Haushaltskonsolidierung minimal halten. Die Regierungen in fortgeschrittenen Volkswirtschaften haben keine andere Wahl als ihre öffentlichen Haushalte auf die Reihe zu bringen.

Der Finanzstabilisierungsreport weist trotz einer Erholungstendenz immer noch einen immensen Abschreibungsbedarf aus. Befinden wir uns in einer Phase der erhöhten Unsicherheit oder droht uns gar eine ernste Gefahr?
Wir sind in einer neuen Phase der Krise. Allerdings sollten die Daten zum Abschreibungsbedarf im Finanzstabilitätsbericht der EZB keine Überraschung darstellen. Die jüngste Zahl liegt unter dem Wert, den wir vor einem halben Jahr veröffentlicht haben und deutet auf eine gewisse Stabilisierung im Finanzsystem hin. Abschreibungsbedarf gibt es natürlich nach wie vor.

Bereiten Ihnen beim Blick auf den Import nicht die kräftig angestiegenen Rohstoffpreise Sorgen?
Vor vier Wochen hatten wir eine andere Situation als heute. Damals zogen die Preise nicht nur bei Öl, sondern auch bei anderen Rohstoffen deutlich an. In Verbindung mit der Wechselkurs­entwicklung ersahen wir es als notwendig, die Importpreise genau im Auge zu behalten. Die Inflationsrate, die jetzt im Eurogebiet bei etwa 1,5 bis 1,6 Prozent liegt, ist im Wesentlichen getrieben durch die Rohstoff- und Nahrungsmittelpreise. Seit dem März verzeichneten wir einen leichten Anstieg der Inflationsrate, mittlerweile hat sich die Lage etwas beruhigt.

Durch den jüngsten Aufkauf von Anleihen hoch verschuldeter Euroländer ist ein möglicher Ausstieg der EZB aus den außergewöhnlichen Maßnahmen zunächst aufgeschoben. Gibt es schon konkrete Pläne?
Zunächst einmal geht es darum, dass wir als Zentralbank nicht zu einer weiteren Verunsicherung an den Märkten beitragen. Deshalb haben wir am 9. März auch die angedeuteten Maßnahmen beschlossen inklusive der Sondermaßnahmen, die wir eigentlich schon zurückgeführt hatten.
Um der besonderen Marktsituation Rechnung zu tragen, haben wir unsere Maßnahmen dann aber reaktiviert. Wie weit sich nun der Ausstieg aus diesem Programm vollziehen lässt, hängt von der weiteren wirtschaftlichen Entwicklung und damit auch von der weiteren Preisentwicklung und der Lage an den Finanzmärkten ab. Das sind die beiden wichtigen Parameter, die wir beobachten und von denen wir unsere Entscheidungen abhängig machen. Je länger wir diese Maßnahmen zur Anwendung bringen und Liquidität in den Märkten haben, umso größer ist auch die Gefahr oder auch das Risiko, dass sich daraus Verzerrungen ergeben können. Deshalb werden wir die Maßnahmen, sobald wir können, beenden.

Vielen Dank.

Das komplette Interview sehen Sie auf dem Portal des Deutschen Anleger Fernsehens.

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