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"Der größte Trade aller Zeiten"

Steffen Eidam

Während die Immobilienkrise in den USA viele Menschen in den Ruin getrieben hat, verdiente Hedgefonds-Manager John Paulson ein Vermögen. Jetzt erscheint das Buch dazu.

Finanzinvestor John Paulson hat die Schieflage auf dem US-Immobiliensektor schon frühzeitig erkannt. Seine Wetten gegen den Markt brachten ihm 2007 ein Vermögen und den Spitznamen ?King of Cash" ein. Gregory Zuckerman vom Wall Street Journal ging dem Erfolgsgeheimnis in seinem Buch ?Der größte Trade aller Zeiten" auf den Grund. Vor dem Erscheinen sprach der Autor mit dem Deutschen Anleger Fernsehen. der aktionär veröffentlicht Auszüge aus dem Interview.

Der Aktionär: Herr Zuckerman, wann haben Sie zum ersten Mal von John Paulsons Tradingidee gehört?
GREGORY ZUCKERMAN: Im Jahr 2007, in einer Zeit, in der fast alle Anleger Verluste erlitten, hat mich ein wichtiger Hedgefonds-Manager beim Wall Street Journal angerufen und auf John Paulson aufmerksam gemacht. Angeblich sollte er Milliarden von Dollars verdienen. Ich bin der Sache nachgegangen und habe festgestellt, dass Paulson noch besser dastand als vermutet. Die nächs­ten Jahre habe ich versucht herauszufinden, wie John Paulson den größten Trade der Geschichte über die Bühne gebracht hat.  

Können Sie uns diesen Börsencoup etwas näher beschreiben?
John Paulson hat sich genau zum richtigen Zeitpunkt Sorgen um den Immobilienmarkt gemacht. Begonnen hat es bereits 2005. Im darauffolgenden Jahr suchte er nach Investitionsmöglichkeiten, mit denen er von einem kollabierenden Immobilienmarkt profitieren konnte. Ich finde, das hat Res­pekt verdient, denn er war früh dran. Im Gegensatz zu anderen Leuten, die sich ebenfalls Gedanken machten, fand er aber auch heraus, wie man gegen den Immobilienmarkt wetten konnte. Vielen anderen gelang das nicht. Paulson kaufte sich sogenannte Credit De­fault Swaps, also Versicherungsscheine für Subprime-Hypotheken. Als dann der Immobilienmarkt in den USA und weltweit kollabierte und diese Hypotheken wertlos wurden, gewannen seine Anlagen an Wert. So verdiente er Milliarden.

Was haben die anderen berühmten Wall-Street-Legenden wie Warren Buffett oder George Soros falsch gemacht? Warum haben sie das Ende der Immobilienblase übersehen?
Wahrscheinlich weil alle Immobilien­experten die gleiche Sprache sprechen. Die gängige Meinung war, dass der Häusermarkt nicht kollabieren würde - weder auf nationaler Basis und erst recht nicht auf globaler Ebene. Die Notenbank würde im Ernstfall einschreiten und auch die Regierung würde die Dinge nicht eskalieren lassen.
John Paulson kam aus einer anderen Welt. Er war Spezialist für Übernahmen und wusste nicht viel über Immobilien. Für ihn war es daher unwahrscheinlich, dass die Häuserpreise nach dem starken Anstieg nicht zusammenbrechen würden. Seiner Einschätzung nach würde die Regierung darüber hin­aus bei einem Kollaps nicht einschreiten. Er hatte einen anderen Hintergrund und er profitierte von dieser Perspektive.

Und diese andere Perspektive hat ihm geholfen, insgesamt 15 Milliarden Dollar einzunehmen. Wie hat sich sein Hedgefonds seither entwickelt?
John Paulson zog einen zweigeteilten Trade auf. 2007 wettete er grundsätzlich gegen Subprime-Hypotheken US-amerikanischer Herkunft und verdiente damit 15 Milliarden Dollar für sein Unternehmen. Er selbst strich etwa vier Milliarden Dollar ein. 2008 entschied er sich dann, gegen Finanz­institute zu wetten. Damit machte er noch einmal fünf Milliarden Dollar. Insgesamt verdiente er also 20 Milliarden Dollar innerhalb von zwei Jahren - bis ins Jahr 2009.
Dann wurde er bullish in Bezug auf die Weltwirtschaft. Dieser derart extreme Wechsel in seiner Strategie ist beeindruckend. 2009 schnitt er stark ab und im laufenden Jahr sah es bis zum Mai auch sehr gut für ihn aus. Dann bekam er wie der Rest des Marktes einen Dämpfer. Er hat dabei ein wenig schlechter als andere Hedgefonds abgeschnitten, weil er etwas zu optimistisch für das Weltwachstum und für Europa war. Wir werden sehen, ob er am Ende recht behält. Im laufenden Jahr rechnet er mit einem ordentlichen weltweiten Wachstum, im nächsten Jahr sollten die Märkte dann stärker anziehen. Auch Europa sollte nach ausgestandener Schuldenproblematik wieder zu alter Stärke zurückfinden. Das sind seine Thesen.

Eine hochinteressante Erfolgsgeschichte. Sollten wir uns vielleicht Gedanken machen, ob und gegebenenfalls wie sich das Finanzsystem ändern muss? Welche Veränderungen sind notwendig?
Wir haben eine schwierige Phase hinter uns. Viele Dinge müssen überprüft werden, nur einige davon wurden bislang angesprochen. In den USA hat man sich zu sehr auf die Meinung von Experten verlassen. Ein neues Gremium soll jetzt die Größe von Unternehmen regulieren und entscheiden, ob die Regierung einschreiten soll.
Eine der Lehren der Finanzkrise ist aber, dass sich auch Experten täuschen können. John Paulson hat eine Reihe von Fachleuten in sein Büro eingeladen und mit ihnen über den Häusermarkt diskutiert. Fast alle sagten: ?John, du machst einen Fehler! Die Wetten gegen Immobilien werden dich Geld kosten." Paulson hat das einfach ignoriert. Wie sich herausstellte, lagen die größten Wirtschaftsexperten der Notenbank und des Finanzministeriums alle falsch.
Außerdem werden Unternehmen auf internationaler Ebene gezwungen, etwas mehr Geld zur Seite zu legen. Ich denke, das ist eine kluge Idee. Es wird schwierig vorherzusagen, was die nächste Krise verursachen wird. Wir sind im Zeitalter der Blasen und Krisen. Vor 13 Jahren hatten wir die Krise in Asien, danach waren Technologie-Aktien, Rohstoffe und der Häusermarkt an der Reihe. Die nächste Krise kommt! Auf Experten zu setzen ist aber der falsche Weg. Vielmehr sollten die Eigenkapitalanforderungen steigen.

Nach dem Buch ist vor dem Buch. Womit beschäftigen Sie sich derzeit?

Ich denke über ein neues Buch nach. Beim alten war ich mit voller Leidenschaft dabei. Ich fand die Leute interessant, über die ich geschrieben habe. Nicht nur John Paulson, sondern auch seine rechte Hand, der Italiener Paolo Pellegrini. Vor dem Trade war er nicht sehr erfolgreich. Er lebte in einem 1-Zimmer-Apartment außerhalb New Yorks und hatte sehr wenig Geld zur Verfügung. Zwei Jahre später leistete er sich mit seiner Frau einen Urlaub. Sie hatte keine Ahnung, wie der Trade verlief. Am Geldautomaten sah sie dann, dass 45 Millionen Dollar auf dem Konto lagen. Für mein nächstes Buch habe ich schon einige Ideen.

Vielen Dank für das Interview.

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