- Florian Söllner - Leitender Redakteur

Wir sind short - und das ist gut so

Die Emotionen kochen hoch. Darf man auch auf fallende Kurse setzen oder ist dies unredlich?

Wir freuen uns über alle Leserbriefe. Über manche mehr, über manche weniger. Nachdem der AKTIONÄR die Aktie des Solarzellenherstellers Q-Cells in der Print-ausgabe 05/2010 wegen "Problemen, im Preiskampf mit den Chinesen zu bestehen" zum Verkauf gestellt sowie auf www.deraktionaer.de einen Short-Schein auf die Aktie empfohlen hatte, erhielt ich diese kurze, aber prägnante E-Mail: "Leichenfledderer! Ihr seid schlimmer als alle Hedgefonds zusammen! So was sollte per Gesetz verboten werden. Das ist wie zutreten, wenn der Gegner am Boden liegt."

Die Meinung, dass man nur auf steigende, nicht aber auf fallende Kurse setzen sollte, hat dieser Leser nicht exklusiv. Die Auffassung, Shorten sei böse, ist weit verbreitet. Doch dies ist ein großer Irrtum. Gerade aus Anlegersicht ist es sehr wichtig, flexibel auf Veränderungen am Markt reagieren zu können. Verheerend wäre es, aus Nibelungentreue zu lange an Aktien festzuhalten. Die Formulierung der Mail, in welcher Q-Cells als "Leiche", die "getreten" wird, menschliche Attribute zugeschrieben werden, zeigt, dass Emotionen für Anleger gefährlich werden können. Freundschaft und Liebe im Leben ist gut - an der Börse aber Gift. Ist es - weil sich die fundamentalen oder charttechnischen Vorzeichen geändert haben - an der Zeit, die Seite zu wechseln, sollten Sie das emotionslos tun.

Zumal Shorten - also das (Leer-)Verkaufen von zu teuren Aktien - auch aus moralischer Sicht absolut einwandfrei ist. Der Börsenhandel ist für jeden zugänglich. Wäre ein Verkauf von Q-Cells zu 10,00 Euro tatsächlich zu einem unangemessen niedrigen Kurs geschehen, stünde es jedem frei, diese vermeintliche Chance zu nutzen und auf diesem Niveau zu kaufen. Kein Hedgefonds der Welt kann eine Aktie, die zweifelsfrei zehn Euro wert ist, nachhaltig auf fünf Euro drücken, weil jeder unter zehn Euro kaufen würde. Historisch belegt steigen Aktien meist. Dennoch sollten Sie sich - durch Zertifikate oder den CFD-Handel - die Option offenhalten, auch bei fallenden Kursen zu verdienen.

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