- Florian Söllner - Leitender Redakteur

Sind Milliarden das Wichtigste? Jain!

Die Angst vor dem finanziellen Weltuntergang grassiert. Ein gutes Beispiel für eine entspanntere Weltsicht gibt der neue Deutsche-Bank-Boss Anshu Jain.

Untergangs-Schlagzeilen in Spiegel oder auf CNN - seit Wochen überall. Kollektive Angst. Was passiert, wenn die USA pleite gehen, Inflation kommt, Aktien und Gewinne abstürzen? Antwort: Nichts! Nichts Wichtiges. Gerade im technologisch und von der Natur so reich beschenkten Mitteleuropa wird - egal was wirtschaftlich geschieht - nie wieder jemand hungern oder im Freien schlafen müssen. Es geht uns gut und wird uns immer gut gehen.

Wir, die wir über Aktien schreiben und Sie, die Sie darüber lesen, sorgen sich in der Regel auf besonders hohem Niveau, nämlich hauptsächlich darum:  Was mache ich mit meinem (überschüssigen) Geld?

Die im Ausland schon sprichwörtliche „German Angst" entsteht auch aus Eitelkeit und zu simplen Zielen: Ist mein Auto größer als das des Nachbarn, meine Kleidung „in", mein Urlaub besonders exklusiv? Fragen, die eigentlich egal sind und zu komplett unnötigen Sorgen führen.

Materielle Dinge werden nicht nur überschätzt, sondern sind sogar belastend und stehen der inneren Freiheit und seelischen Harmonie im Wege - so denken nicht nur zottelige Aussteiger, sondern auch der derzeit wohl smarteste Banker der Welt: Anshu Jain. Er hat mit seiner Abteilung in fünf Jahren 16 Milliarden Euro Gewinn für die Deutsche Bank erzielt und gilt als bestbezahlter Angestellter aller DAX-Firmen. Doch mit Fragen wie „Fahre ich heute Bugatti, Rolls-Royce oder Maybach?" hält er sich nicht auf. Er wird vielmehr regelmäßig in der Frankfurter U-Bahn gesichtet - mit einem lässigen Rucksack auf dem Rücken und zufrieden lächelnd. Understatement, welches bei Jain nicht affektiert wirkt. Es entspringt seinem Glauben - dem indischen Jainismus. Eines der drei Grundprinzipien ist „Aparigraha" - die Unabhängigkeit von unnötigem Besitz. Sittlicher Lebenswandel und Askese sollen zu einem positiven Karma und Aufstieg in den „höchsten Himmel" führen. Zumindest in den Vorstand der Deutschen Bank - ab 2012 ist er Co-CEO - hat es der mit angenehm leiser Stimme sprechende Inder schon geschafft. Glückwunsch! Wenn schon jemand ohne Deutschkenntnisse die Deutsche Bank führen soll - dann er.

Natürlich ist der Banker kein Heiliger und die Ironie, dass ein „Asket" in den  Olymp des Kapitalismus aufgestiegen ist, offensichtlich. Doch ein wenig mehr Gelassenheit und ein Jainscher Blick für die wirklich wichtigen Dinge sind eine gute Idee - gerade jetzt.

Artikel kommentieren:

Um einen Kommentar zu schreiben, müssen Sie eingeloggt sein.
Sie besitzen noch kein Login? Dann registrieren Sie sich kostenfrei.

  • Es sind noch keine Kommentare vorhanden.

Videos zum Thema:

Der Aktionär TV