- Leon Müller - Chefredakteur

Abrechnung in Schwarz

Jährlich stellt die Schutzgemeinschaft der Kapitalanlager alle Börsen-Versager an den Pranger, überzieht sie mit verbaler Schelte. Das Schwarzbuch Börse - ein Lesevergnügen.

Dass es an der Börse nicht immer rund läuft, darauf weist die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger - oder kurz SdK - gerne hin. Und sie tut es regelmäßig. Der Verein veröffentlicht einmal im Jahr zwischen zwei Heftdeckel gepresst ein Werk namens Schwarzbuch Börse. Wer darin vorkommt, hat etwas falsch gemacht. Statt Lob gibt es Tadel. Und einmal an den Pranger gestellt, wird man mit verbaler Schelte nur so überzogen, dass es schmerzt. Nicht auszudenken, gäbe es die Prügelstrafe noch - sie würde wohl zum Einsatz kommen. Doch wenngleich das Schwarzbuch Börse auch humoristische Züge hat - wortgewaltige Passagen wie "kapitalvernichtendes Höllenfeuer" oder besser noch "Füllhorn des Zwielichtigen" bringen einen unweigerlich zum Lachen -, lustig ist all das nicht wirklich. Stattdessen ist das Schwarzbuch Börse vor allem eines: notwendig. 

Denn die SdKler sprechen aus, was ihnen, insbesondere aber den Kapitalanlegern, die sie ja schützen sollen, bitter aufstößt. Dadurch, dass sie auf Missstände der Vergangenheit hinweisen, regen sie die Wachsamkeit der Anleger an. Womöglich wird das Kommende dann von dem einen oder anderen mit anderen Augen gesehen, so manch eine Anlagekatastrophe verhindert. 

Was oder aber auch wer ist im Jahr 2009 schiefgegangen? Geht es nach der SdK, dann wohl einer: Wendelin Wiedeking. Der Hobbylandwirt ist nach Meinung der Aktionärsschützer der "Großmeister des Misslingens". Der einst gefeierte Porsche-Chef - die Unternehmung Volkswagen/Porsche findet längst ohne ihn statt - soll so ziemlich alles verbockt haben, was es zu verbocken gab, als es um die Übernahme von Volkswagen durch Porsche ging. Von "Sargnägeln" und "panikartigen Versuchen Geldgeber zu gewinnen" ist da die Rede. Wiedeking wirds egal sein. Sein Abschied wurde ihm mit 50 Millionen Euro versüßt. Und die SdK fragt: „Warum eigentlich?"

Wiedeking ist allerdings nicht der einzige prominente Gescheiterte, dem die SdKler mehr als nur ein paar Zeilen widmen. Auch Maria-Elisabeth Schaeffler wird bedacht, als tragische Person hingestellt. Und unter den weniger bekannten Fällen? Andy Rösch ist so einer. Der Vater der "Spritze ohne Nadel", die zwar schmerzfrei war, in der Wirtschaft aber dennoch nicht stach, musste mit Paketeria nun schon das zweite Unternehmen zu Grabe tragen. 2003 war schon einmal gescheitert, damals mit der Rösch AG. 

Aber wer war eigentlich der Größte, sozusagen der "Meister des Universums" der Fehlgeleiteten? Keine Überraschung: Der größte Versager war ausgerechnet der Staat. Seine Vorgehensweise bei der Rettung der Hypo Real Estate hat ihn in den Augen der Aktionärsschützer zu einem der größten Sünder gemacht. Denn er hat die HRE gegen den Willen vieler Aktionäre verstaatlicht und sie gegen eine Abfindung rausgeworfen. Und so etwas macht man nicht. Punkt aus. 

So groß die Schelte allerdings auch ausfällt. Eine herausragende, weil positive Aussage enthält das Schwarzbuch Börse 2009 der SdK dennoch: Anders als in früheren Jahren taucht kein einziger DAX-Konzern darin auf.

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