- Martin Weiß - stellv. Chefredakteur

Hör auf zu jammern, Jack!

Drahtig, zielgerichtet und von brennendem Ehrgeiz – das Bild, das die Welt von Jack Ma hat, ist überwiegend positiv. Und könnte jetzt erste Risse bekommen. Ma hat aus der kleinen Internetbude Alibaba binnen 15 Jahren das mächtigste E-Commerce-Konglomerat Asiens geformt und diese Leistung im Herbst 2014 mit dem größten Börsengang aller Zeiten an der Wall Street gekrönt. Das IPO hat ihn auf Platz 33 unter den Superreichen katapultiert. Trotzdem würde Ma am liebsten die Uhr zurückdrehen - und auf den Börsengang verzichten. „In einem anderen Leben würde ich kein IPO ins Auge fassen“, sagte der Starmanager dem Wall Street Journal. Doch sind es nicht die mit der Vorbereitung des Börsengangs verbundenen Strapazen, die Ma abschrecken. Vielmehr gehen ihm aufdringliche Aktionäre, neugierige Behörden und die amerikanische Managementkultur als solche auf die Nerven. „Es ist anstrengend“, so Ma, und man möchte ihm zurufen: „Was hast du denn gedacht?“ Natürlich wäre es vielen Managern und Gründern am liebsten, die Investoren würden brav ihr Geld abliefern, „Danke!“ sagen und sich ansonsten mit vorlauten Kommentaren, kritischen Aussagen und Nachfragen zurückhalten. Aber so funktioniert das Spiel höchstens in der Politik. An der Börse gelten andere Regeln, haben Aktionäre als Anteilseigner umfangreiche Rechte, die sie auch gegen den Willen von Management und Gründern durchsetzen können. Und das ist gut so! Dass Jack Ma diese Regeln offenbar nicht kennt (oder sie kennt, aber nicht akzeptieren will), wirft ein ziemlich schwaches Bild auf ihn und gleichzeitig die Frage auf, ob Alibaba tatsächlich reif für den internationalen Markt ist. Das Ziel des Unternehmens ist es, die Hälfte der Erlöse im Ausland zu generieren. Zuletzt betrug der Wert allerdings kaum zehn Prozent.
Vielleicht ist es für Ma an der Zeit, sich endgültig aus dem Konzern zurückzuziehen und jüngeren Managern das Ruder zu überlassen. Solchen, die talentiert, ehrgeizig und zielgerichtet sind und die darüber hinaus mit Begriffen wie Transparenz etwas anzufangen wissen. Ansonsten droht Alibaba am Ende zu einer weiteren Enttäuschung „made in China“ zu werden. Und davon gibt es - gerade auf deutschen Kurszetteln - eigentlich genug.

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