Tesla
- Florian Söllner - Leitender Redakteur

German Angst vor Tesla, Drohnen und Solar

Am Sonntag habe ich eine Parrot-Drohne über Baumwipfel schweben lassen. Faszinierend und entspannend. Bis mich ein Spaziergänger, grinsend wie WM-Star Suarez, fragte: „Filmt mich die Drohne!?“ und sie am liebsten direkt vom Himmel gebissen hätte. Typisch deutsch. Statt an Chancen wie Paket-Lieferung oder Naturaufnahmen per Drohne zu denken, ist bei Neuem der erste Reflex eine Abwehrhaltung.
Ein Verteidiger ist auch der ehemalige Motorenentwickler für Opel und Audi, Fritz Indra. Er punktet in diesen Tagen nicht mit Kreativität, sondern grätscht dem Fortschritt lieber in die Beine. „Tesla scheitert“, wird er vom Handelsblatt zitiert.
Zugegeben: Wer jahrzehntelang an der Entwicklung von Verbrennermotoren und Abgassystemen gearbeitet hat, dem fällt es sehr schwer, „out of the box“ zu denken und sich einzugestehen: Das alles ist Vergangenheit. Die Wahrheit ist: Elektromotoren sind doppelt so effizient wie alte Verbrenner. Ein Tesla ist viel weniger komplex und zugleich spritziger und sauberer. Die Kosten für Batterien werden dramatisch fallen und E-Autos dadurch sehr preiswert. Gerade hat uns ein Topmana­ger eines der größten Autozulieferer bestätigt: „Das Elektroauto kommt mit Sicherheit, und zwar in großem Stil“.
Bezeichnend auch dieses Argument von Indra: „Das erste, was in China bei schmutziger Luft passieren müsste, wäre ein Fahrverbot für Elektroautos.“ Schließlich würde auch die Produktion von Strom das Klima belasten. Früher vielleicht. In Zukunft sicher nicht. Die Solarkraft ist in China bereits ein großer Teil der Lösung (siehe Titelstory 25/2015). Es passt zur German Angst vor Neuem: Hierzulande wird selbst die Solartechnologie mittlerweile kritisch beäugt. Es ist zum Haare raufen: Europa lässt die von Chinesen so günstig wie nie produzierten Module nicht mehr ins Land, sondern verhängt einen Mindestpreis! Zulasten des Strompreises, der Natur und des freien Marktes.
Ich habe dem Spaziergänger die Drohne dann gezeigt – er war begeistert. Unbekanntes ist unheimlich. Doch bei näherer Betrachtung sind Roboter, Solar oder Elektroautos gute Entwicklungen. Treffe ich den Grantler wieder, gehe ich aufs Ganze. Ich nehme ihm seine Angst vor einer der besten Erfindungen überhaupt, mit der er von all diesen Trends profitiert: der Aktie.

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