- Bernd Förtsch - Herausgeber

Gyros-Republik Deutschland?

Wer sich mit der Börse beschäftigt, kommt zurzeit nicht am Thema Griechenland vorbei. Doch die Krise am Peloponnes muss noch nicht die letzte für Europa und seine Aktienmärkte gewesen sein. Mittlerweile mehren sich die Spekulationen darüber, welches das nächste Land sein wird, das die EU und damit den Euro mit einer riesigen Verschuldung in die Bredouille bringt. Portugal? Oder vielleicht Spanien?

Wo auch immer sich der nächste Brand­­herd auftun mag - jetzt stellt sich erst einmal eine andere Frage: Wie konn­te es in Griechenland überhaupt so weit kommen? Eine Antwort darauf und die Ursache für das hohe Minus des Landes - für 2010 rechnet man in Athen mit rund 295 Milliarden Euro Schulden, das sind 121 Prozent des BIP - finden sich dabei in Fehlern aus den Acht­zi­ger­jahren. Damals verstaatlichten die Griechen alles. Sie holten Unternehmen aus kaputten Industrien unter das Dach des Staates. Zudem bauten sie einen beispiellosen Beamtenapparat auf: Der damalige Staatschef Andreas Papandreou, Vater des heutigen Premiers, mach­­te gleich Zigtausende seiner Par­teifreun­de zu Staatsdienern. Zeitweise soll jeder sechs­te griechische Berufstätige beim Staat beschäftigt gewesen sein.

An den Folgen dieser linkssozialisti­schen Vetternwirtschaft haben die Griechen jetzt zu knabbern. Es ist ja klar: Wenn fünf Bürger arbeiten, um damit für einen sechsten mitzuwirtschaften, der wiederum nichts anderes tut als die anderen zu verwalten, leiden Produktivität und Wachstum. Das kann auf Dauer nicht gutgehen. Zwar ist man jetzt, mehr als zwei Jahr­­zehnte später, auch in Griechenland zu dieser Erkenntnis gelangt - für je 50 in Rente gehende Be­am­­­­te sollen nun nur noch 15 neue eingestellt werden. Doch möglicherweise kommt die Er­leuch­tung zu spät; "Gyros-Republik" ist mittlerweile zum Synonym für "Bananenrepublik" geworden.

In Deutschland sieht es im Übrigen nicht viel besser aus. Hier ist etwa jeder Achte beim Staat (inklusive dem öffentlichen Dienst) beschäftigt. Zwar muss man deshalb für unseren Staatshaushalt und unsere Wirtschaft nicht gleich griechische Verhältnisse befürchten. Doch sollte man in diesem Zusammenhang einmal die Frage nach der Notwendigkeit stellen, ausgerechnet jetzt für die Regierung neue, größtenteils hochbezahlte Beamten einzustellen. Denn das sieht der Haushaltsentwurf 2010 vor. Da sagen wir Steuerzahler doch "efcharisto" - "danke" auf Griechisch.

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