Markus Horntrich
Nachdem es bis zum Freitag der Vorwoche noch eng für den DAX aussah, konnten die Bullen am Freitag ein Achtungszeichen setzen. Mit einem 200-Punkte-Spurt im Nachgang zu den EU-Beschlüssen wurde die Grundlage für einen freundlichen Wochenauftakt gelegt.
Eigentlich sind die Voraussetzungen für einen freundlichen Wochenaurftakt gut: In die Schuldenkrise in der EU ist nach dem Gipfel und den Beschlüssen vom Freitag Bewegung gekommen, was der DAX mit einem Spurt von über 200 Punkten honorierte. Damit hat der Index intraday ein bullishes Signal geliefert und auch die wichtige Marke bei 5.750 Punkten verteidigt.
Allerdings kommt von Seiten der Ratingagentur Moody's schon wieder Störfeuer. Moody's zeigt sich unzufrieden mit den EU-Gipfelbeschlüssen. Nur wenige der angekündigten Krisenmaßnahmen seien neu, viele ähnelten früheren Erklärungen, teilte die Agentur heute Morgen mit. Entscheidungen zur kurzfristigen Stabilisierung der Kreditmärkte fehlten. Die Eurozone und die gesamte Europäische Union (EU) seien nach wie vor anfällig gegen externe Schocks und stünden damit unter Druck. Moody's bekräftigte die Ankündigung von November, die Ratings aller EU-Staaten im ersten Quartal 2012 genau zu prüfen. Im Grunde kommt auch hier nichts Neues aus Übersee, es reicht jedoch, um die Stimmung der Marktteilnehmer zum Wochenauftakt zu drücken.

Angesichts der hohen Nervosität und der ständigen Störfeuer ist es fast unmöglich, eine vernünftige Prognose über den weiteren DAX-Verlauf abzuliefern. Der Wochenschluss mit der bullishen Kerze spricht grundsätzlich für steigende Notierungen, wobei ein Überwinden des Abwärtstrends auf Stundenbasis bei 6.030 ein erstes positives Signal darstellen würde. Eine nachhaltige Erholung ist jedoch erst mit Notierungen über dem letzten Zwischenhoch bei 6.170 Punkten zu erwarten. Dann besteht Anschlusspotenzial bis zunächst 6.430 Punkte.
Aufgrund der hohen Volatilität und Nervosität am Markt sind jedoch Rückschläge als Reaktion auf Kommentare wie dem von Moody's jederzeit möglich. Daher müssen die Unterstützungen fest im Blick bleiben. Diese liegen bei 5.750, 5.670 und 5.500 Punkten. Sollte der DAX unter 5.750 Punkte abtauchen, wäre das bullishe Bild dahin.
Fazit: Aufgrund des freundlichen Wochenschlusses favorisiert DER AKTIONÄR aktuell einen antizyklische Long-Position im DAX, was allerdings als sehr spekulativ einzustufen ist. Ein entsprechender Stopp sollte bei 5.850 Punkten platziert werden.
Die wichtigen charttechnischen Marken im DAX im Überblick:
Widerstände: 6.080-6.100 Punkte (Widerstandszone), 6.170 Punkte (Zwischenhoch), 6.175-6.200 Punkte (Widerstandszone), 6.340-6.430 Punkte (Widerstandszone), 6.347 Punkte (Abwärtstrend seit dem Jahreshoch), 6.547 Punkte (61,8%-Fibo-RT), 6.536 Punkte (200-Tage-Linie), 6.594 Punkte (61,8%-Fibo-RT), 7.000 Punkte (Ausgangspunkt für den Abverkauf)
Unterstützungen: 5.770, 5.670 Punkte (Fibo-RTs über die gesamte Aufwärtsstrecke seit 5.366 Punkten), 5.750 Punkte (horizontale Unterstützung), 5.500 Punkte (Aufwärtstrendlinie), 5.366, 5.125 Punkte (Zwischentiefs), 4.965 Punkte (Jahrestief), 4.524 Punkte (Zwischentief), 3.688 Punkte (Ausgangspunkt der Haussebewegung der Jahre 2009 bis 2011)
Eine Video-Chartanalyse zum DAX, in der auch ein interessantes Hebelprodukt vorgestellt wird, finden Anleger im "DAX Check", welcher täglich um 11.05 Uhr im Deutschen Anleger Fernsehen (DAF) zu sehen ist. Die Sendung ist auch in der Video-Rubrik unten auf der Homepage des AKTIONÄRS sowie im Videoportal des DAF abrufbar.