Bastian Galuschka
Die Börsen befinden sich im Ausnahmezustand. Der annähernd 1.000-Punkte umfassende Kursverlust im Dow Jones ist historisch einmalig. Dass in solchen Extremsituationen die Charttechnik in den Hintergrund rückt, ist klar. Dennoch der Versuch einer Lagebesprechung.
Nachfolgend ein Auszug aus der letzten DAX-Analyse: Das Konsolidierungsszenario im DAX ist somit voll intakt, der Index nähert sich jedoch mit großen Schritten dem anvisierten Ziel bei 5.900 Punkten. Dieses kann mittlerweile präzisiert werden. Bei 5.888 Punkten liegt eine aussagekräftige horizontale Unterstützung, bei 5.887 Punkten das 50%-Fibonacci-Retracement der vorangegangenen Aufwärtsbewegung seit Februar und bei 5.860 Punkten derzeit der Aufwärtstrend seit Juli. Somit hat der DAX zwischen 5.860 und 5.890 Punkten eine sehr gute Chance, einen Boden auszubilden.
Sehr geehrte Leser, unter normalen Umständen hätten Sie an dieser Stelle wie gewohnt eine ausführliche charttechnische Analyse zum DAX gefunden. Allerdings sind die Umstände alles andere als normal. Wenn Sie gestern Abend fassungslos vor dem Kursticker saßen, dann kann ich nur sagen "Willkommen im Club!" Was Sie und ich da erlebt haben, ist historisch einmalig: Ein zwischenzeitlicher Kursverlust im Dow Jones von annähernd 1.000 Punkten.
Klar kann man jetzt sagen, das Desaster wurde durch einen menschlichen Fehler ausgelöst, der eine verheerende Kettenreaktion zur Folge hatte, was heute aber bereits wieder abgehakt ist. Mir persönlich wäre das viel zu einfach. Ich bin ehrlich gesagt ziemlich geschockt. Das gestrige Kursgeschehen war unter Umständen nur ein Vorgeschmack, was passieren könnte, sollte wirklich einmal Panik an den Märkten ausbrechen. Und dass dieses in Anbetracht der derzeitigen Geschehnisse in der Eurozone nicht allzu weit entfernt liegt, dürfte klar sein. Das Jahr 2008 lässt grüßen...
Wie dem auch sei, die nächsten Tage werden zeigen, ob dies der Beginn einer eventuell längeren Abwärtsbewegung sein wird, wie es nach ähnlichen Vorfällen in den Jahren 2000 und 2008 durchaus in der Vergangenheit bereits der Fall gewesen ist. Ich kann Ihnen jedenfalls nur raten: Seien Sie vorsichtig! Und denken Sie an Ihr Money-Management! Anleger, die beispielsweise ohne Stopp in Turbo-Long-Zertifikaten gestern investiert waren, werden sich heute verwundert die Augen reiben. Denn hier wurden sämtliche Knock-out-Barrieren bis in den mittleren 5.500er-Bereich nachbörslich abgegrast. Dass der DAX heute schon wieder bei 5.800 Punkten taxiert wird, hilft dabei wenig.
Trotz der Umstände ein Versuch einer charttechnischen Lagebesprechung beim DAX: Der Index hat heute vorbörslich das zweite Konsolidierungsziel bei rund 5.750 Punkten abgearbeitet und dürfte bei rund 5.800 Punkten eröffnen. Das damit aufgerissene Eröffnungsgap könnte im heutigen Handel durchaus noch geschlossen werden. Allerdings ist der gestern angesprochene Unterstützungsbereich zwischen 5.860 und 5.890 Punkten natürlich jetzt zu einem nicht zu unterschätzenden Widerstandsbereich geworden. Ein Anstieg darüber dürfte schwer werden.

Auf der Unterseite bieten die Marken bei 5.750, 5.600 (Kurslücke), 5.550 (Aufwärtstrend) und 5.433 Punkten (Jahrestief) Unterstützung. Sollte der DAX in den nächsten Tagen die eingezeichnete Trendlinie nachhaltig nach unten verlassen, müssten wir uns auf schwierige Monate einstellen.
Fazit: Die Lage ist derzeit absolut unklar. Seien Sie mit Engagements daher unbedingt vorsichtig! Gewinnmitnahmen auf der Short-Seite können sicherlich nicht schaden, da es heute zu einer technischen Erholung kommen könnte. Long-Engagements wären mir dagegen persönlich zu heiß. Sich heute zurückzulehnen und den Markt in Ruhe zu beobachten dürfte daher keine falsche Entscheidung sein.
Die wichtigen charttechnischen Marken im DAX im Überblick:
Widerstände: 5.888 Punkte (horizontaler Widerstand), 5.887 Punkte (50%-Fibonacci-Retracement), 5.860 Punkte (ehemaliger Aufwärstrend seit Juli), 6.024 Punkte, 6.080-6.100 Punkte, 6.140-6.160 Punkte, 6.175 Punkte, 6.200-6.220 Punkte, 6.341 Punkte (Jahreshoch), 6.388 Punkte (61,8%-Fibonacci-Retracement der Abwärtsbewegung der Jahre 2007 bis 2009), 6.400-6.650 Punkte (mehrere horizontale Widerstände), 7.200 Punkte (horizontaler Widerstand)
Unterstützungen: 5.750 Punkte, 5.600 Punkte (horizontale Unterstützungen), 5.550 Punkte (Aufwärtstrend), 5.433 Punkte (Jahrestief)
Eine Video-Chartanalyse zum DAX, in der auch ein interessantes Hebelprodukt vorgestellt wird, finden Anleger im "DAX Check", welcher täglich um 11.20 Uhr im Deutschen Anleger Fernsehen (DAF) zu sehen ist. Die Sendung ist auch in der Video-Rubrik auf der Homepage des AKTIONÄRS sowie im Videoportal des DAF abrufbar.