Bastian Galuschka
Die Verschnaufpause der Bullen gestern im DAX glich einem Ganztagespicknick. Der Index bekam einfach keinen Fuß auf den Boden. Dadurch schlagen jetzt auch die Candlesticks Alarm.
Das hatten sich die Bullen gestern anders vorgestellt. Der DAX gab durchweg nach, unterschritt die angesprochenen Fibonacci-Unterstützungen und schaffte es zum Handelsende sogar, die Kurslücke vom Donnerstag wieder zuzumachen. Unterm Strich blieb ein kräftiges Minus von 3,23 Prozent oder knapp 205 Punkten auf 6.141 Indexpunkte stehen.
Das Schließen der Kurslücke alleine wäre nicht schlimm. Die Struktur des Abverkaufs lässt aber Böses erahnen. So hat sich mit dem gestrigen Tag eine sogenannte Evening Doji Star Candlestick-Formation gebildet, welche eines der stärksten Verkaufssignale in der Candlestick-Chartlehre darstellt. Da der DAX heute in der Vorbörse erneut deutlich nachgibt und mit einem Gapdown eröffnet, hat das Kursgeschehen der letzten Tage auch Züge eines Island Gaps. Zu deutsch gesagt: Was am Donnerstag noch auf Teufel komm raus gekauft wurde, wird jetzt wieder auf Teufel komm raus auf den Markt geschmissen. Kostolany würde wohl von den zittrigen Händen sprechen.
Der sekundäre Aufwärtstrend wurde im gestrigen nachbörslichen Handel bereits unterschritten. Heute dürfte er auch im XETRA-Handel gebrochen werden. Dies signalisiert galant ausgedrückt zumindest eine nachlassende Trenddynamik nach oben. Die nächsten Unterstützungen liegen bei 6.100, 5.950 Punkten und 5.750 Punkten. Solange der DAX nicht wieder über 6.300 Punkte ansteigt, ist das kurzfristige Chartbild auf bearish gewechselt.
Dies passt aktuell auch wieder gut ins Stimmungsbild. Zum einen wurden gestern an den Zertifikatebörsen seit langer Zeit mal wieder vorrangig Longs gekauft, - die komplette Aufwärtsbewegung davor wurde geshortet bis der Arzt kommt - zum anderen scheint es bei den Marktkommentatoren mittlerweile nur noch darum zu gehen, wie hoch die Jahresendrallye laufen wird. Interessant wie sich die Stimmung nach einer 1.300-Punkte-Rallye im DAX ändert, oder?
Fazit: Die gestrige Analyse war schlichtweg zu bullish formuliert. Erwartet wurde eine Konsolidierung auf hohem Niveau. Es kam anders. Die Dynamik des Abverkaufs verheißt nichts Gutes. Die Unterstützung bei 5.950 Punkten könnte heute durchaus angesteuert werden. Grundsätzlich empfiehlt es sich, Stopps wie beim vorgestellten DAX-Positionstrade engmaschig nachzuziehen, um sich die Gewinne aus den Vorwochen nicht mehr nehmen zu lassen. Der Markt wird die Antwort geben, wohin er mittelfristig will. Behalten Sie hierfür die primäre Aufwärtstrendlinie im Auge!
Der Stopp für die zwei laufenden Long-Positionstrades verbleibt bei 6.050 Punkten. Im ersten Trade ist damit seit dem Einstieg bei 5.346 Punkten ein Gewinn von 704 Punkten oder 7,3R gesichert. In der zweiten Long-Tranche beläuft sich das Verlustrisiko nur mehr auf 0,3R.