Bastian Galuschka
Gestern gab es im DAX gleich zweierlei. Ein neues Jahreshoch und einen 200-Punkte-Kursrutsch. Ist es jetzt vorbei mit der Herrlichkeit? DER AKTIONÄR mit den wichtigen charttechnischen Marken.
Was war das für ein fieser Handelstag gestern! Kurz nach Handelseröffnung kletterte der DAX noch auf ein neues Jahreshoch bei 6.907 Punkten. Soviel zum Positiven. Der Ausbruch stellte sich jedoch als Fehlsignal heraus und es kam zu einem Kursrutsch, der es in sich hatte. Ohne größere Erholungssequenzen fiel der DAX wie ein Stein bis auf 6.700 Punkte. Zum Handelsende schloss er sogar knapp unter 6.700 Punkte bei 6.698 Punkten. Dies entspricht einem Minus von 2,20 Prozent oder 151 Punkten.
Keine Frage, mit der gestrigen Kursbewegung wurde im kurzfristigen Chartbild einiges zerstört. Knackpunkt war das Unterschreiten der 6.775-Punkte-Marke, wodurch die Aneinanderreihung ansteigender Tiefpunkte durchbrochen wurde. Der DAX hat in der Folge auch sofort auf die nächste Unterstützung bei 6.700 Punkten aufgesetzt.
Im heutigen Handel wird zunächst ein Rücklauf erwartet als Reaktion auf den Abverkauf gestern. Dieser erreicht im Idealfall noch einmal die 6.775-Punkte-Marke. Hier ist die ehemalige Unterstützung jetzt zum Widerstand geworden. Da bei 6.773 Punkten auch das 38,2%-Fibo-Retracement über die jüngste Abwärtsbewegung liegt, wäre das ein gutes Ziel für die Erholung. Im optimistischen Fall gelingt dem DAX auch ein nochmaliger temporärer Ausflug über 6.800 Punkte.

Dass es das insgesamt nach unten bereits war, ist seit dem gestrigen Tag jedoch unwahrscheinlich. Nach der Kurserholung wird daher ein zweiter Abwärtsschub erwartet, der im Idealfall die Unterstützungszone zwischen 6.600 und 6.620 Punkten ansteuert. Diese Abwärtsbewegung dürfte heute oder morgen starten. Sollte dieser Fahrplan eintreten, sollten sich die Bullen schon einmal die 6.600-Punkte-Marke notieren. Meiner Ansicht wäre es aus Chance-Risiko-Aspekten hier geradezu ein Muss, long zu gehen. Selbstverständlich unter Beachtung des Money-Managements, ein "All-in" ist natürlich auch in diesem Fall ein absolutes Tabu.

Doch warum kann man es hier probieren? Mit einem Stopp, der im Extremfall nicht weiter entfernt als unter 6.300 Punkten liegt, würden Sie auf der Unterseite 300 Punkte riskieren, das mittelfristige Kursziel liegt jedoch bei 7.200 Punkten. Einem möglichen Zugewinn von 600 Punkten stünde damit ein Risiko von 300 Punkten gegenüber, somit ergibt sich ein Chance-Risiko-Verhältnis von 2. Wenn Sie den Stopp sogar aggressiver unter den Aufwärtstrend legen, würde sich dieses Verhältnis noch einmal zu Ihren Gunsten verändern.
Noch ein Wort zum gestrigen Trade. Dieser wurde mit einem Verlust von rund 30 Punkten ausgestoppt. Wer dem Hinweis im DAX-Check gefolgt ist, und nach dem Unterschreiten der Unterstützung direkt auf short drehte, konnte zudem einen Gewinn von 70 Punkten realisieren. Macht unterm Strich ein Plus von 40 Punkten, obwohl die ursprüngliche Einschätzung falsch war. Warum schreibe ich das erneut? Um zu zeigen, dass es bei der Charttechnik nicht vorrangig darum geht, irgendetwas prognostizieren zu wollen. Sie werden auch mithilfe der Charttechnik oft genug danebenliegen. Es geht vielmehr darum, Chartmarken herauszuarbeiten, um Stopps unter Unterstützungen gut zu platzieren oder Ziele für Ausstiege zu bestimmen. Natürlich muss man sich immer für eine Richtung entscheiden. Liegt man aber falsch, ist Flexibilität gefragt. So hätte es gestern nichts gebracht, Long-Engagements stur durchzuhalten. Die Folge wäre vielmehr ein Minus von 100 Punkten gewesen.
Fazit: Mittelfristige Anleger lassen die Longpositionen weiter laufen und peilen die Zielzone zwischen 7.190 und 7.230 Punkten an. WICHTIG: Der Stopp für die Engagements kann jetzt angehoben werden auf 6.580 Punkte und somit unter den mittelfristigen Aufwärtstrend. Wer auf Nummer sicher gehen will, setzt den Stopp mental auf Schlusskursbasis. Intraday-Trader können sich den Kursbereich zwischen 6.775 und 6.800 Punkten als Einstiegschance für Short-Engagements notieren. Die Ziele auf der Unterseite liegen bei 6.700 und vor allen Dingen 6.600 Punkten. Hier wird es dann interessant, siehe oben.
Die wichtigen charttechnischen Marken im DAX im Überblick:
Widerstände: 6.775-6.800 Punkte (ehemalige zentrale kurzfristige Unterstützung), 6.700 Punkte (obere Trendkanalbegrenzung), 7.080 Punkte (rechnerisches Kursziel aus dem aufsteigenden Dreieck), 7.190-7.230 Punkte (horizontale Widerstandszone)
Unterstützungen: 6.700 Punkte (horizontale Unterstützung) 6.600-6.620 Punkte (mittelfristiger Aufwärtstrend, markantes Zwischentief), 6.340-6.400 Punkte (ehemaliges mittelfristiges Ausbruchslevel), 6.175 Punkte (200-Tage-Linie), 5.940 Punkte (maßgeblicher langfristiger Aufwärtstrend), 5.800 Punkte (horizontale Unterstützung)
Eine Video-Chartanalyse zum DAX, in der auch ein interessantes Hebelprodukt vorgestellt wird, finden Anleger im "DAX Check", welcher täglich um 11.05 Uhr im Deutschen Anleger Fernsehen (DAF) zu sehen ist. Die Sendung ist auch in der Video-Rubrik unten auf der Homepage des AKTIONÄRS sowie im Videoportal des DAF abrufbar.