Thomas Bergmann
Der kanadische Aktienmarkt steht bei Profianlegern hoch im Kurs. Trotz starken Wachstums sind die Unternehmen nach wie vor günstig bewertet. Ein Einstieg lohnt sich.
"Der Kauf von kanadischen Aktien ist ein Weg, sich in Nordamerika zu engagieren, ohne sich die Finger zu verbrennen", so Fondsmanager Michael Mullaney von Fiduciary Trust. Wie sein Kollege Peter Sorrentino von Huntington Asset Advisors ist Mullaney in Kanada seit Langem investiert. Sorrentino fügt hinzu: "Kanada bedeutet für mich derzeit einfach ein stabiles Umfeld. Hier gibt es das, was China und Indien brauchen, nämlich Rohstoffe und Energie. Dazu kommen die stabile Regierung und eine feste Währung."
Starkes Wirtschaftswachstum
Dank des Rohstoffreichtums wird die kanadische Wirtschaft in den nächsten Jahren relativ stark wachsen. 30 Prozent der Exporterlöse entfallen auf den Absatz von Rohstoffen, hauptsächlich in Länder wie China oder Indien. Experten rechnen deshalb 2010 mit einem Wachstum von 3,1 Prozent und 2011 mit immerhin noch 3,0 Prozent. Unter den G7-Nationen nimmt Kanada in dieser Kategorie einen Spitzenplatz ein.
Spitze ist das Land auch beim Thema Dividenden. Die Dividendenrendite der 60 größten und liquidesten Aktien an der Börse Toronto (S&P/TSX 60) beträgt derzeit im Schnitt 2,6 Prozent. Im weltweiten MSCI World Index sind es lediglich 2,3 Prozent.
Sprudelnde Gewinne
Beim Gewinnwachstum kann Kanada sogar mit Ländern wie China mithalten. Laut Bloomberg erwarten die Analysten von 2010 auf 2011 einen Anstieg der Unternehmensgewinne um 20,3 Prozent. Die Profite der chinesischen A-Unternehmen sollen im Vergleich dazu mit 21,6 Prozent nur marginal stärker wachsen. Trotzdem wird der S&P/TSX 60 nur mit einem 2011er-KGV von 12,7 bewertet, während der CSI 300, der 300 A-Aktien abbildet, ein KGV von 15,1 vorweist.
Letztendlich wissen Fondsmanager wie Mullaney oder Sorrentino zu schätzen, dass der kanadische Bankenmarkt die Finanzkrise erfolgreich gemeistert hat. Kein Institut musste vom Staat gerettet werden, entsprechend gut gefüllt ist die Staatskasse geblieben. Kanadas Banken sind deshalb auch vom World Economic Forum das zweite Jahr in Folge als stabilstes Bankensystem der Welt bezeichnet worden.

Mit Hebel agieren
Die Aussichten für Kanadas Börse sind nach wie vor ausgezeichnet. Der jüngste Rückschlag als Reaktion auf die Griechenland-Krise eröffnet für Neulinge eine optimale Einstiegsmöglichkeit. Charttechnisch betrachtet ist der S&P/TSX 60 bei 697 Zählern sehr gut nach unten abgesichert.
Für risikofreudige Anleger bietet sich daher ein Mini-Long auf den S&P/TSX 60 an. Der Schein von Barclays mit der WKN BC1 BLT hat seine Knock-out-Schwelle bei 568 Punkten und einen Hebel von 4,8. Zu beachten ist einzig, dass das Produkt nicht währungsgesichert ist und vom Euro/Kanada-Dollar-Kurs abhängt. Der Stopp sollte bei 6,80 Euro platziert werden.