Adidas
- Werner Sperber - Redakteur

WiWo: Bei Adidas werden jetzt selbst die Optimisten vorsichtig; Derivat kaufen

Die Wirtschaftswoche erinnert an den von sämtlichen Börsenturbulenzen unbeeindruckten Kursanstieg der Aktie von Adidas in den vergangenen zwölf Monaten. Das Kursplus beträgt rund 135 Prozent, während der DAX lediglich stabil blieb. Jüngst beschleunigte sich der Aufwärtstrend sogar und nun warnen Charttechniker: Die Notierung sei völlig überhitzt, solche Anstiege gebe es sonst vielleicht mal vor Übernahmen. Mit einem KGV von 33 für dieses Jahr ist Adidas mittlerweile die am höchsten bewertete DAX-Aktie.

Im Jahr 2014 sackte die Notierung von 90 auf 54 Euro ab, weil die Sparte Golf schwach war, die Krise in Russland belastete und sich die Währungskurse weltweit gegen Adidas entwickelten. Vorstandsvorsitzender Herbert Hainer tröstete mit einem Aktien-Rückkaufprogramm, reduzierte die Aktivitäten in Russland und der Sparte Golf und gab mehr Geld für Marketing aus. Ab dem ersten Quartal 2015 stiegen Umsatz und Gewinn wieder. Im zweiten Quartal dieses Jahres verdiente Adidas doppelt so viel, wie ein Jahr zuvor. Selbst das reicht üblicherweise nicht für eine solche Kursrallye wie oben beschrieben.

Die Kurstreiber sind institutionelle Investoren, wie etwa der belgische Milliardär Albert Frère, der im Juli 2015 einstieg und nun mit einem Anteil von fünf Prozent Großaktionär ist. Im Oktober vergangenen Jahres zog Nassef Sawiris nach. Laut des Magazins „Forbes“ ist er der reichste Mann Ägyptens und besitzt inzwischen sieben Prozent der Stimmrechte von Adidas. Beide trieben als Aktionäre des Baukonzerns Lafarge die Fusion mit dem Wettbewerber Holcim voran. Nun sind die beiden auch im Aufsichtsrat von Adidas vertreten. Vermutungen zufolge wollen sie Adidas effizienter machen und so mehr aus dem Konzern herausholen. Das scheint durchaus zu schaffen. Die operative Marge belief sich im vergangenen Jahr auf sechs Prozent, während es Nike auf 14 Prozent brachte.

Im Oktober löst Kasper Rorsted, bislang Vorstandsvorsitzender von Henkel, Hainer als Vorstandsvorsitzenden ab. Das gab Adidas im Januar bekannt und die Notierung legte um zehn Euro zu. Vier Tage zuvor hatte Frère kräftig nachgekauft. Die Hoffnungen ruhen also nun auf Rorsted, der den Vertrieb effizienter, das Marketing günstiger, die Produktivität höher machen könnte. Die Investoren glauben daran – und befeuern so den Kurs. Doch inzwischen werden selbst die sonst notorisch optimistischen Analysten vorsichtig. Nur noch jeder vierte empfiehlt die Aktie zum Kauf; das durchschnittliche Kursziel liegt bei 145 Euro etwa beim aktuellen Kurs. Weil offenbar auch keine Übernahme hinter der Rallye steckt, dürfte sie bald enden.

Die Wirtschaftswoche rät sehr risikobereiten Anlegern vor diesem Hintergrund zum Kauf des am 17. Februar 2017 fälligen Put-Optionsscheins (WKN PB67XM) der BNP Paribas Emissions- und Handelsgesellschaft mbH auf Adidas. Der Basispreis beträgt 140 Euro und der Hebel liegt derzeit bei 16,5. Fällt die Aktie Richtung 140 Euro, sollten Anleger das Papier losschlagen. Die Aktie hat schließlich schon Comeback-Qualitäten bewiesen.

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