Rocket Internet
- Werner Sperber - Redakteur

Rocket Internet: Der Abwärtstrend wird anhalten

Die Fachleute des Frankfurter Börsenbrief erklären, auf den ersten Blick ist das Geschäftsmodell von Rocket Internet bestechend: Funktionierende Geschäftsmodelle kopieren, weiter entwickeln und teuer an Käufer oder über die Börse veräußern. Das dürfte die Aktionäre auch dann noch faszinieren, wenn der Abwärtstrend des Aktienkurses noch jahrelang anhält – und das wird er. Es gilt, die Gründer von Rocket Internet zu berücksichtigen, also die Gebrüder Samwer, und das Unternehmen selbst. Rocket Internet kann den schönen Schein kaum länger aufrechterhalten. Die Praktiken der Samwer-Brüder sind zweifelhaft.

Die Investoren von Rocket Internet schießen auch nicht mehr so bereitwillig (und blauäugig) Geld in das Unternehmen nach. Das hat sich bei der dringend benötigten Finanzierung für die klamme Global Fashion Group gezeigt, in welcher Rocket Internet die Mode-Aktivitäten gebündelt hat. Die Politik der „verbrannten Erde“ führt eben über kurz oder lang dahin, dass niemand mehr bereit ist, den Samwers Geld anzuvertrauen – außer natürlich die Zocker unter den Kleinaktionären. Von den frischen 300 Millionen Euro für die Global Fashion Group musste Rocket Internet 100 Millionen Euro selbst zahlen. Daraus ergibt sich eine Bewertung der Global Fashion Group von nur noch einer Milliarde Euro nach drei Milliarden Euro zuvor. Für Rocket Internet sank der Wert demnach um 400 Millionen Euro. Allerdings ist es zweifelhaft, von einer Kapitalerhöhung auf den Wert des gesamten Unternehmens zu schließen. Die Brüder Samwer haben diese Berechnung gerne und offensiv genutzt, solange der Unternehmenswert so berechnet gestiegen ist. Jetzt allerdings, da es in die andere Richtung ging, haben sie das unter den Teppich gekehrt. Wichtigster Partner von Rocket Internet bei der Finanzierung der Tochterfirmen ist Kinnevik. Diese schwedische Beteiligungsholding bilanziert ihre Anteile an Home24, Westwing etc. interessanterweise jedoch wesentlich niedriger als Rocket Internet. Die Börsen-Zeitung schreibt, Kinnevik bewerte um drei Milliarden Euro niedriger.

Die jüngste Finanzierungsrunde für die Global Fashion Group hat den Kurs von Rocket Internet um 14 Prozent einbrechen lassen. Wenn andere Tochterfirmen auch Geld brauchen oder aus anderen Gründen eine realistischere Bewertung vorzunehmen ist, beschleunigt sich der Abwärtstrend des Aktienkurses. Vor einem Jahr, als die Global Fashion Group zuletzt Geld erhalten hat, hofften die Anleger auf eine baldige Entsorgung über die Börse. Nachdem die Global Fashion Group bei einem Umsatz von 930 Millionen Euro einen Verlust von 275 Millionen Euro ausgewiesen hat, rückt dieses Ziel in weite Ferne. Nachdem auch der Börsengang von Hello-Fresh im vergangenen Jahr abgesagt wurde, wird es bald eng. Anscheinend sind die Brüder Samwer in Asien noch unbekannt, denn immerhin gelang es ihnen, die E-Commerce-Plattform Lazada unlängst für gutes Geld an die chinesische Firma Alibaba abzustoßen. Aktuell ruhen die Hoffnungen auf „Delivery Hero“ – mit der bekannten Masche: Über eine Finanzierungsrunde wurde der Wert der Essens-Lieferdienst-Plattform auf 2,8 Milliarden Euro aufgepumpt. Mit dem Kauf der türkischen Yemeksepeti und der griechischen e-Food ist allerdings tatsächlich auch das Geschäftsvolumen gesteigert worden.

Anleger sollten unbeirrt auf einen weiter sinkenden Aktienkurs von Rocket Internet setzen. Dazu sollten sie ab einer Notierung von 0,72 Euro den endlos laufenden Put-Optionsschein (WKN DGB18H) der DZ Bank auf Rocket Internet kaufen. Der Schein ist mit einem Basispreis und einer Totalverlust-Schwelle bei derzeit je 28,83 Euro und einem Hebel bei momentan 1,6 ausgestattet.

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