- Thomas Bergmann - Redakteur

Geht Europa vor die Hunde?

Die europäischen Anleger zittern vor dem 23. April: Bei den
französischen Präsidentschaftswahlen wird sich entscheiden, ob der Rechtsruck in Europa anhält. Sollte Marine Le Pen scheitern, können Anleger auf dieses Produkt setzen.

Viele Experten sehen in der Präsidentschaftswahl in Frankreich die wichtigste Wahl des Jahres, bedeutender als die Parlamentswahlen in den Niederlanden und auch entscheidender als die Bundestagswahlen im Herbst hierzulande. Denn, so die einhellige Meinung, sollte die Rechtspopulistin Marine Le Pen vom Front National (FN) das fast Unmögliche schaffen und neue Präsidentin des Nachbarlandes werden, könnte an den Aktienmärkten die Stimmung kippen und es schärfere Rücksetzer geben.

Rückkehr zum Franc?

Die Angst der Anleger: Die 48-jährige FN-Chefin könnte im Falle eines Wahl­triumphs Frankreich aus der EU führen – sprich den Euro abschaffen und zu einer nationalen Währung zurückkehren. Ihr schärfster Rivale, der wirtschaftsliberale Emmanuel Macron, wirft ihr vor, mit ihren Vorschlägen für einen "Frexit" einen Wirtschaftskrieg anzuzetteln. Außerdem würde eine Abkehr vom Euro die Kaufkraft der Franzosen senken.

Die Präsidentschaftswahl wird jedoch aller Voraussicht nach nicht am 23. April entschieden. Sollte kein Kandidat die absolute Mehrheit erlangen – und danach sieht es aus –, findet zwischen den beiden Gewinnern des ersten Wahlgangs am 7. Mai 2017 eine Stichwahl statt. Hier gilt wiederum Macron (noch) als hoher Favorit. Und selbst wenn Le Pen gewinnen sollte, dürfte sie einen EU-Austritt – dem eine Verfassungsänderung oder ein Referendum vorausgehen muss – nicht durchbringen, da dem FN höchstwahrscheinlich die Mehrheit im Parlament fehlen wird.

Erleichterungsrallye zu 85 Prozent

Die Analysten von Morgan Stanley sehen die Wahrscheinlichkeit für einen Sieg Le Pens ohnehin nur bei 15 Prozent. In ihren Prognoserechnungen geht Ma­cron aus der Wahl als Gewinner hervor. Die Aktienmärkte in Europa dürften in diesem Fall eine "kleine Erleichterungsrallye" starten und im mittleren einstelligen Bereich zulegen. Besonders profitieren sollten die Gesellschaften, die im Vorfeld der Wahlen überdurchschnittlich gelitten haben – vor allem Finanztitel und Immobilienkonzerne.

Contra Le Pen – Pro Europe

Im France Pro Europe Index von Morgan Stanley sind nun acht Unternehmen zusammengefasst, die im Basisszenario der US-Bank (Le Pen verliert) überproportional zulegen sollten. Deren 12-Monats-Kursziel für BNP Paribas beispielsweise liegt bei rund 70 Euro und damit etwa zehn Euro über dem aktuellen Kurs. Die französische Großbank sollte zudem über ihre amerikanische Tochter BancWest von der Konjunkturerholung sowie von den geplanten Reformen im Steuer- und Bankensystem in den USA profitieren.

Das Upside-Potenzial der Immobilien-Aktien beziffern die Analysten auf 15 bis 20 Prozent. Nach deren Einschätzung hat der Büromarkt in Paris nicht den gleichen zyklischen Aufschwung nach der Finanzkrise gesehen wie in London und deshalb Nachholpotenzial. Die Konzerne werden darüber hinaus mit einem Discount auf den Sub­stanzwert gehandelt und auch die Dividendenrenditen (zwischen 4,0 und 5,7 Prozent) sind sehr attraktiv.

Allen acht Werten gemeinsam ist, dass sie einen Großteil der Umsätze in Frankreich erwirtschaften. Die Analysten berufen sich dabei auf eine Untersuchung, dass Unternehmen mit starkem Heimatbezug um solche Wahlen herum besonders im Fokus der Anleger stehen und dann überdurchschnittlich zulegen.

Einfach oder mit Hebel

Morgan Stanley bietet künftig auf den France Pro Europe Index mehrere Knock-out-Produkte an. Der Anleger kann hierbei auswählen, ob er die Entwicklung des Index im Verhältnis 1:1 oder gehebelt (zum Beispiel mit dem Mini-Long MF160D; aktueller Kurs 50,83 Euro) abbilden möchte. Es gibt auch die Möglichkeit, per Faktor-Zertifikat zu investieren. Die Wahrscheinlichkeit, dass Le Pen nicht gewinnt, ist sehr hoch, entsprechend gut sind die Chancen auf ein erfolgreiches Investment.

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