Vizrt wird eindeutig unterschätzt
Der Aktienkurs von Vizrt entwickelt sich viel besser als von vielen Anlegern oberflächlich wahrgenommen wird. Nach den Rekordzahlen für ein Auftaktquartal aus dem vergangenen Jahr hat der Konzern diese Rekorde im ersten Quartal 2012 überboten. Nach einer Konsolidierung dürfte es deshalb mit der Notierung wieder aufwärts gehen. Vorstandsvorsitzender Martin Burkhalter erkennt im Gespräch mit dem AKTIONR ebenfalls Potenzial für die Notierung.
Wenn der blöde Kurs doch bloß mal steigen würde! Das ist der Vorwurf, den sich die Aktie von Vizrt ständig anhören muss. Da sie nichts sagen (und auch nichts hören) kann, sprechen einfach die Tatsachen: Der Wert wird im DAX-Unterindex Software geführt. Dieser Performance-Index steht heute zehn Prozent höher als vor einem Jahr; der Aktienkurs von Vizrt notiert nur gut ein Prozent höher. Der Index stieg seit Jahresbeginn um fast 13 Prozent; der Aktienkurs um knapp 16 Prozent. Der Index verlor seit Beginn der allgemeinen Marktkorrektur Mitte März beinahe 12 Prozent; die Aktie nur fünf Prozent. Die Bilanz ist also gut. Das findet auch der Vorstandsvorsitzende, Martin Burkhalter, im Gespräch mit dem AKTIONÄR. Er möchte allerdings mehr.
Dividende, Aktienrückkauf oder Übernahmen
Konzernchef Burkhalter kann die Kursentwicklung der Aktie, trotz der tatsächlich sehr stabilen und guten Performance, nicht nachvollziehen: "Der Kurs entspricht nicht der Leistung des Konzerns in den vergangenen Jahren." In der Tat sind Umsatz und Gewinn des Unternehmens von 2005 bis 2011 deutlich gestiegen: Der Erlös um 223 Prozent auf 125,3 Millionen Dollar und der Ertrag um 172 Prozent auf 16,3 Millionen Dollar beziehungsweise 0,24 Dollar je Aktie. Zudem ist der bankschuldenfreie Konzern finanziell sehr gut ausgestattet. Trotz einer erstmaligen Dividendenzahlung stieg der Bestand an flüssigen Mitteln zum 31. März um 14,4 Prozent auf 68,6 Millionen Dollar. Künftig möchte Burkhalter ein bis zwei Drittel des Gewinns an die Aktionäre ausschütten. Eine Alternative wäre, eigene Aktien zurückzukaufen. Doch dann würden noch weniger Anteile frei gehandelt. Die dritte Möglichkeit, mit dem Barbestand etwas Sinnvolles zu tun sind weitere Übernahmen, die "durchaus möglich sind".
Bestens positioniert
Vizrt hat im ersten Quartal des laufenden Jahres 31,7 Millionen Dollar umgesetzt. Das sind 13,2 Prozent mehr als im Rekord-Auftaktquartal 2011. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) legte um 39,9 Prozent auf 5,56 Millionen Dollar zu. Aufgrund des erheblich gestiegenen Steueraufwands blieb der Nettogewinn stabil bei 2,14 Millionen Dollar respektive 0,03 Dollar pro Anteil. Der Auftragsbestand zum 31. März erhöhte sich um 25,1 Prozent auf 50 Millionen Dollar. Auch das ist ein Beweis für die gute Positionierung von Vizrt. Burkhalter zitierte aus einer aktuellen Studie, in der Medienunternehmen unter anderem ihre vier größten Herausforderungen nennen: Mit weitem Abstand ist das zunächst das Problem, die Inhalte auf die verschiedenen Plattformen Fernsehgerät, Computer, mobiler PC und Mobiltelefon zu bekommen (Multi-Plattform-Distribution). Danach folgen die Digitalisierung (Data-based workflow), die Umstellung auf den Standard High Definition (HD) und die kabellose Übertragung von Inhalten (IP-streaming). Burkhalter erklärt: "Wir haben uns vor drei, vier Jahren richtig positioniert. Wir können unseren jetzigen und künftigen Kunden sehr gut helfen, ihre Herausforderungen zu meistern."
Effizienter werden
Medienunternehmen werden immer effizienter werden müssen, um auf dem Markt bestehen zu können. Deswegen werden es sich diese Konzerne nicht mehr leisten können, Redakteure dafür abzustellen, Nachrichten fürs Fernsehen zu produzieren, während andere die Nachrichten für Online erstellen und wieder andere die für das Mobiltelefon. Burkhalter sagt: "Das muss zusammengeführt werden." Auch dafür bietet Vizrt Lösungen an. Vizrt selbst prüft die eigenen Strukturen mit Hilfe der Beratungsgesellschaft Ernst & Young. Ein israelisches Unternehmen mit Sitz im norwegischen Bergen und den Patentrechten in der Schweiz macht operativ und rechtlich enormen Aufwand. Der Konzernchef drängt: "Eine Vereinfachung für das operative Geschäft ist notwendig. Allerdings weiß ich nicht, was als Ergebnis dieser gerade erst begonnenen Struktur-Prüfung herauskommt." Burkhalter bleibt auch mit den Prognosen zurückhaltend und bestätigt die Ziele für das Gesamtjahr: Organisch soll der Umsatz um 13 Prozent steigen und die Gewinnspannen weiter erhöht werden.

Günstig bewertet
Die Analysten schätzen die Gewinne je Aktie für die Jahre 2012 bis 2014 auf 0,26 Euro, auf 0,32 Euro und auf 0,35 Euro. Das entspräche Kurs-Gewinn-Vielfachen von 12, von 10 und von 9. Charttechnisch gibt der Indikator MACD ein Verkaufssignal. Allerdings bewegt sich der Relative-Stärke-Indikator bereits weit unten. Bei 2,70 Euro könnte der Boden erreicht und der Zeitpunkt für den Einstieg gekommen sein. Das Kursziel beträgt 3,20 Euro und der Stoppkurs sollte bei 2,20 Euro gesetzt werden.
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