Werner Sperber
Vizrt ist wohl in fast jedem Wohnzimmer zuhause sowie in jedem stationären und mobilen, internetfähigen Endgerät. Vor einigen Jahren war das Softwareunternehmen auch bei den Anlegern noch in aller Munde. Mittlerweile wird die Aktie aber kaum mehr beachtet. Doch das sollte sich ändern.
Abseits ist, ... wenn es die von Vizrt auf den Fernseh-Bildschirm gezauberte Linie anzeigt. Dann darf der Fernsehzuschauer erklären: "Siehst Du, hab ich doch gesagt." Dass der Schiedsrichter richtig oder falsch gepfiffen hat, ist damit dank der Technologie von Vizrt (leider) zu beweisen. Das mittlerweile im norwegischen Bergen ansässige Unternehmen trägt auch "die Schuld" dafür, dass Sportmoderatoren und Gäste bei den Fernsehsendern CNN, Sky, ZDF oder vielen anderen in Echtzeit dreidimensional dargestellte Fußballspieler herumwirbeln können, ohne ausgebildete Designer hinzuziehen zu müssen, oder für die "futuristischen", lediglich virtuellen Fernsehstudios in denen sich Moderatoren vergnügen. Zudem bietet Vizrt Fernsehsendern Produkte zur Speicherung digitaler Inhalte an, also Media Asset Management (MAM).
Das Unternehmen entwickelt und verkauft heute auch dank verschiedener Zukäufe also Produkte für die 3D-Visualisierung von Informationen in Echtzeit, Software für graphische Lösungen vor allem in Film und Fernsehen, virtuelle Umgebungen und Informationsdisplays für Fernsehen, interaktives Fernsehen, Internet und WAP (Wireless Application Protocol- für den Internet-Zugang per Mobiltelefon) für mobile internetfähige Endgeräte sowie die Börsen in New York und London. Der Konzern ist in mehr als 80 Ländern auf sechs Kontinenten für mehr als 3.500 Fernsehkanäle und mehr als 600 Internet-Seiten tätig.
Bilanziell sehr solide
Finanziell ist Vizrt auch nach dem Verlustjahr 2009 enorm solide. Zum 30. September 2010 steigerte das bankschuldenfreie Unternehmen das Eigenkapital auf 109 Millionen Dollar beziehungsweise die Eigenkapitalquote auf 78,2 Prozent sowie die flüssigen Mittel auf 50 Millionen Dollar. In den ersten neun Monaten des Jahres 2010 erhöhte sich der Umsatz um 24,2 Prozent auf 73,8 Millionen Dollar. Das operative Ergebnis verbesserte sich im Jahresvergleich von minus 10,2 Millionen auf plus 5,25 Millionen Dollar und das Nettoergebnis von minus 9,77 Millionen auf plus 4,65 Millionen Dollar beziehungsweise plus 0,07 Dollar je Aktie.
Unterbewertet
Am Donnerstag, 17. Februar, beabsichtigen Vorstandsvorsitzender Martin Burkhalter und sein Finanzvorstand Ofra Brown die Zahlen für das Gesamtjahr 2010 zu präsentieren. Analysten schätzen den Umsatz auf 102 Millionen Dollar, das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) auf 10,5 Millionen Dollar und den Nettogewinn auf 8,99 Millionen Dollar beziehungsweise 0,17 Dollar pro Anteilschein. Für die Jahre 2011 und 2012 gehen die Analysten von Ergebnissen pro Aktie von 0,30 Dollar und 0,40 Dollar aus, was Kurs-Gewinn-Vielfachen von 13 respektive 10 entspräche. Mit Ausnahme des Verlustjahres 2009 bezahlten Anleger für die Aktie von Vizrt seit 2003 allerdings ein KGV von durchschnittlich 19,4.

40 Prozent für den Anfang
Fundamental hat Vizrt die Trendwende geschafft. Charttechnisch geht die Notierung in einer Dreiecksformation der Entscheidung entgegen, wobei der Kurs aufgrund der sehr starken Bilanz nach unten gut abgesichert sein sollte. Kurse von vier Euro sind sowohl charttechnisch als auch fundamental leicht zu rechtfertigen. Der Stoppkurs sollte bei 2,30 Euro gesetzt werden. Da die Anteilscheine aber nur sehr schwach gehandelt werden, sind die Order zu limitieren.