Werner Sperber
…Niemanden scheint es zu interessieren. Das Softwareunternehmen für den täglichen Fernseh-Genuss hat den höchsten Umsatz in einem Jahresauftakt-Quartal erzielt. Doch die Aktie wird kaum beachtet und nun hat sich auch noch das Chartbild verschlechtert. Gründe für steigende Kurse gibt es allerdings immer noch genügend.
Vizrt hat im ersten Quartal 2011 so viel erlöst wie noch nie in einem Auftaktquartal und den zweithöchsten Quartalsumsatz überhaupt ausgewiesen. Dabei ist der Jahresauftakt üblicherweise ein geschäftlich schwacher Zeitraum für die Branche. Regional gesehen erlöste Vizrt 6,5 Millionen Dollar in Amerika. Das sind 26 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Im asiatisch-pazifischen Raum stieg der Umsatz um 24 Prozent auf 6,6 Millionen Dollar und in Europa, dem Nahen Osten und Afrika (EMEA-Raum) um 13 Prozent auf 14,9 Millionen Dollar. Die Sparte "Fernsehgrafiken (Broadcast Graphics, BG)" erhöhte den Erlös um 13 Prozent und steht mit 20 Millionen Dollar für 71 Prozent des Konzernumsatzes. Die Sparte "Speicherung und Datenverwaltung (Media Asset Management, MAM)" legte um 13 Prozent zu und steuerte mit fünf Millionen Dollar 18 Prozent zum Konzernerlös bei. Die Sparte "Internet & mobile Endgeräte (Online & Mobile, ONL & MOB)" erhöhte den Umsatz auch aufgrund der Akquisition der Firma Adactus um 82 Prozent auf drei Millionen Dollar.
Gut, besser, Vizrt
Insgesamt setzte Vizrt im ersten Quartal 28 Millionen Dollar um. Das sind 18,1 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) erhöhte sich um 123,9 Prozent auf 3,98 Millionen Dollar. Das Nettoergebnis verbesserte sich von minus 448.000 auf plus 2,14 Millionen Dollar beziehungsweise plus 0,03 Dollar je Aktie. Aktuell beträgt der Auftragsbestand 40 Millionen Dollar. Bilanziell steht das bankschuldenfreie Unternehmen weiterhin sehr gut da: Die flüssigen Mittel erhöhten sich von Ende 2010 bis zum 31. März 2011 um 4,3 Prozent auf 59,5 Millionen Dollar, das Nettovermögen um 4,2 Prozent auf 59,9 Millionen Dollar und die Eigenkapitalquote von 76,8 auf 77,4 Prozent. Vorstandsvorsitzender Martin Burkhalter geht für das laufende Jahr von einem stabileren, berechenbareren Fernsehmarkt aus als er 2010 war. Die Umstellung der Sender auf den Standard High Definition (HD) und dreidimensionales Fernsehen (3D) sowie die für Anfang Juni geplante Übernahme von LiberoVision sollen für weiteres, stabiles Wachstum sorgen.

Es bleibt bei vier Euro
Fundamental ist bei Vizrt alles exzellent. Die Analysten gehen zudem von weiterem Gewinnwachstum aus: Im Jahr 2011 soll Vizrt 0,29 Dollar pro Anteilschein verdienen und im Jahr 2012 sollen es 0,39 Dollar sein. Das entspräche KGVs von günstigen 10 und sehr günstigen 7. Charttechnisch hat sich das Bild verschlechtert, nachdem die 38-Tageline die 200-Tage-Linie von oben her gekreuzt hat. Insgesamt bleibt es aber bei der positiven Einschätzung - wenn der Markt nur endlich Vizrt wiederentdecken würde. Das Kursziel beträgt vier Euro und der Stoppkurs sollte bei 2,30 Euro gesetzt werden.