Michael Rößler
Solar- und Windkraft steht bei Barack Obama ganz oben auf der Prioritätenliste seines Konjunkturprogramms. Der designierte US-Präsident hievt mit seinen massiven Ausbauplänen die Aktien alternativer Unternehmen nach oben.
Solar- und Windkraft steht bei Barack Obama ganz oben auf der Prioritätenliste seines Konjunkturprogramms. Der designierte US-Präsident hievt mit seinen massiven Ausbauplänen die Aktien alternativer Unternehmen nach oben.
Der designierte US-Präsident Barack Obama will es wissen: anders als sein Vorgänger George W. Bush plant er den massiven Ausbau der erneuerbaren Energien in den USA. In den kommenden zehn Jahren will er dafür 15 Milliarden Dollar in die Hand nehmen jährlich wohlgemerkt! Damit sollen nicht nur die Wirtschaft angekurbelt und fünf Millionen Arbeitsplätze geschaffen werden. Obama hat auch ernste Absichten, die Abhängigkeit vom knappen Rohstoff Erdöl zu verringern. Und dabei ist auch gleich das Klientel gefunden, welches die neue grüne Welle in den USA zu großen Teilen finanzieren soll: die Erdölindustrie, die in Zukunft wohl mit höheren Steuersätzen leben muss.
Kampfansage
Besonders mit Blick auf Deutschland scheinen seine Pläne mehr als plausibel. In den USA ist die durchschnittliche Sonnenausbeute deutlich höher als hierzulande; die freien Flächen für die Errichtung großer Windparks in den Prärien lassen enormen Spielraum. Kein Wunder, dass Obama Deutschland als Solar- und Windstaat Nummer 1. bald ablösen möchte. Allerdings muss er dann auch wirklich in die Tasche greifen, denn trotz mehr Wind und heißerer Sonne sind erneuerbare Energien noch nicht konkurrenzfähig und somit abhängig von Fördermitteln. Die Chancen, dass der US-Kongress den Plänen des baldigen Präsidenten zustimmt ist aber wahrscheinlich schließlich geht es um mehr, als nur eine Frage der Ehre.
Die Verbände sind guter Dinge
Der US-Windverband AWEA rechnet bis Ende 2008 mit einem Zubau der Kapazitäten um 7.500 Megawatt. Immerhin entspricht dies gegenüber 2007 einem Zuwachs von mehr als 40 Prozent. Zwar rechnet der Verband im kommenden Jahr wegen der konjunkturellen Eintrübung mit geringeren Zuwachsraten, dennoch sollte das Wachstum deutlich im zweistelligen Rahmen liegen.
Der US-Solarverband SEIA ist ebenfalls optimistisch. 2009 soll sich die installierte Leistung in etwa verdoppeln. Und zumindest Kalifornien, dem Staat mit der größten Sonnenausbeute in den Staaten, prophezeit der Verband ab 2011 sogar die Grid Parity. Demnach dürfte ab diesem Zeitpunkt Solarenergie ebenso teuer sein wie herkömmliche Energie.
Der Kuchen muss verteilt werden
Noch lässt sich nicht exakt sagen, welche Firmen mehr, welche weniger profitieren werden. Es ist aufgrund des konjunkturellen Anstoßgedankens jedoch realistisch, dass speziell US-Firmen bevorzugt behandelt werden. Die Favoriten im US-Solarsektor lauten daher First Solar, dem weltweiten Platzhirschen im Bereich der Dünnschichttechnologie und SunPower, ein Hersteller von Solarzellen und -modulen mit überdurchschnittlich hohen Wirkungsgraden, was im Bezug auf die Grid Parity einen wesentlichen Faktor hat. Von deutscher Seite sollte ein Blick auf Solarworld lohnen der Konzern konnte sein Engagement in den USA 2007 auf mehr als 90 Millionen Euro verdreifachen. Auch der weltweit größte Hersteller von Solarzellen, Q-Cells, dürfte sich eine dicke Scheibe vom Kuchen abschneiden.
Im Windsektor dürfte General Electric über die Unternehmenssparte GE Infrastructure zu den Gewinnern zählen. Aber auch der Versorger FPL Group erweitert seit Jahren sein Engagement im Sektor der erneuerbaren Energien, speziell im Windbereich. Den Versorgern kommt zudem eine Steuererleichterung Grünstromprojekte im kommenden Jahr zugute. Daneben dürfte auch der deutsche Turbinenbauer Nordex Aufwind in Übersee verspüren, denn der Konzern hat jüngst ein Produktionswerk in den Staaten errichtet.