Nokia kämpft
Weltmarktführer für Mobiltelefone, das ist eine schöne Bezeichnung. Doch diesen Titel hat Nokia an Samsung Electronics verloren. Derzeit versucht Nokia noch mit allen Mitteln wieder auf die Beine zu kommen, doch scheint das Aktionismus zu sein – und vergeblich.
Im finnischen Espoo, dem Konzernsitz von Nokia, scheinen die Uhren seit einigen Jahren deutlich langsamer zu laufen als im US-amerikanischen Cupertino, von wo aus Apple regiert wird, oder dem südkoreanischen Seoul, dem Firmensitz von Samsung Electronics. Derzeit tut der Vorstand um den Vorsitzenden Stephen Elop alles, um den Eindruck zu erwecken, etwas Richtiges zu tun. Ein nachhaltiger Erfolg ist allerdings unwahrscheinlich. Charttechnisch ist zumindest ein Silberstreif am Horizont zu erkennen. Der Trendfolge-Indikator MACD deutet an, dass er demnächst ein Kaufsignal erzeugen könnte. Zudem ist der Relative-Stärke-Indikator vergleichsweise weit unten.
Erst klagen, ...
Wenn die Erfolge ausbleiben, ist eine Strategie, die Konkurrenten am Erfolg zu behindern beziehungsweise sich daran zu beteiligen. Nokia versucht das mit neuen Patentklagen in Deutschland und den USA. Der finnische Konzern klagt, weil die taiwanesische HTC (High Tech Computer Corporation), die US-amerikanische Viewsonic und die kanadische Research In Motion (RIM) insgesamt 45 Patente von Nokia für Antennen, Stromversorgung und Sendeeinheiten, aber auch Softwarefunktionen verletzen würden. Ein ähnlicher Prozess gegen Apple endete nach fast zwei Jahren im Juni 2011 mit einem Vergleich zugunsten Nokias. Apple verpflichtete sich zu einer Einmalzahlung und regelmäßigen Lizenz-Zahlungen.
... dann Anleger beschwichtigen und ...
Die Hauptversammlung von Nokia beschloss am 3. Mai eine Dividende von 0,20 Euro je Aktie auszuschütten. Das entspricht einer Dividendenrendite von mehr als sieben Prozent. Zudem erlaubte die Hauptversammlung den Rückkauf von maximal 360 Millionen der insgesamt 3,74 Milliarden Aktien bis zum 30. Juni nächsten Jahres. Im Jahr 2012 sollen allerdings keine Anteile erworben werden.
... schließlich Hoffnung erwecken.
Jorma Ollila, der ehemalige Vorsitzende des Vorstands und nun scheidende Vorsitzende des Verwaltungsrates, kündigte in einem Interview mit der Financial Times an, Nokia arbeite an "Hybrid"-Geräten. Näher wollte Ollila die Geräte nicht beschreiben, einen Zeitplan gab er auch nicht bekannt. Jedoch sagte er: "Tablets sind wichtig, also wird das geprüft, und es wird in Zukunft verschiedene Hybrid-Geräte und unterschiedliche Designformen geben." Eine Kombination aus Geräten und Nokia-Diensten könne die Wende bringen.

Nur für Mutige
Die Analysten schätzen die Ergebnisse für die Jahre 2012 bis 2014 auf minus 0,17 Euro, auf 0,09 Euro und auf 0,18 Euro je Aktie. Das entspräche Kurs-Gewinn-Vielfachen von 27 und von 14. Nach dem Smartphone "Lumia" arbeitet Nokia nun an so etwas wie einem Tablet-PC und ist auch hier viel zu spät dran. Ein Erfolg ist deshalb unwahrscheinlich. Derzeit besteht jedoch eine charttechnische Chance auf eine Kurserholung. Deshalb sollten ausschließlich sehr risikobereite Investoren die Aktie mit einem Kursziel von 3,30 Euro und einem Stoppkurs bei 1,95 Euro kaufen.
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