Martin Weiß
Gerade einmal eine Woche ist es her, da der finnische Handyriese mit dem Lumina 800 seine neueste Generation an Smartphones der Öffentlichkeit präsentiert hat, schon gibt es einen Dämpfer. Marktforschern zufolge verliert der Konzern rasant Anteile an die Konkurrenten. Ist die Trendwende bei Nokia zu Ende, bevor sie begonnen hat?
Die Aktie beendete den Handel am Montag mit einem deutlichen Minus von vier Prozent bei 4,85 Euro. Der Rückgang kommt nur wenige Tage, nachdem Nokia auf seiner Hausmesse das erste Windows-Smartphone des Konzerns vorgestellt hat. Anleger reagierten mit den Verkäufen zunächst auf die Schwäche des Gesamtmarktes. Die Nachricht, wonach der koreanische Handyriese Samsung zuletzt massiv Marktanteile hinzugewonnen hat und Nokia nun im Nacken sitzt, verstärkte die Abwärtsbewegung.
Der Thron wackelt
IDC zufolge wurden im dritten Quartal weltweit 394 Millionen Handys verkauft, ein Plus von rund 13 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Nachdem Nokia bei Smartphones schon im Frühjahr von Samsung und Apple überholt wurde, können die Finnen jetzt auch im Gesamtmarkt den asiatischen Konkurrenten deutlich im Rückspiegel sehen.
Während Nokia in der Periode rund 107 Millionen Geräte absetzte, waren es bei Samsung bereits 88 Millionen. Setzt sich der Trend fort, dürften die Koreaner Nokia 2012 endgültig vom Thron stoßen.
Nokia setzt alles daran, den Verlust an Marktanteilen mit einer Produktoffensive zu stoppen. Bei Smartphones soll es das brandneue Lumina 800 richten, Nokia erstes Gerät mit Windows 7 als Betriebssystem. Die Asha-Modelle richten sich hingegen an kostenbewusste Smartphone-Einsteiger und Kunden in ärmeren Ländern.
Ob der Plan von Stephen Elop aufgeht, muss sich noch zeigen, zumal das Lumina zwar schon im November in Europa erhältlich sein wird und damit rechtzeitig zum wichtigen Weihnachtsgeschäft. Die Markteinführung für Nordamerika ist hingegen erst für 2012 geplant (was in verschiedenen US-Blogs heftig kritisiert wurde).
Der Kursanstieg der Aktie in den vergangenen Wochen - Nokia hat im Oktober 14 Prozent an Wert gewonnen - spiegelt die vorsichtige Einschätzung vieler Anleger wider, dass es den Finnen gelingt, gegen die Konkurrenten zurückzuschlagen.
Die jüngsten Kursverluste dürften somit eher Gewinnmitnahmen geschuldet sein, als einer generellen Trendwende. Beruhigt sich die Lage am Gesamtmarkt wieder, sollte das Papier an Dynamik gewinnen.
Für ein solches Szenario spricht auch die Charttechnik. Mit dem Sprung über den horizontalen Widerstand bei 4,80 Euro hat die Aktie ein klares Kaufsignal generiert. Ein Test der Ausbruchsmarke ist nicht ungewöhnlich und bietet daher zunächst keinen Anlass zur Sorge.
Das Kursziel beträgt sechs Euro, der Stopp wird auf 4,20 Euro angehoben.
