Nokia: Die Wahrheit hinter den Q4-Zahlen

Martin Weiß

Der finnische Handyriese Nokia ist 2011 trotz der Einführung seines ersten Windows-Smartphones tief in die Verlustzone gerutscht. Von einer Aufholjagd gegen Apple und Co kann scheinbar keine Rede sein. Die Anleger sind enttäuscht, viele trauen dem Konzern den Turnaround nicht mehr zu. Doch der Abgesang kommt zu früh.

Die kurzfristige Kursentwicklung der Nokia-Aktie spiegelt die negative Stimmung unter den Anlegern wider: Das Papier büßte am Freitag mehr als fünf Prozent an Wert ein und schloss bei 3,92 Euro auf dem niedrigsten Stand seit Anfang Januar. Im Wochenverlauf betrug das Minus rund zehn Prozent. Die Reaktion des Marktes auf die Q4-Veröffentlichung scheint übertrieben, denn das Zahlenwerk bietet durchaus einige vielversprechende Ansätze.

Milliardenverlust, Millionensubvention

Nokia hat im vierten Quartal 2011 einen Verlust von rund einer Milliarde Euro eingefahren, nach einem Gewinn von 745 Millionen im vergleichbaren Vorjahreszeitraum. Vom Lumia 800, Nokias erstem Windows-Smartphone, verkauften die Finnen nur gut eine Million Einheiten. Das klingt zunächst überschaubar (vor allem, wenn man die 38 Millionen iPhones von Apple dagegen hält).

Was Anleger übersehen: Das Lumia 800 wurde erst Mitte November 2011 im Handel eingeführt und das auch nur in einigen europäischen Ländern, darunter Deutschland, Großbritannien und Frankreich. Die USA und China folgen erst 2012. Die Verkaufszahlen beziehen sich somit auf lediglich sechs Wochen im letzten Quartal.

Respekt verlangt auch die kurze Entwicklungszeit der neuen Smartphone-Generation ab. Von der Ankündigung der Kooperation mit Microsoft (Februar 2011) bis zum ersten serienreifen Smartphone mit Windows-Betriebssystem vergingen gerade einmal sieben Monate. Offensichtlich passen die beiden Konzerne besser zusammen, als zunächst geglaubt.

Microsoft lässt sich die Kooperation zudem einiges kosten: Im vierten Quartal flossen 250 Millionen Dollar von Redmond nach Espoo, wo Nokia seinen Stammsitz hat. Um die Windows-Plattform voranzutreiben, wird Microsoft seinen Partner auch zukünftig finanziell unterstützen.

Fazit: Nokia ist eine Wette auf den Turnaround, entsprechend volatil dürfte sich der Aktienkurs entwickeln. Das hauseigene Betriebssystem Symbian ist praktisch Geschichte, die Zukunft gehört Windows. Das vierte Quartal 2011 ist nicht aussagekräftig genug, um Rückschlüsse auf den Erfolg oder Misserfolg der neuen Strategie zuzulassen. Es bietet jedoch einige positive Ansätze. Risikofreudige Anleger können auf dem aktuellen Niveau eine kleine Position aufbauen.

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