Leon Müller
Die Weltbörsen steigen, die Anleger freut´s. Nur in Japan ist die Stimmung alles andere als heiter. Der richtige Zeitpunkt, sich zu positionieren? DER AKTIONÄR hat die hierzulande wohl bekanntesten japanischen Unternehmen Nintendo, Sony und Toyota unter die Lupe genommen.
Steigende Kurse, knallende Sektkorken, ausgelassene Feierstimmung. Dieses Bild war in den zurückliegenden Tagen an nahezu allen Börsen der Welt zu sehen. In Frankfurt baute der DAX seinen Gewinn seit Jahresanfang auf knapp 19 Prozent aus, verfehlte nur knapp ein neues Jahreshoch. Der Dow Jones hat im gleichen Zeitraum immerhin zwölf Prozent gewonnen, der FTSE-100-Index in London 16 Prozent. Und Japan? Obwohl der Nikkei-Index der 225 führenden japanischen Werte vergangene Woche nach zahllosen Fehlversuchen die psychologisch wichtige Marke von 10.000 Punkten zurückeroberte, blieb der Schampus im Schrank, die Laune bedeckt.
Angst vor der Berichtssaison
Bei den Anlegern in Japan dominiert nach wie vor die Angst, die unmittelbar bevorstehende Berichtssaison könnte die Notierungen in die Knie zwingen und die Aufwärtsbewegung im Keim ersticken. Darüber hinweg trösten kann nicht, dass sich auch der japanische Leitindex seit Jahresanfang ordentlich geschlagen und 13 Prozent zugelegt hat. Händler geben an, die Yen-Stärke könnte negativen Einfluss auf die Geschäftsausblicke der Unternehmen haben, mit entsprechenden Folgen für die Exportwerte. Folglich konnten sich auch die Aktien der hierzulande wohl bekanntesten japanischen Unternehmen - Sony, Nintendo und Toyota - zuletzt nicht positiv hervortun. DER AKTIONÄR hat die Altempfehlungen nochmals analysiert.

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Der führende japanische Automobilhersteller Toyota sieht sich mit einer Patentklage konfrontiert, die es in sich hat. Das US-Unternehmen Paice beschuldigt den Branchenprimus, seine Patentrechte bei der Produktion von Hybridwagen zu verletzen. Die Klage wird von der Internationalen Handelskommission (ITC) geprüft. Hat Paice Erfolg, müsste Toyota die Produktion des Erfolgsmodells Prius sofort stoppen, den Export in die Vereinigten Staaten von Amerika einstellen. In einer Stellungnahme teilten die Japaner nach Bekanntwerden der Klage mit, man verfüge über eine ausreichende Zahl von Patenten für die Hybrid-Technologie und sei zuversichtlich, das Verfahren zu gewinnen. Kratzer im Lack bleiben dennoch.
Positives Quartalsergebnis erwartet
Zugutehalten muss man dem Konzern, dass er trotz Krise sein Innovationstempo beibehält. Medienberichten zufolge plant Toyota gemeinsam mit dem Subaru-Hersteller Fuji Heavy Industries die Entwicklung eines Elektroautos, das 2012 in den Markt eingeführt werden soll. Lobende Worte finden aber nicht nur die Innovationskraft, sondern auch die eingeleiteten Sparmaßnahmen. Analyst Kurt Sanger von der Deutschen Bank rechnet dank der Sparmaßnahmen und einer Absatzerholung in Japan und Asien mit positiven Quartalsergebnissen und einer Anhebung der Gesamtjahresziele. Seine Einschätzung lautet „Hold" - und genau das ist die Toyota-Aktie derzeit auch: eine Halteposition.
Sony/Nintendo: Nachfrageboom
Sony und Nintendo wappnen sich für das bevorstehende Weihnachtsgeschäft. Von Experten längst gefordert, haben die beiden Elektronikriesen die Preise für ihre Erfolgskonsolen Playstation Portable (Sony) und Wii (Nintendo) um bis zu 20 Prozent gesenkt. Das Ergebnis war ein regelrechter Ansturm auf Spielekonsolen. Sony verkaufte binnen Wochenfrist 49.000 Geräte, nachdem zuvor lediglich 15.000 PSPs über die Ladentheke gegangen waren. Nintendo gelang es ebenfalls, den Absatz von 10.500 auf 32.000 Einheiten mehr als zu verdreifachen.
Gefördert wurde der Nachfrageboom zusätzlich durch die Einführung neuer Spiele. So brachte Sony eine PSP-Version seines Rennspiels "Gran Turismo" auf den Markt. Nintendo präsentierte den Nachfolger seines Kassenschlagers "Wii Fit".
Nintendo bevorzugen
Anleger, die derzeit ein Investment in Japan erwägen, greifen zur Aktie von Nintendo. Sie bietet, gefolgt von Sony, derzeit das größte Potenzial. Toyota ist aktuell aufgrund der Patentproblematik lediglich eine Halteposition.
Dieser Artikel ist in DER AKTIONÄR, Ausgabe 43/09 erschienen.