Steffen Eidam
Ob Handtäschchen aus feinster Handarbeit, edelste Parfums oder sündhaft teure Chronografen – die Welt ist verrückt nach Luxus. Der Branchenprimus LVMH hat mit seinen Zahlen zum dritten Quartal alle Prognosen übertroffen.
Während sich die Welt den Kopf über einen drohenden Bankrott mehrerer europäischer Staaten zerbricht, nimmt der Hang zum Feudalen immer mehr zu. Trotz dieser paradoxen Situation dürfte sich das LVMH-Management heute einen Schampus gegönnt haben, denn ihr Konzern ist der Nutznießer dieser Entwicklung.
Geldbeutel sitzt locker
Dass Wohlstand und Finanzkraft rund um den Globus weiter ansteigen, lässt sich an den Absatzzahlen der Luxusgüterbranche ablesen. Einen eindrucksvollen Beleg hierfür lieferte heute der Branchenführer LVMH (Christian Dior, Tag Heuer, Kenzo). Im dritten zog der Umsatz der Franzosen um 15 Prozent auf gut sechs Milliarden Euro an. Auf vergleichbarer Basis betrug das Plus im Jahresvergleich sogar 26 Prozent. Hierin waren die Erlöse des übernommenen Labels Bulgari noch gar nicht eingerechnet. Inklusive des italienischen Traditionshauses zogen die Erlöse um 76 Prozent an. "Das dritte Quartal hat gezeigt, dass sich der Trend, der sich seit Jahresbeginn abzeichnet, fortsetzt", erklärte LVMH. Wachstumstreiber Nummer 1 war ein weiteres Mal die Ledersparte, die unter Louis Vuitton firmiert.
Überzeugende Zahlen
In ihrer Einschätzung nach Zahlen bekräftigt die französische Investmentbank Cheuvreux ihr Urteil "Outperform" mit Kursziel von 135,00 Euro. Mit einem starken dritten Quartal habe der weltgrößte Luxusgüterkonzern die Messlatte in der Branche hoch gelegt, schrieb Analyst Pierre Lamelin. Die Geschäfte mit Mode und Lederwaren, ganz besonders die Marke Louis Vuitton, sowie die Sparte Selective Retailing hätten jeweils die Erwartungen übertroffen. Das Wein- und Spirituosengeschäft hingegen habe etwas schwächer als erwartet abgeschnitten.
Verlorenes Terrain zurückerobert
Ein Blick auf die LVMH-Aktie belegt, dass die Krise im Luxusgütersegment nur von kurzer Dauer war. Die Notierung hat bereits einen großen Teil der jüngsten Rücksetzer wettgemacht. Der positive Trend dürfte weiter anhalten, nicht zuletzt dank der Beiträge von Bulgari. LVMH bleibt dager ein Kerninvestment in der Luxusbranche. Die Aktie dürfte das alte Hoch bei 130 Euro anpeilen.