Leon Müller
Während Deutschland unter einer Schneedecke liegt, steigen die Temperaturen in der Salz- und Düngemittelbranche rapide an. Der Sektor steht vor einer Konsolidierungswelle. Doch auch abgesehen davon dürfte das Klima freundlicher werden.
Das Geschäft mit Salz ist derzeit lukrativ wie selten. Während Deutschland unter einer Schneedecke liegt und vereiste Straßen Autofahrern das Leben schwer machen, nutzt die K+S-Tochter Esco alle zur Verfügung stehenden Möglichkeiten, um die Versorgung der Kunden mit Auftausalz sicherzustellen. Das heißt Dreischicht-Betrieb seit Mitte Dezember. Das heißt aber auch: Mehreinnahmen. Den Aktionären der Gesellschaft kann das nur recht sein. Die Aktie des DAX-Konzerns hat zuletzt deutlich zugelegt. Doch Salz ist nur ein Geschäft von vielen. Nicht nur für K+S, sondern auch für Wettbewerber wie Yara International. Die Norweger setzen jetzt auf Zukäufe und bringen mit einer milliardenschweren Übernahmeofferte womöglich die zweite große Konsolidierungswelle in der Branche ins Rollen.
Milliardengebot an Terra-Aktionäre
Der K+S-Konkurrent will sein Nordamerika-Geschäft über einen milliardenschweren Zukauf stärken, wie Yara-Chef Ole Haslestad erklärte. Yara bietet 4,1 Milliarden Dollar für den US-Düngemittelanbieter Terra Industries. Der Kaufpreis soll in bar beglichen und teilweise über eine Kapitalerhöhung finanziert werden. Die norwegische Regierung - größter Yara-Eigner mit einem Anteil von 36 Prozent - hat bereits ihre Bereitschaft zur Teilnahme an einer solchen Kapitalerhöhung signalisiert. Der angebotene Kaufpreis lag zum Abgabezeitpunkt knapp 24 Prozent über dem Schlusskurs der Terra-Aktie, die daraufhin sofort in die Höhe schoss, während Yara-Titel deutliche Einbußen hinnehmen mussten. Dabei zählt die Yara-Aktie zu den günstigsten des Sektors, wird lediglich mit dem 13-fachen des für 2010 erwarteten Gewinns gehandelt.
K+S das nächste Übernahmeziel?
Händler verweisen darauf, dass die Konsolidierung in der Branche nun an Dynamik gewinnen könnte. Terra wurde schon länger als Übernahmekandidat gehandelt. CF Industries Holdings aus Deerfield bei Chicago hatte erst kürzlich einen feindlichen Übernahmeversuch abbrechen müssen. Erst im vergangenen Jahr war die bereits eingangs erwähnte K+S ebenfalls in die Offensive gegangen und hatte den US-amerikanischen Salzproduzenten Morton Salt übernommen. Doch auch wenn K+S bislang eine aktive Rolle in der Branchenkonsolidierung gespielt hat - die Kasseler gelten selbst ebenfalls als potenzielles Ziel.
Im internationalen Vergleich ist der DAX-Konzern nämlich keinesfalls ein Schwergewicht. Mit nicht einmal neun Milliarden Euro bringt das Unternehmen gerade einmal ein Drittel des Gewichts von Potash auf die Börsenwaage. Die Kanadier könnten angesichts des jüngsten Yara-Vorstoßes nun geneigt sein in den Markt einzugreifen, um ihre Position zu festigen. Anleger sollten allerdings eher auf den potenziellen Übernahmekandidaten K+S setzen als auf den möglichen Käufer Potash, der mit einem 2010er-KGV in Höhe von 24 bereits mit einer satten Prämie zur Peer Group gehandelt wird.
Mosaic zeigt höchstes Potenzial
Doch wenn schon Potash derzeit kein Kauf ist, dann vielleicht der US-Konkurrent Mosaic. Tatsächlich ist das Unternehmen mit Sitz in Plymouth im Bundesstaat Minnesota nicht nur günstiger bewertet - das 2010er-KGV liegt bei 15 -, es weist auch im Peer-Group-Vergleich das höchste Erholungspotenzial auf. Analysten rechnen damit, dass das Management des an der New Yorker Börse notierten Unternehmens den Gewinn auf Jahressicht auf 1,41 Milliarden Euro mehr als verdoppeln kann. Für das laufende Geschäftsjahr (endet im Mai) wird immerhin mit einem Überschuss in Höhe von 690 Millionen Euro gerechnet. Die Aktie hat einen Teil dieser Wachstumsfantasie eingepreist und zuletzt deutlich an Wert gewonnen. Dennoch können sich Anleger den Titel ins Depot legen. Goldman Sachs hat das Kursziel zuletzt auf 68 Dollar angehoben und die Aktie von "Neutral" auf "Buy" hochgestuft.
Branchenzwerg zum Mitnehmen
Sollte der Appetit der Großen nur klein sein, könnten sie bei Migao zuschlagen. Der chinesische Hersteller von Kaliumchlorid - auch Pottasche genannt - ist mit einer Marktkapitalisierung von 0,26 Milliarden Euro ein Branchenzwerg und ein günstiger dazu: So wird die Aktie des an der Börse in Toronto gelisteten Unternehmens derzeit lediglich mit dem 9-fachen des für 2010 erwarteten Gewinns gehandelt. Elf von zwölf Analysten empfehlen den Titel zum Kauf. Der Konzern dürfte vor allem von einer Stabilisierung der Preise für Pottasche profitieren. Anlässlich der Vorlage der Drittquartalszahlen zeigte sich das Management zuversichtlich, dass der Boden nun erreicht sei und es mit den Preisen wieder aufwärts gehen würde. Wenngleich die Aktie aufgrund des geringen Börsenwertes spekulativ ist, so wirkt doch der Umstand, dass in der Firmenkasse liquide Mittel in Höhe von 128 Millionen Kanadische Dollar schlummern, beruhigend.
Erholungstendenzen absehbar
Die gesamte Branche dürfte im laufenden Jahr eindeutige Erholungstendenzen erkennen lassen. Übernahmen sind aufgrund der nach wie vor niedrigen Kurse wahrscheinlicher geworden. Vorsichtige Anleger legen sich Papiere von K+S sowie Yara ins Depot. Mosaic ist eine Spur spekulativer, während Migao als Hot-Stock einzustufen ist. Potash hingegen ist aufgrund der hohen Bewertung derzeit bestenfalls eine Halteposition.