Michael Schröder
Für Jim Rogers ist Diversifikation ein Fremdwort. Der Investment-Guru bleibt seiner Linie treu: Rohstoffe bleiben auch in Zukunft erste Wahl für das Depot. DER AKTIONÄR traf die Investmentlegende zum großen Hintergrundgespräch.
Wenn Investmentlegende Jim Rogers über Rohstoffe redet, hört die Anlegergemeinde genau zu. Nahezu gebetsmühlenartig predigt der Investment-Profi den Kauf von Rohstoffen. Bereits vor zehn Jahren verwies er auf das immense Potenzial von Gold, Silber oder Platin. Damals war der Rohstoff-Guru mit seinen Empfehlungen noch fast alleine. Heute, rund zehn Jahre später, hängen die Investoren an seinen Lippen, wollen den nächsten Trend so früh wie möglich erwischen oder Rogers einfach nur nacheifern. Geht es nach Jim Rogers, so ist die Aufwärtsbewegung der Rohstoffe noch lange nicht zu Ende. Er setzt auf Gold, Silber oder Zucker. Aktien sind für Rogers hingegen tabu.
Den Weltbörsen steht ein schwieriges zweites Halbjahr bevor. Im Gespräch mit dem AKTIONÄR äußerte sich Rogers über die aktuelle Schwächephase von Gold und Silber, die Unterbewertung der Agrarrohstoffe und einen möglichen Crash am Aktienmarkt.
DER AKTIONÄR: Herr Rogers, die Preise für Gold und Silber haben in den letzten Wochen stark korrigiert. Crash, Trendwende oder nur eine Korrektur?
Jim Rogers: Gold ist nur um sechs Prozent gefallen. Das sehe ich nicht als Crash an. Beim Silber ist die Reaktion nach der langen Aufwärtsbewegung etwas schärfer ausgefallen. Dabei muss man berücksichtigen, dass Silber vorher in nur einem Monat 25 Prozent an Wert zugelegt hat. Ich besitze zwar selbst Silber, freue mich aber, dass es zu einer Korrektur gekommen ist. Sollte diese noch weitergehen, dann werde ich meinen Bestand ausbauen. Kurzum: Ich bin der Meinung, dass es sich hier um eine Korrektur handelt, nicht um eine Tendwende.
Glauben Sie, dass der Goldpreis noch weiter fallen wird?
Der Goldpreis steigt mittlerweile seit knapp zehn Jahren kontinuierlich. Eine längere Korrektur wäre gesund und würde den Aufwärtstrend beim Gold langfristig auf gesunde Beine stellen. Sollte der Goldpreis weiter zurückkommen, dann werde ich nachkaufen. Denn spätestens in zehn Jahren rechne ich mit einem Goldpreis von 2.000 Dollar je Feinunze.
Welches sind Ihre Favoriten bei den Agrarrohstoffen?
Agrarrohstoffe sind noch immer unterbewertet. Zucker zum Beispiel erreichte den höchsten Stand vor sage und schreibe 37 Jahren. Bis dahin hat die Notierung noch immer knapp 70 Prozent Potenzial nach oben. Oder schauen Sie sich den Preis für Reis an. Reis ist noch immer sehr günstig. Generell ziehe ich es vor, mir Sachen anzuschauen, die günstig sind, statt derjenigen, die von einem Allzeithoch zum nächsten eilen.
Werfen wir einen Blick auf die Aktienmärkte. Vor rund sechs Monaten waren Sie sehr skeptisch, was die Entwicklung des Dow Jones betrifft. Kommt die gute Performance für Sie überraschend?
Die Börse hat sich in diesem Jahr tatsächlich bisher sehr gut entwickelt. Allerdings haben wir erst Anfang Juni, das Jahr ist also noch lange nicht vorbei. Innerhalb der nächsten Monate werden wir noch mit einer Vielzahl von Problemen konfrontiert werden.
Was bereitet Ihnen am meisten Kopfzerbrechen?
Die US-Notenbank hat mit Geld nur so um sich geworfen, um die Märkte wieder anzukurbeln. Wenn jetzt aber im Herbst die Probleme in Amerika zurückkommen und die Börsen 25 Prozent an Wert verloren haben, dann wird die FED wieder eingreifen, Geld drucken und die Märkte fluten.
Was bedeutet das für den US-Dollar?
Als der Dollar im Herbst 2010 kollabierte, setzte jeder auf weiter fallende Kurse. Die Stimmung war so negativ, dass ich antizyklisch gekauft habe. Noch immer setzt die Mehrheit der Investoren auf einen schwachen Dollar. Bei der nächsten Aufwertung werde ich meine US-Dollar verkaufen.

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Welche Aktienmärkte stehen derzeit ganz oben auf Ihrer Beobachtungsliste?
Im Moment konzentriere ich mich eher auf Investments im Bereich Rohstoffe und Währungen. Die Aktienmärkte sind in den letzten Wochen einfach zu gut gelaufen. Einzig und allein den japanischen Aktienmarkt halte ich für interessant. Hier habe ich vor einigen Wochen investiert.
Lange Zeit galt der chinesische Aktienmarkt als Ihr Favorit.
China tut alles dafür, um das Wachstum zu verlangsamen, und das ist gut so. Schließlich sind in einigen Bereichen Überhitzungserscheinungen erkennbar. Auf lange Sicht macht China genau das Richtige. Das wird auch der Weltwirtschaft zugutekommen. Hier sollte man mit Augenmaß operieren, schließlich rutscht China nicht in eine Rezession, sondern man versucht lediglich das hohe Wirtschaftswachstum abzubremsen.
Wie investiert Jim Rogers derzeit sein Geld?
Ich bin negativ für den amerikanischen Aktienmarkt gestimmt. Speziell setze ich auf fallende Hightech-Werte. Ebenso skeptisch bin ich für die Emerging Markets.
Herr Rogers, vielen Dank für das Interview.