Martin Münzenmayer

Die australische Bergbaugesellschaft Bougainville Copper besitzt eine stillgelegte Kupfermine, deren Wiedereröffnung noch in diesem Jahr beschlossen werden könnte. Diese Aussichten nahm der AKTIONÄR als Anlass für ein Interview mit dem Präsidenten der European Shareholders of Bougainville Copper (ESBC).
Die australische Bergbaugesellschaft Bougainville Copper besitzt eine stillgelegte Kupfermine, deren Wiedereröffnung noch in diesem Jahr beschlossen werden könnte. Diese Aussichten nahm der AKTIONÄR als Anlass für ein Interview mit dem Präsidenten der European Shareholders of Bougainville Copper (ESBC).
Bougainville ist eine etwa 8.800 Quadratkilometer große Insel im Pazifischen Ozean. Gemeinsam mit der 500 Quadratkilometer großen Nachbarinsel Buka bildet sie die einzige autonome Region in Papua Neuguinea. Auf Bougainville befindet sich die Panguna-Mine, die der australischen Bergbaugesellschaft Bougainville Copper gehört. Diese Kupfermine wurde 1989 wegen eines Bürgerkriegs stillgelegt. Eine Wiedereröffnung der Mine könnte noch in diesem Jahr vertraglich besiegelt werden, da der neue Insel-Präsident John Momis an einem solchen Beschluss stark interessiert ist. Diese Aussichten nahm der AKTIONÄR als Anlass für ein Interview mit dem Präsidenten der European Shareholders of Bougainville Copper (ESBC), Herrn Axel G. Sturm. Die von ihm geführte Vereinigung vertritt die Interessen der europäischen Aktionäre von Bougainville Copper.
DER AKTIONÄR: Am 9. Juni 2010 hat John Momis als Nachfolger von James Tanis das Amt des Präsidenten auf der Insel Bougainville angetreten. Warum will sich Momis für eine Wiedereröffnung der Panguna-Mine einsetzen?
Axel G. Sturm: Die Wiederaufnahme des Minings ist eines der wichtigsten Ziele von Momis, weil er weiß, dass die Inselbewohner nur dadurch zu Wohlstand kommen können. Positiv zu werten ist diesbezüglich, dass Momis bis Anfang dieses Jahres Botschafter von Papua-Neuguinea in China war. Deshalb könnte er eventuell einen Deal mit der chinesischen Regierung bezüglich der Finanzierung der Investitionen vermitteln, die notwendig sind, um die Mine wieder in Betrieb nehmen zu können.
Weiß man schon über die Höhe dieser Investitionen Bescheid?
Gemäß einer Studie, die von der renommierten Beratungsgesellschaft Hatch erstellt wurde, müssen circa drei Milliarden US-Dollar investiert werden, um die Panguna-Mine in Betrieb nehmen zu können. Dieser Betrag ist jedoch aus meiner Sicht eine zu hohe Schätzung. Denn alleine die Kosten für die Unterkünfte der Minenarbeiter wurden zu hoch veranschlagt. Laut Hatch-Kalkulation könnte man dafür Arbeiterwohnungen errichten, deren Standard dem eines 5-Sterne-Hotels entspricht. Da dies aber nicht notwendig ist, rechne ich lediglich mit Kosten von circa 1,5 bis zwei Milliarden US-Dollar.
Wer könnte Ihrer Meinung nach diese Kosten übernehmen?
Eventuell werden die Bergbaukonzerne Rio Tinto und BHP Billiton gemeinsam die Kosten tragen. In diesem Fall dürfte jedoch Rio Tinto den größeren Teil der Kosten übernehmen, da das Unternehmen ohnehin schon mit mehr als 53 Prozent an Bougainville Copper beteiligt ist. Möglich ist aber auch, dass die Weltbank im Rahmen eines Entwicklungshilfeprojekts einen Kredit gewährt oder vermittelt. Auch denkbar ist, dass die Regierung Chinas ein Darlehen zu attraktiven Konditionen gewährt, falls Bougainville Copper im Gegenzug bereit ist, nach der Wiedereröffnung der Mine, Kupfer an China zu Preisen zu liefern, die merklich unter den jeweiligen Marktpreisen liegen. Für die letztgenannte Variante könnte vor allem die örtliche Nähe zwischen dem Lieferanten Papua Neuguinea und dem Abnehmer China sprechen.
Bekanntlich nutzen viele Firmen den Kapitalmarkt, um Geld zu günstigen Konditionen zu beschaffen. Wie wahrscheinlich ist dieses Szenario bei Bougainville Copper bezüglich der Wiederinbetriebnahme der Panguna-Mine?
Eine Kapitalerhöhung und die damit verbundene Gewinnverwässerung würde bei den Kleinaktionären von Bougainville Copper nicht gut ankommen. Möglicherweise läge sie aber auch nicht im Interesse des Großaktionärs Papua Neuguinea oder dessen wahrscheinlichen Rechtsnachfolgers der Autonomen Regierung Bougainvilles. In der Konsequenz hieße das nämlich, dass jeder Aktionär (ob Haupt- oder Kleinaktionär) genötigt wäre, in teils erheblichem Umfang Mittel zur Verfügung zu stellen, um seinen bisherigen prozentualen Beteiligungsanteil zu erhalten. Deshalb glaube ich nicht, dass eine Kapitalerhöhung durchgeführt wird, um das Geld für die notwendigen Investitionen zu beschaffen. Zudem: Viele von den Kleinaktionären sind Bewohner der Insel Bougainville – und mit denen möchte es sich der Mehrheitsaktionär Rio Tinto ganz sicher nicht verscherzen.
Wann könnte der Beschluss für eine Wiedereröffnung der Mine gefasst werden?
Das könnte sogar noch in diesem Jahr passieren. Das sogenannte Bougainville Copper Agreement, das in den kommenden Monaten verhandelt wird, regelt die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen der Reaktivierung und des Betriebs Panguna-Mine. Für eine aktualisierte Fassung der bislang gültigen Vereinbarung gibt es bereits passable Entwürfe. Sofern alle Beteiligten (Landeigner, die Regierungen Papua Neuguineas und Bougainvilles sowie Rio Tinto) mit einem dieser Entwürfe einverstanden sind, könnte das neue Bougainville Copper Agreement innerhalb weniger Tage verabschiedet werden.
Was spricht dafür, dass sich der neue Präsident der Insel Bougainville für eine Wiederaufnahme des Minings einsetzen wird?
In den vergangenen Jahren wurde im Rahmen der Friedensverhandlungen auf Bougainville festgelegt, dass die Bevölkerung spätestens 2015 im Rahmen einer Volksabstimmung über die volle Unabhängigkeit der Insel von Papua Neuguinea entscheiden kann. Eine solche Abstimmung kann aber nur durchgeführt werden, wenn die wirtschaftliche Unabhängigkeit der Insel sichergestellt ist. Dies ist jedoch nur möglich durch Einkünfte durch das Mining, denn mit Tourismus und Landwirtschaft können die Inselbewohner allenfalls geringe Einkünfte erzielen. Allein schon die Entscheidung für eine Wiedereröffnung der Mine würde ein beispielsloses Investitionsvolumen generieren, das den Bürgern Bougainvilles binnen Kürze einen Aufschwung bescheren würde. Und dieser schon Jahre vor der Förderung der ersten Tonne Kupfer beziehungsweise der ersten Unze Gold und Silber greifen. Angesichts dieses Sachverhalts ist John Momis hochmotiviert, sich für eine Wiedereröffnung der Panguna-Mine einzusetzen.
Wie lange wird es dauern, die Panguna-Mine zu sanieren und die für den Minenbetrieb notwendige Infrastruktur zu schaffen?
Dies wird gemäß meiner Schätzung circa drei bis vier Jahre dauern. Von großer Bedeutung ist aus meiner Sicht, dass die Investitionen für die Sanierung der Mine und die Schaffung der Infrastruktur zunächst einmal eine deutliche Verbesserung des Lebensstandards auf der Insel Bougainville zur Folge haben werden. Denn die notwendigen Arbeiten werden voraussichtlich zu einem großen Teil von Inselbewohnern ausgeführt. Daher bin ich davon überzeugt, dass die Wirtschaft auf Bougainville bereits lange vor der Wiedereröffnung der Panguna-Mine florieren wird. John Momis sieht das sicherlich genauso.
Wie schätzen Sie das Risiko ein, dass Widerstandskämpfer die Wiederinbetriebnahme der Mine verhindern werden?
Dieses Risiko ist aus meiner Sicht eher gering. Zum einen, weil es nur noch wenige gewaltbereite Inselbewohner gibt, die gegen eine erneute Eröffnung der Mine sind. Um zum anderen, weil Momis den wenigen noch verbliebenen Gegnern klar machen wird, dass sie letztendlich von der Wiederaufnahme des Minings auch persönlich enorm profitieren werden. Schon vor zwei Jahren haben die europäischen Aktionäre vorgeschlagen, ehemalige Widerstandskämpfer als Sicherheitsdienstmitarbeiter in der Mine einzusetzen. Ich nehme an, dass der erfahrene Diplomat Momis schon eine geeignete Strategie ausgearbeitet hat, um alle Seiten zufrieden zu stellen.
In welchem Zeitraum könnte Bougainville Copper Kredite tilgen, die für die Wiedereröffnung der Panguna-Mine gewährt werden?
Ich gehe davon aus, dass das Unternehmen die Kredite innerhalb von fünf Jahren tilgen kann, sofern während dieses Zeitraums keine Dividenden ausgeschüttet werden. Nach der Tilgung der Kredite dürfte Bougainville Copper dann eine stattliche Dividende zahlen.
Was hat das Rio Tinto-Management bislang bezüglich einer möglichen Wiedereröffnung der Panguna-Mine gesagt?
Diesbezüglich haben sich die Vorstände des britisch-australischen Bergbauunternehmens bis vor Kurzem vollkommen bedeckt gehalten. Vor wenigen Tagen hat allerdings Rio Tinto-Vorstandschef Tom Albanese in einem Interview mit dem Wirtschaftsmagazin Business Standard eingeräumt, dass die Kupferpreise auf mittlere und längere Sicht weit über den Produktionskosten liegen werden. Der Business Standard folgert daraus, dass das Rio Tinto-Management zukünftig die Bemühungen um eine Wiedereröffnung der Panguna-Mine aktiv vorantreiben wird. Schon vor Jahren hatte der Rohstoffkonzern Rio Tinto verlauten lassen, dass sein Bougainville-Copper-Aktienpaket die „Perle“ in seinem Beteiligungsportfolio sei. Dafür, dass diese Einschätzung noch immer aktuell ist, spricht dass Rio Tinto seinen Anteil an Bougainville Copper im vergangenen Jahr klammheimlich um eine Million Aktien erhöht hat.
Warum sollten Anleger jetzt bei Bougainville Copper einsteigen?
Fakt ist, dass der aktuelle Kurs der Aktie deren inneren Wert keineswegs widerspiegelt. In diesem Zusammenhang muss man bedenken, dass Bougainville Copper mit der Panguna-Mine über eine der weltweit größten Kupferminen verfügt. Schätzungen zufolge kann in der Mine nach ihrer Wiederinbetriebnahme noch mindestens 35 Jahre lang Kupfer abgebaut werden. Von großer Bedeutung ist zudem, dass Bougainville Copper Schürflizenzen für weitere sieben Gebiete auf der Insel besitzt. Eines davon ist das Atamo-Areal, dessen Reserven laut Expertenmeinungen noch größer sein könnten als die des Panguna-Gebiets. Der Clou ist, dass bislang über das Unternehmen in australischen Medien kaum berichtet wurde und sich nur wenige Analysten mit Bougainville Copper beschäftigen. Dies könnte sich jedoch mittelfristig ändern, was einen merklichen Kursanstieg der Aktie zur Folge haben dürfte.
Wie schätzen Sie das Chance-Risiko-Verhältnis der Aktie ein?
In den kommenden fünf Jahren wird sich die Aktie gemäß meiner Einschätzung extrem verteuern. Aber unabhängig davon müssen Anleger, die sich Bougainville-Copper-Aktien ins Depot packen, immer auch mit einer sehr volatilen Kursentwicklung rechnen. Denn auch in Zukunft kann es bei dem Unternehmen sowohl positive Überraschungen als auch Verzögerungen geben. Alles in allem sind die Perspektiven von Bougainville Copper derzeit aber positiver denn je.
Viele interessante Hintergrundinformationen zu Bougainville Copper finden Anleger auf der Internetseite der European Shareholders of Bougainville Copper (ESBC).