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Indien: Das neue China?

Leon Müller

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DER AKTIONÄR nimmt die BRIC-Märkte Brasilien, Russland, Indien und China im Rahmen einer vierteiligen Serie unter die Lupe. Teil 3: Indien. Das Land steht im Schatten Chinas. Zumindest was die Entwicklung der Wirtschaft angeht. Nicht jedoch hinsichtlich der Performance an der Börse.

Indien wird umworben, wird begehrt. Kurzum: Der gemessen an der Einwohnerzahl zweitgrößte Markt der Welt ist heiß umkämpft. Regelmäßig reisen Vertreter westlicher Unternehmen ins Land der Maharadschas, die Taschen prall gefüllt mit Angeboten, Plänen. Und wenn alles gut geht, kehren sie mit Verträgen zurück. Erst Montag vorvergangener Woche machte sich eine deutsche Wirtschaftsdelegation auf, ihre indischen Gegenspieler von den eigenen Vorzügen zu überzeugen. 100-köpfig und angeführt von Baden-Württembergs Ministerpräsident und designiertem EU-Kommissar Günther Oettinger reiste sie durchs Land. Die Motivation dahinter glasklar: Indien gilt als das nächste China, der nächste Staat aus der Reihe der Emerging Markets, dem ein steiler Aufstieg bevorsteht. Die Verfechter dieser These verweisen immer wieder und gerne auf die Vorteile Indiens: Die Bevölkerung ist zahlreich, sie ist jünger als jene in China und obendrein spricht sie auch noch die Sprache des Westens - Englisch.

Doch nicht nur britische und amerikanische, auch deutsche Firmen sind gut im Geschäft. Beispiel Automobilsektor: Bosch zählt zu einem Dutzend Zulieferer beim neuen indischen Volksauto Tata Nano - ein Kassenschlager, schenkt man den Worten von Konzernlenker und Nano-Erfinder Ratan Tata Glauben.

Unterm Strich haben die indisch-deutschen Handelsbeziehungen inzwischen ein Volumen in Höhe von zwölf Milliarden Euro erreicht. Damit zählt Deutschland zu den zehn größten Handelspartnern Mumbais - Tendenz stark steigend. Im Jahr 2012 soll das Handelsvolumen erstmals die Marke von 20 Milliarden Euro überschreiten. Deutsche Firmen machen also bereits gute Geschäfte in Indien. Wie aber ist es um Privatanleger bestellt, die bereits in Indien investieren beziehungsweise in Zukunft dort investieren wollen?

Sensex einer der Top-Performer

DER AKTIONÄR hat in der Vergangenheit immer wieder auf die außergewöhnlichen Chancen in Indien hingewiesen, zuletzt im Rahmen einer Länderstory in Ausgabe 21/09. Seither hat das indische Börsenbarometer und Pendant zum DAX, der Sensex Index, 43 Prozent zugelegt und ein neues 52-Wochen-Hoch erklommen. Damit performte der Index so gut wie kaum ein anderer auf der Welt. Ausgehend vom Ende 2008 markierten Tief summiert sich der Zugewinn sogar auf ganze 127 Prozent. Ein Jahr nach Lehman notiert der Index jetzt wieder unweit des Allzeithochs, das am 11. Januar 2008 und damit vor der Eskalation der Finanzkrise erreicht wurde. Damals zeigten die Tafeln an der Börse in Mumbai den Rekordstand von 21.206,77 Punkten an.

Wer auf eine Fortsetzung dieser Rallye setzen möchte, das Einzelinvestment aber scheut, greift zum Open End Index-Zertifikat von Goldman Sachs auf den DBIX India Kursindex mit der WKN GS0 KEY.

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Dreistellige Kursgewinne mit IT-Service-Unternehmen

Während der Sensex-Index seit Mai 43 Prozent zugelegt hat, war mit ausgewählten Einzelaktien eine noch höhere Performance möglich. Zu den größten Gewinnern zählen die Aktien der beiden IT-Service-Unternehmen Infosys und Wipro. Letztere verteuerte sich seit Empfehlung im Juli um 41 Prozent, Infosys seit Dezember letzten Jahres zwischenzeitlich um über 100 Prozent. Analysten rechnen nun mit einer Konsolidierungswelle in der Branche. Es wäre ein Novum. Denn in der Vergangenheit haben beide Konzerne stets auf organisches Wachstum gesetzt und Übernahmen größeren Ausmaßes gemieden. Das ist umso erstaunlicher, da in ihren Kassen reichlich Bargeld schlummert. Infosys etwa verfügt über Mittel in Höhe von rund 2,8 Milliarden Dollar. Vorstand SD Shibulal hält nun Ausschau nach Akquisitionsmöglichkeiten: "Wenn wir eine Firma finden, die mit Blick auf Bewertung und Größe zu uns passt, werden wir zugreifen." Konkurrent Wipro ist da schon einen Schritt weiter. Der Konzern hat den kleineren Wettbewerber Infocrossing für 600 Millionen Dollar geschluckt.

An der Börse wird Wipro mit dem 19-Fachen des für das kommende Geschäftsjahr erwarteten Gewinns gehandelt und ist damit minimal günstiger als Wettbewerber Infosys, weswegen Anleger bei beiden Papieren zugreifen können. Im besten Fall wird der Einsatz auf beide Titel gestreut, um unternehmensspezifische Risiken zu mindern.

Tata Motors setzt auf Trendwende bei Jaguar und Land Rover

Der eingangs bereits erwähnte Automobilhersteller Tata Motors setzt auf eine Trendwende bei den vergangenes Jahr übernommenen Marken Jaguar und Land Rover. Der Deal hatte mit einem Volumen in Höhe von 2,5 Milliarden Dollar für viel Furore gesorgt. Jetzt stehen Kostenreduzierungen im Fokus. Tata hat KPMG International und Roland Berger Strategy Consultants mit der Erarbeitung eines Kostensenkungsprogramms beauftragt, nachdem die beiden Luxusmarken im Juni-Quartal einen Verlust von 189 Millionen Dollar einfuhren. Spätestens mit dem Wiedererstarken der globalen Konjunktur geht Tata unabhängig vom Erfolg des Kostensenkungsprogramms von besseren Kennzahlen aus. Der guten Entwicklung des Aktienkurses tat dies alles allerdings keinen Abbruch. Das Papier hat sich seit Jahresanfang im Wert mehr als verdreifacht und bleibt auch weiterhin ein Investment wert. Nach Verlust im laufenden Geschäftsjahr wird für das kommende mit der Rückkehr in die Gewinnzone gerechnet.

Indien: Ein Muss für jeden Emerging-Markets-Investor

Der indische Aktienmarkt dürfte seine aufwärts gerichtete Bewegung beibehalten. Unter den besten Werten haben Infosys, Wipro und Tata Motors die derzeit besten Ausgangsvoraussetzungen für weiterhin hohe Kursgewinne.

Hinweis: Lesen Sie im ersten Teil der großen BRIC-Serie, bei welchen brasilianischen Aktien Anleger jetzt zugreifen sollten. Im zweiten Teil der großen BRIC-Serie erfahren Sie, welche russischen Aktien attraktiv sind.

Dieser Artikel ist erschienen in DER AKTIONÄR - Ausgabe 49/09. Das vollständige Heft können Sie jetzt auch als ePaper lesen.


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