Martin Weiß, Bastian Galuschka
Mehr als 1,5 Milliarden Dollar wurden 2008 in den USA mit Online-Poker umgesetzt – illegal, denn die Internet-Zockerei ist dort gesetzlich verboten. Der mächtige US-Demokrat Frank Barney will dieses Verbot nun kippen und seine Chancen stehen nicht schlecht. DER AKTIONÄR verrät, welche Aktien jetzt auf die Watchlist gehören.
Mehr als 1,5 Milliarden Dollar wurden 2008 in den USA mit Online-Poker umgesetzt – illegal, denn die Internet-Zockerei ist dort gesetzlich verboten. Der mächtige US-Demokrat Frank Barney will dieses Verbot nun kippen und seine Chancen stehen nicht schlecht. DER AKTIONÄR verrät, welche Aktien jetzt auf die Watchlist gehören.
Wie am Vorabend bekannt wurde, will Frank Barney, der Vorsitzende des Finanzdienstleistungsausschusses im Repräsentantenhaus, am heutigen Mittwoch einen Gesetzesentwurf vorlegen, der das Online-Glücksspiel in den USA legalisieren würde. Mit einem ähnlichen Vorhaben war der US-Demokrat zuvor schon einmal gescheitert.
Milliarden winken
Doch dieses Mal stehen die Chancen auf eine Gesetzesänderung deutlich besser. US-Präsident Barack Obama pumpt hunderte Milliarden Dollar in die Wirtschaft, um die Folgen der Finanzkrise abzumildern und das Bankensystem zu stabilisieren. Gleichzeitig brechen der Regierung wegen der steigenden Arbeitslosigkeit und niedrigerer Unternehmenssteuern die Einnahmen weg. Eine Legalisierung des Online-Glücksspiels könnte dem Staat über einen Zeitraum von zehn Jahren rund 51 Milliarden Dollar an zusätzlichen Steuereinnahmen in die Kassen spülen, hat PriceWaterhouseCooper errechnet.
Mit einer Gesetzesänderung kämen die USA zudem einem möglichen Rechtsstreit mit der EU zuvor. Die Europäische Kommission prüft derzeit, ob das 2006 unter Präsident George Bush verabschiedete Gesetz europäische Anbieter benachteiligt.
Vier Gewinner
DER AKTIONÄR hat die internationalen Börsen nach Unternehmen durchforstet, die von einer Aufhebung des US-Verbots profitieren sollten und ist fündig geworden.
Partygaming: 2006 haben die Briten durch das Glücksspielverbot in den Staaten quasi über Nacht 75 Prozent ihres Geschäfts verloren. Bis dato war Partygaming der führende US-Anbieter von Online-Poker. Der Konzern hat zuletzt einen Streit mit der US-Staatsanwaltschaft gegen Zahlung einer Strafe von 105 Millionen Dollar beigelegt und könnte bei einer Legalisierung seine Operationen wieder nach Übersee ausweiten. Auch eine Kooperation mit einem kapitalstarken US-Kasino wäre denkbar: Jüngst geisterten Gerüchte durch die englische Presse, Partygaming verhandele mit dem US-Konzern Harrahs über eine Fusion.

888Holdings: Das in London gelistete Unternehmen ist ebenfalls gut auf eine Rückkehr in den US-Markt vorbereitet. 888Holdings hat nach 2006 seine Palette an Online-Glücksspielen kräftig aufgebohrt und bietet seine Technologie und das Know-how zudem Drittfirmen an. Im Rechtsstreit mit der amerikanischen Staatsanwaltschaft steht eine Einigung jedoch noch aus, weshalb ein Investment vor allem für spekulative Anleger in Betracht kommt.
Gigamedia: Die Taiwanesen betreiben mit Everest Poker eine der beliebtesten Online-Pokerplattformen in Europa. Für Everest Poker wird bei medienwirksamen Ereignissen, wie beispielsweise der World Series of Poker, der bekanntesten Turnierreihe in Sachen Poker in den USA, bereits mächtig die Werbetrommel gerührt. Aufgrund des dortigen Glücksspielverbotes sitzen aber bislang nur europäische Spieler an Gigamedias Poker-Tischen. Eine Öffnung des US-Marktes wäre für das Unternehmen daher eine riesen Chance. Kursfantasie kommt bei Gigamedia aber noch von ganz anderer Seite. So hat Firmenchef Arthur M. Wang in einer Telefonkonferenz angekündigt, dass man sich in Gesprächen mit mehreren Interessenten über einen möglichen Verkauf oder Merger der Firma befände. Der jüngste Kuranstieg bei der Gigamedia-Aktie dürfte daher erst der Anfang sein.
Cryptologic: Ein wahres Kursfeuerwerk feuerte die Cryptologic-Aktie in den letzten Wochen ab. Seit der Erstempfehlung des AKTIONÄRS hat sich der Titel inzwischen mehr als verdoppelt. Cryptologic liefert die Software für Kunden wie Partygaming, 888.com oder Betfair und erhält im Gegenzug Lizenzgebühren. Aktuell durchläuft das Unternehmen eine Restrukturierungsphase, die im laufenden Quartal abgeschlossen werden soll. Am morgigen Donnerstag wird das Unternehmen die Zahlen zum ersten Quartal präsentieren. Dem Kursverlauf nach zu urteilen dürften diese gut ausfallen. Charttechnisch gelang dem Titel gestern der erneute Ausbruch. Zweistellige Kurse sind hier nur mehr eine Frage der Zeit.
