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Dr. Harald Elsner: "Es steht nicht genügend Dysprosium zur Verfügung"

Markus Bußler

Ohne Seltene Erden geht in der Hightech-Industrie nichts mehr. Egal ob bei Handys, LCD-Fernsehgeräten oder bei Elektromotoren - Seltene Erden finden überall Anwendung. Der Welthandel wird allerdings von China kontrolliert. Rund 95 Prozent der Weltproduktion stammen aus dem Reich der Mitte. Und zuletzt hatte China zum Leidwesen der restlichen Welt die Exportquoten gedrosselt.

DER AKTIONÄR sprach mit Dr. Harald Elsner von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe über die Rolle Chinas beim Handel mit Seltenen Erden. Außerdem erklärt der Experte, bei welchen Elementen er eine Angebotsverknappung sieht und sich die Firmen unabhängiger von China machen können.  

Der Aktionär: Die Versorgung mit Rohstoffen, insbesondere mit Seltenen Erden war in der jüngsten Vergangenheit ein großes Thema. Wie abhängig ist die Welt in diesem Zusammenhang von China?

Dipl.-Geol. Dr. Harald Elsner: Sehr stark. Nach unseren neuesten Berechnungen lag der chinesische Produktionsanteil in 2009 bei 95,9 Prozent. Ursprünglich sind wir von 97,1 Prozent ausgegangen. Aber es produziert ja auch Mountain Pass in den USA, zumindest aus Halden. Außerdem haben wir aktuelle russische Zahlen bekommen. 95,9 Prozent bedeuten aber nach wie vor: Die Welt hängt größtenteils von China ab.

Warum ist das so? Seltene Erden kommen schließlich überall auf der Welt vor.

Dr. Harald Elsner: Seltene Erden sind nicht selten, sie kommen überall auf der Welt vor. Aber China hat sehr große Lagerstätten, die sie seit mehreren Jahrzehnten konsequent ans Netz gebracht haben. Mit günstigen Preisen hat China auch dafür auch gesorgt, dass der Weltmarkt gesättigt wurde und dementsprechend weltweit keine Notwendigkeit bestand eigene Vorkommen ans Netz zu bringen. Das amerikanische Vorkommen Mountain Pass, das über mehrere Jahrzehnte produzierte, ging 2002 vom Netz. Hierbei spielte auch die starke Umweltverschmutzung eine Rolle. 1998 wurde von der  kalifornischen Umweltbehörde die Abwasserentsorgungsgenehmigung entzogen. Seit dieser Zeit ist China alleiniger Produzent. Nur in Russland, Brasilien und Indien finden sich noch vereinzelte Projekte.

Wie verlässlich ist China als Exporteur im bereich der Seltenen Erden?

Dr. Harald Elsner: China drosselt seit einigen Jahren die Exportquoten sehr gering - und dieses Jahr sehr stark. Deshalb rückten die Seltenen Erden auch wieder in den Fokus der Medien. Wir haben Hinweise, dass China auch weiter drosseln wird. China begründet dies mit der starken Umweltbelastung im eigenen Lande und der Notwendigkeit zur Konzentration auf einzelne Firmen, die Exportquoten zugeteilt bekommen. Wir stufen China durchaus als verlässlich ein, nicht jedoch die Informationen, die von dort weitergegeben werden. Vieles scheint damit zusammenzuhängen, dass China zwar konsequent seinen Kurs fährt, aber dieses nach außen nicht transportiert. Viele Informationen gehen durcheinander und werden dann teilweise gerade von japanischen Medien als Falschmeldungen aufgegriffen.

Sie haben gesagt, deutsche Unternehmen sollten sich alternative Lieferquellen aufbauen. Wie könnte so etwas aussehen?

Dr. Harald Elsner: Gerade kleinere deutsche Firmen sollten sich zusammenschließen. Nehmen wir das Beispiel der mittelständisch geprägten Glasindustrie, die Seltene Erden verbraucht. Diese Firmen benötigen die Rohstoffe zum Entfärben der Glasgemenge und zum Polieren von Gläsern. Die Firmen sind sehr klein und auf Händler angewiesen. Wenn sich allerdings die Firmen zu einer Käufergemeinschaft zusammenschließen, könnten sie mit einem Produzenten, der in naher Zukunft mit der Produktion beginnen wird, Lieferkontrakte abschließen, um damit auch mittelfristig unabhängig von China zu werden. Damit sind zwar diese Firmen auch weiterhin von den Preissteigerungen und -schwankungen abhängig, aber zumindest die physische Verknappung sollte damit beendet sein.

Gibt es Seltene Erden, bei denen Sie einen Lieferengpass voraussehen?

Dr. Harald Elsner: Ja. Ich komme gerade zurück von der 6. Internationalen Seltenen Erden Konferenz aus Hongkong. Viele Teilnehmer sind der Ansicht, dass sich die physische Verknappung der leichten Seltenen Erden, speziell von Lanthan und Cer, mit der Inbetriebnahme der Aufbereitung in Malaysia der Firma Lynas sich dem Ende neigen wird. Aber besonders die schweren Seltenen Erden werden gesucht. Diese werden vor allem in Magneten verwendet. Es handelt sich dabei um die Elemente Neodym, Samarium, Terbium und besonders Dysprosium. Dysprosium wird das Element sein, das besonders knapp wird. Verbraucher schauen nicht mehr generell auf die Verfügbarkeit von Seltenen Erden, da diese generell in den kommenden Jahren deutlich besser werden soll. Verbraucher werden auf die Produzenten schauen, die große Mengen Dysprosium zur Verfügung stellen können. Wenn alle Ideen und Möglichkeiten zur Anwendung von Magneten realisiert werden sollen, steht gar nicht genügend Dysprosium zur Verfügung.

Gibt es Produzenten von Dysprosium außerhalb Chinas?

Dr. Harald Elsner: Dysprosium findet man in allen Lagerstätten, aber meist nur in sehr geringen Mengen. Das jetzige Dysprosium, das auf den Weltmarkt kommt, kommt aus Südchina. Die Chinesen haben natürlich auch ein großes Interesse, ihre eigene Magnetindustrie zu entwickeln und aufzubauen - die Wertschöpfung im Lande zu halten. Für Dysprosium kann man für das nächste Jahrzehnt einen Engpass vorhersagen.

Könnte Recycling das Problem auf lange Sicht lösen?

Dr. Harald Elsner: Nein. Japanische und deutsche Firmen arbeiten stark an dem Thema. Recycling ist aber in vielen Bereichen nicht möglich. Denken Sie nur an Autokatalysatoren oder Gläser. Die Stoffe sind zu dissipativ verteilt. Die Magnete, in denen große Mengen Seltene Erden verarbeitet sind, befinden sich in Windkraftanlagen und zukünftig in Hybridautos. Die Windkraftanlagen befinden sich fast alle noch in Betrieb. Recycling wird im Augenblick sehr stark im Bereich Poliermittel in der Glasindustrie umgesetzt. Aktuell wird die Quote in Deutschland von Recycling an Seltenen Erden auf ungefähr ein Prozent geschätzt. Optimistische Vorhersagen gehen davon aus, dass sie in einigen Jahren bis auf zehn Prozent steigen kann. Das heißt 90 Prozent müssen immer noch als Primärmaterial gewonnen werden.

Kann die Versorgung mit Seltenen Erden privatwirtschaftlich gestemmt werden oder ist das letzten Endes auch eine politische Frage?

Dr. Harald Elsner: Sie kann privatwirtschaftlich gestemmt werden, wie jetzt am Beispiel Mount Weld gezeigt wurde. Mount Weld ist ein rein privates Projekt, es gab sogar mal eine deutsche Bank, die das mitfinanziert hat, die hat sich dann aber zurückgezogen. Es fließt sehr viel Privatkapital in alle möglichen Bergbauprojekte von Seltenen Erden. Wie viele davon werthaltig sind, wird die Zukunft zeigen. Sicherlich nicht alle der über 250, die zurzeit bekannt sind und beworben werden. Man geht davon aus, dass letztendlich fünf, maximal zehn Projekte übrig bleiben. Das ist hochriskantes Kapital, das da im Augenblick reingeht, Risikokapital - aber Sie wissen ja selbst: Geld verschwindet nicht, es wechselt nur den Besitzer.

Im neuen großen Seltene-Erden-Report des AKTIONÄRs lesen Sie, welche westlichen Unternehmen das chinesische Monopol in den kommenden Jahren aufbrechen könnten und wie Aktionäre von dieser Entwicklung profitieren könnten. Den Report "Einmalige Rohstoff-Chance 2011: Vervielfachen Sie Ihren Einsatz" können Sie gleich hier herunterladen.

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