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Die Angst geht um

Michael Schröder

Die Lehman-Pleite hat die deutschen Zertifikate-Anleger aufgeschreckt. Das Thema Emittentenbonität ist urplötzlich in aller Munde. Worauf sollten die Anleger achten?

Die Lehman-Pleite hat die deutschen Zertifikate-Anleger aufgeschreckt. Das Thema Emittentenbonität ist urplötzlich in aller Munde. Worauf sollten die Anleger achten?

Viele Jahre spielte das Thema Emittentenrisiko beim Kauf von Zertifikaten überhaupt keine Rolle. Warum auch? Kein (normaler) Mensch konnte ahnen, dass der US-Immobilienmarkt zusammenbrechen würde, geschweige denn, dass große US-Investmentbanken wie Lehman Brothers pleite gehen würden. Zertifikate sind juristisch gesehen Inhaberschuldverschreibungen, das heißt, sie sind in der Regel weder durch einen Einlagensicherungsfonds noch wie bei klassischen Investmentfonds in separaten Sondervermögen geschützt. Der Kunde trägt wie bei Unternehmensanleihen ein Ausfallrisiko, also das Risiko, dass ein Emittent seinen Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkommen kann. Selbst die Kapitalgarantie bei Garantiezertifikaten ist dann nichts mehr wert.

Lehman Brothers: Totalausfall droht

Den Inhabern von Lehman-Zertifikaten droht schlimmstenfalls ein Totalverlust. Es sei denn, dass das europäische Zertifikategeschäft auf den letzten Drücker noch von einem Konkurrenten gekauft wird und der neue Besitzer die Garantien für die Produkte übernimmt. Angeblich sollen ja die britische Barclays und die japanische Nomura interessiert sein. Andernfalls bleibt den Anlegern nur die Hoffnung, dass im Zuge der Insolvenzverwertung zumindest ein Teil des eingesetzten Kapitals zurückbezahlt wird. Im Markt heißt es, dass die Anleger bis zu 30 Prozent des Nominalwertes zurückbekommen können. Genaueres weiß aber niemand, auch nicht, wann eine Rückerstattung möglich ist.

Viele Anleger sind angesichts solcher Hiobsbotschaften stark verunsichert. Experten mahnen daher an, verstärkt auf die Bonität eines Emittenten zu achten. Denn Zertifikate können ihre Vorteile gegenüber Aktien oder Fonds nur dann ausspielen, wenn sie am Ende der Laufzeit auch zurückbezahlt werden können. Doch wie können sich die Anleger über die Bonität der Emittenten informieren? Eine Möglichkeit ist der Blick auf die Ratings der bekannten Ratingagenturen wie Standard & Poor’s (S&P), Fitch oder Moody’s. Diese Bonitätsnoten sind jedoch nur bedingt verlässlich, da sie häufig nur sehr langsam auf Marktveränderungen reagieren. Im Fall von Lehman Brothers hatte S&P erst Anfang September die Investmentbank auf „Beobachtung“ gestellt. Die Ratinganpassung erfolgte erst, nachdem die Bank Insolvenz angemeldet hatte. Zu spät für den Zertifikateanleger.

BNP Paribas on top

Aktuell werden alle großen Player auf dem deutschen Zertifikatemarkt mit guten bis sehr guten Langfristratings von den drei großen Ratingagenturen ausgestattet. Die französische BNP Paribas sticht hierbei als einziges Institut mit einem „AA+“ bei S&P heraus. Bei den Credit Spreads für einjährige beziehungsweise fünfjährige Anleihen fallen die hohen Werte der US-Banken auf. Angesichts der guten Quartalsergebnisse, die Morgan Stanley und Goldman Sachs zuletzt präsentierten, ist aber ein zweiter Fall Lehman Brothers sehr unwahrscheinlich. Die Spreads dürften sich deshalb in den nächsten Wochen wieder normalisieren. Für Anleihen von Sal. Oppenheim gibt es keine Angaben zu den Credit Spreads. Dies hat den einfachen Grund, dass sich das Kölner Bankhaus „am Kapitalmarkt kein Geld leihen muss“, so Zertifikate-Experte Christopher Maaß von Sal. Oppenheim. „Aufgrund des hohen Eigenkapitals kann alles aus eigenen Mitteln finanziert werden.“  

Der Fall Lehman Brothers ändert nichts an der Tatsache, dass Zertifikate häufig die einzig sinnvolle Anlageform sind. Gerade in fallenden oder seitwärts tendierenden Märkten können sich die Anleger mit Zertifikaten gegen Kursverluste absichern beziehungsweise überdurchschnittliche Renditen einfahren. Der Fall Lehman Brothers hat aber auch vor Augen geführt, dass das Emittentenrisiko beim Kauf eines Produkts nicht außer Acht gelassen werden darf. Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte – unabhängig von Ratings und CDS – nicht nur Papiere eines, sondern mehrerer solventer Zertifikateemittenten kaufen.

   

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